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Restless

Berlin (dpa) - Sie sind todgeweihte Teenager: Annabel ist sterbenskrank, Enoch suizidgefährdet. Die Liebe der beiden Jugendlichen steht unter keinem guten Stern.

Montag, 20.04.2015, 17:04 Uhr

Schauspieler Henry Hopper (l.) und Regisseur Gus Van Sant (R) in Cannes 2011.
Schauspieler Henry Hopper (l.) und Regisseur Gus Van Sant (R) in Cannes 2011. Foto: Christophe Karaba

Eigentlich klingt das alles nach dem Stoff, aus dem Schmachtfetzen gemacht sind. Doch mit dem Film « Restless » - an diesem Mittwoch um 20.15 Uhr auf ProSieben zu sehen - gelingt es Regisseur Gus van Sant , die morbide Romanze zweiter Teenager ohne Rührseligkeit zu inszenieren.

Statt eines Dramas zeichnet der US-Regisseur und Independent-Filmer van Sant («Milk», «Good Will Hunting») eine lebensbejahende, skurrile und fast schon märchenhafte Love-Story: schön, melancholisch und abstrakt.

Sonderling Enoch - gespielt von Henry Hopper , dem Sohn von Dennis Hopper («Easy Rider») - hat seinen Vater und seine Mutter bei einem Autounfall verloren, bei dem er beinahe selbst ums Leben gekommen wäre. Er lag im Koma, als seine Eltern beerdigt wurden und konnte sich nicht von ihnen verabschieden. Seine Hobbies sind seitdem - gelinde gesagt - etwas merkwürdig. Er geht zu Beerdigungen fremder Menschen und treibt sich auch sonst häufig auf Friedhöfen herum.

Bei dieser Freizeitbeschäftigung lernt er Annabel kennen, die unheilbar an Krebs erkrankt ist. Zwischen beiden entsteht allmählich eine behutsame und zarte Liebesgeschichte.

Obwohl Annabel (neuer Star in Hollywood: Mia Wasikowska aus « Alice im Wunderland ») nur noch drei Monaten zu leben hat, ist sie eine lebenslustige junge Frau. Sie interessiert sich leidenschaftlich für Ornithologie und liebt das Leben. Das genaue Gegenteil von Enoch, der Schulabbrecher ist, depressiv und dem Leben abgewandt. Annabel hat nur noch drei Monate zu leben. Aber sie sieht dem Tod furchtlos entgegen und reißt Enoch aus der Depression.

Soweit ist der Film über Liebe und Tod noch recht klassisch. Erst die rätselhaften und skurrilen Geschichten in der Geschichte machen «Restless» interessant. Da ist Enochs imaginärer Freund: Hiroshi, der stets Uniform trägt, ist als Kamikaze-Pilot im Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommen. Er ist Enochs einziger Vertrauter, mit dem er «Schiffe versenken spielt» und Steine auf vorbeifahrende Güterzüge wirft.

Die Geschichte scheint nicht im 21. Jahrhundert zu spielen. Enoch und Annabel kleiden sich unzeitgemäß, sie schicken sich keine SMS, keine E-Mails, sondern schreiben sich Briefe. Sie wirken wie aus einer anderen, fast schon märchenhaften Welt. Dadurch wirkt der Film wie aus der Zeit gefallen.

«Restless» wird vor allem von dem Spiel der Hauptdarsteller getragen: Mia Wasikowska in der Rolle der optimistischen und sanften Annabel und Henry Hopper, dem als fragiler Enoch ein viel versprechendes Debüt in einer Filmhauptrolle gelingt.

Den Massengeschmack kann man damit kaum treffen - in die Kinos lockte die ungewöhnliche Romanze in Deutschland dann auch nur etwa 10 000 Menschen.

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