TV-Kritik: Das Ende der Geduld (ZDF)
Nicht so nah am Vorbild

Als Jugendrichterin Kirsten Heisig Ende Juni 2010 verschwand, befürchteten viele, sie könne Opfer eines Verbrechens geworden sein. Längst ist klar: Sie war privat ausgebrannt, nahm Tabletten, erhängte sich im Forst. Auch der ZDF-Film, der die Geschichte der unbequemen Juristin aufgriff, endete mit dieser traurigen Gewissheit. Umso fragwürdiger erschien es, dass Regisseur Christian Wagner die Richterin in einer vorherigen Szene von einem Jungen mit Schwert verfolgen ließ und so den Eindruck erweckte, sie könne getötet worden sein. Es war nicht die einzige Seltsamkeit bei diesem Film, der – trotz guter Spielleistung von Martina Gedeck als Richterin Kleist – der wahren Geschichte der Kirsten Heisig nicht so wirklich nahe kam. Zwar gab es auch hier Behördenbesuche und Abende mit den Eltern der gewaltbereiten Jugendlichen aus dem Berliner Problembezirk Neukölln, die das einzigartige Engagement der Richterin unterstrichen. Das seelische Ausbrennen aber war nur sehr dezent angedeutet. Stattdessen wurde, wie beim Selbstmord der jungen Straftäterin zu Beginn, nach plakativen Erklärungen für Kleists Engagement gesucht, wurde zudem durch die lapidare Kritik des Kollegen („eine Irre“) polarisiert. Was richtig ärgerte: Der Film, ausgestrahlt als Beitrag zur Themenwoche Toleranz, schürte durch die Konzentration des Rachekonflikts auf einen einzigen arabischen Familienclan geradezu Vorbehalte. Ziel verfehlt! Petra Noppeney

Mittwoch, 19.11.2014, 18:11 Uhr

 Richterin Corinna Kleist (Martina Gedeck) spricht mit Rafiq al Wahid (Mohamed Issa).
 Richterin Corinna Kleist (Martina Gedeck) spricht mit Rafiq al Wahid (Mohamed Issa). Foto: BR
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