Medien
Tatort - Kälter als der Tod

Morgenmuffel und mütterliche Fürsorge: Das neue Frankfurter «Tatort»- Duo beginnt seine Zusammenarbeit kollegial, zugewandt und unspektakulär. Der erste Fall von Janneke und Brix macht aber neugierig auf mehr.

Dienstag, 12.05.2015, 11:05 Uhr

Die Schauspieler Wolfram Koch und Margarita Broich geben die neuen «Tatort»-Kommissare, die in Frankfurt ermitteln.
Die Schauspieler Wolfram Koch und Margarita Broich geben die neuen «Tatort»-Kommissare, die in Frankfurt ermitteln. Foto: Daniel Reinhardt

Frankfurt/Main (dpa) - Die neuen Frankfurter «Tatort»-Kommissare haben es bei ihrem ersten Fall mit einem dunklen Familiengeheimnis zu tun.

Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) werden an ihrem ersten Arbeitstag zu einem Dreifachmord gerufen: Familie Sanders wurde in ihrem Haus erschossen. Doch wo ist die 17 Jahre alte Tochter Jule (Charleen Deetz)? Von der Nachhilfelehrerin der Kinder, Miranda (Emily Cox), fehlt auch jede Spur. Für die Ermittler beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, der durch familiäre Abgründe mehrerer Generationen führt. «Kälter als der Tod» heißt der erste «Tatort» des Hessischen Rundfunks mit dem neuen Ermittler-Duo, den die ARD an diesem Sonntag (20.15 Uhr) ausstrahlt.

Der Frankfurter Kommissariatsleiter Hennig Riefenstahl (klasse gespielt von Roeland Wiesnekker) ist von dem neuen Duo alles andere als begeistert. Beide haben keine Erfahrung bei der Mordkommission: Brix kommt von der Sitte, Janneke ist eine Quereinsteigerin, die zuvor die Polizei in Berlin psychologisch beraten hat. Die neuen Kommissare sind zudem nicht mehr die Jüngsten. Riefenstahl ist aber auch sauer, weil er bei der Personalauswahl übergangen wurde. Seine Skepsis legt sich jedoch, da das Duo schnell einen ersten Ermittlungserfolg vorweisen kann und von Anfang an kollegial miteinander umgeht.

Die neuen Kommissare sind ganz anders als ihre gegensätzlichen Vorgänger - der dem Alkohol verfallene, eigenbrötlerische Frank Steier (Joachim Król) und die junge, attraktive, freche Conny Mey (Nina Kunzendorf). Brix und Janneke gehen zugewandt, freundlich und neugierig aufeinander zu. Wie sich ihr Verhältnis entwickelt, ist offen. Wie viele andere «Tatort»-Kommissare sind die beiden alleinstehend, scheinen aber keine großen privaten Probleme zu haben. 

Eigenarten und Marotten haben sie aber natürlich: Brix ist ein extremer Morgenmuffel, sehr direkt und entschlossen. Er lebt bei einer alten Freundin, der französischen Gärtnerin Fanny (Zazie de Paris), zur Untermiete. Janneke ist in Frankfurt noch nicht richtig angekommen und hat einen erwachsenen Sohn im Ausland, mit dem sie sich über Internet-Bildtelefon unterhält. Sie fotografiert gerne und will in ihrer mütterlich-fürsorglichen Art sich und ihren Mitmenschen immer wieder etwas Gutes tun, am liebsten mit einer Tasse Tee oder Obst.

Der Bezug zu Frankfurt ist eher zufällig, typische Bilder - etwa der Skyline und von Bornheim-Mitte - fehlen aber nicht. Dabei beeindruckt «Kälter als der Tod» vor allem mit seiner Bildsprache. Regisseur Florian Schwarz und Kameramann Philipp Haberlandt setzen das Buch von Michael Proehl mit schönen, ästhetischen Bildern in Szene. Dazu kommen originelle optische Effekte und Gags: SMS-Nachrichten erscheinen als Comic-Sprechblasen, beim Telefonieren ist der Schirm mehrfach geteilt. Vorstellungen und Rückblenden mischen sich zwischen die aktuelle Handlung, die Kommissare tauchen leibhaftig in die geschilderten Szenen ein.

Die Geschichte ist trotz einiger Schwächen - warum bringen Polizisten Tatverdächtige zu Hause unter? - recht spannend erzählt. Stark dabei Roman Knizka als Schwager des ermordeten Paars und Carina Wiese als seine Frau. Das preisgekrönte Erfolgsduo Proehl/Schwarz kommt mit diesem «Tatort» aber nicht an frühere Folgen wie «Weil sie böse sind» und «Im Schmerz geboren» heran.

Margarita Broich (55) ist die Lebensgefährtin des ehemaligen Leipziger «Tatort»-Kommissars Martin Wuttke (53), der sich am 26. April vom Bildschirm verabschiedete. Broich sorgte während der Dreharbeiten für Diskussionen, weil sie sich in ihrer Rolle als Kommissarin zunächst Selma Jacobi nennen wollte, nach einer von den Nazis ermordeten Jüdin, für die ein Stolperstein vor Broichs Haus in Berlin in den Gehweg eingelassen worden ist.

Ihr zweiter Fall mit dem Titel «Hinter dem Spiegel» soll im September ausgestrahlt werden; der dritte wird derzeit gedreht. Und was macht der Wiesbadener LKA-Ermittler Felix Murot? Ulrich Tukurs fünfter Fall («Wer bin ich?») soll am 27. Dezember gezeigt werden.

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