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Besser als Du

Berlin (dpa) - Irgendwo in einem gutbürgerlichen Wohnviertel steht ein Einfamilienhaus. Darin wohnen eine Mutter, zwei Kinder und der Papa.

Mittwoch, 15.04.2015, 14:04 Uhr

Eine Doppelrolle für Christoph Maria Herbst in «Besser als Du».
Eine Doppelrolle für Christoph Maria Herbst in «Besser als Du». Foto: Henning Kaiser

Matthias Pretschke ( Christoph Maria Herbst ) arbeitet als Logopäde und gibt sich gegenüber seiner Familie entspannt und gelassen. Dabei gibt es dafür gar keinen Grund, denn seine Frau Petra (Ulrike C. Tscharre) verlangt die Scheidung. Eine Woche will sie ihm noch geben, um über ihren Ehefrust hinwegzukommen - was nahezu aussichtslos erscheint.

Doch dann klopft plötzlich sein eineiiger Zwillingsbruder Tom Senger (C.M. Herbst) ans Autofenster. Der lockere Schauspieler ist innerlich das genaue Gegenteil des spießigen Familienvaters - und nimmt flugs dessen Part daheim ein.

Tja, und da kommen alle ins Staunen: Sohn Jonas (Valentin Wilczek) kommt aus dem Staunen über Papas plötzliche Computerkenntnisse nicht mehr heraus und vergisst sogar zu stottern. Tochter Fee (Lotte Becker) schüttet ihm endlich ihr Herz aus, und auch Petra entdeckt neue Stärken an ihrem (vermeintlichen) Mann, der nun den Haushalt «etwas sinniger gestaltet».

Derweil geht Michael zu einem Vorsprechen am Theater, wo er auf Toms Ex-Freundin Pola (Sophie von Kessel) trifft. Das muntere Verwechslungsspiel ist also schnell in vollem Gange, und niemand merkt etwas - die Frauen nicht, die Kinder nicht, und selbst die Familienkatze erstaunlicherweise auch nicht.

Offenbar spielt es überhaupt keine Rolle, wer da gerade wer ist. Ist es Tom, der einfach ein lockerer Kerl ist, oder ist es Matthias, der ziemlich klemmig daherkommt und einen Kontrollzwang hat? Aus seinem Blickwinkel heraus wird die ganze Geschichte ja erzählt. Der Zuschauer muss also wirklich dranbleiben, sonst ist er ganz schnell raus. Also besser kein Bier holen oder wegbringen!

Christoph Maria Herbst (49, « Stromberg ») hat selbst noch zwei Schwestern, aber leider keinen Zwillingsbruder. Über seine neue Rolle erzählt er in Hamburg im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur : «Bei den beiden Brüdern gibt es rein äußerlich ja keine Unterscheidungsmerkmale. Die schauspielerische Herausforderung für mich bestand darin, alle zwei mit einem feineren Pinselstrich zu zeichnen. Die beiden mussten einfach genau gleich aussehen. Auf einmal trägt Matthias ja die Jacke von Tom, auch die Brille passt perfekt. Wir hatten beim Dreh ein hervorragendes Double, das vor allem genau meine Kopfform hatte. Ich musste zwischendurch selber überlegen, wen von den beiden ich gerade spiele - Matthias in der Tom-Klamotte, oder umgekehrt?!»

Den drei Grimme-Preisträgern - dem Autor Stefan Rogall, der Regisseurin Isabel Kleefeld und Herrn Herbst - ist eine ausgesprochen hübsche und unterhaltsame Komödie gelungen, und auch der Kameramann Alexander Fischerkoesen hat ganze Arbeit geleistet. Die Hauptfigur musste er stets zweimal filmen, danach fügte er die Szenen per geteiltem Bildschirm (Split-Screen) zusammen.

Manche Szenen wurden auch vor blauem oder grünem Hintergrund gedreht und dann ausgeschnitten - mit dieser Tricktechnik konnte hier Matthias mühelos nach dem Wasserglas seines Bruders Tom greifen.

Natürlich ist der Film ganz auf seinen Hauptdarsteller als unterschiedliches Bruderpaar zugeschnitten: Christoph Maria Herbst hat unzählige Spielfilme («Männerhort») und TV-Filme (zum Beispiel «Und weg bist du») gedreht.

Zu seinem ersten ARD Degeto-Film (er war schon auf dem ZDF-«Traumschiff» zu Gast) erklärt er im dpa-Gespräch: «Vielleicht dachten manche bislang, der Herr Herbst ist ja ohnehin fest bei ProSieben engagiert. Das ist natürlich Quatsch, denn ich bin weder Moderator noch hauptberuflicher "Stromberg"-Darsteller, sondern freier Schauspieler». Und so kann er sein komödiantisches Talent voll unter Beweis stellen, ohne in seine bewährte «Stromberg»-Attitüde zu verfallen, so dass ein Charakterschauspieler zum Vorschein kommt.

Er gibt sowohl den pedantischen Matthias als auch den entspannteren Tom sehr überzeugend und erweist in den kurzen Szenen mit der grüßenden Nachbarin sogar dem großen Loriot seine Reverenz. Das ist alles fein beobachtet, unaufgeregt und mit perfektem Timing erzählt - also ein ausgesprochenes Herbst-Festival mitten im Frühling.

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