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Die Cholesterin-Lüge

Herzinfarkt und Schlaganfall sind - neben Krebs - die am häufigsten vorkommenden Krankheiten und Todesursachen. Doch welche Ursachen sind dafür verantwortlich?

Dienstag, 16.06.2015, 13:06 Uhr

Hamburg /Berlin (dpa) - Es passiert von jetzt auf gleich: Der Kreislauf geht runter, es wird einem schwarz vor Augen, ein Herzinfarkt droht oder gar ein Schlaganfall .

Faktoren hierfür sind hauptsächlich das Alter, mangelnde Bewegung, ungesundes Essen, Übergewicht - oder der Cholesterinspiegel. Und genau um den geht es in der neuen Dokumentation «Die Cholesterin-Lüge», die an diesem Donnerstag (20.15 Uhr) auf 3sat zu sehen ist.

Zunächst wird der Begriff erklärt: Cholesterin ist ein Naturstoff, eine lebenswichtige fettähnliche Substanz aus der Gruppe der Sterine, und sein Name leitet sich davon ab, dass er ursprünglich in Gallensteinen gefunden wurde (griechisch: Cholé = Galle, Steréos = fest). Der Körper stellt das Cholesterin selbst her, es steckt in jeder Zelle, es wirkt bei der Bildung von Sexualhormonen und Vitamin D mit. Die Ablagerungen an unseren Arterienwänden - dort wo der Herzinfarkt entsteht -, enthalten Cholesterin. Menschen mit Herzerkrankungen haben häufiger hohe Werte des «bösen» LDL-Cholesterins. Bis heute gilt es als sinnvoll, diese Werte zu senken. Doch ganz eindeutig ist der Fall keineswegs: Etwa 50 Prozent der Patienten, die mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert werden, haben normale Cholesterin-Werte.

Aaron Holm ist ein sympathischer Mann, heute um die 40. Er erzählt im Film seine Geschichte: Im Alter von 21 hatte er plötzlich einen zu hohen Cholesterinspiegel. Sein Arzt fand heraus, dass er familiär vorbelastet war, und Holm musste seinen Lebenswandel rapide ändern, obwohl er keine Symptome hatte und sich nicht krank fühlte. «Ich war eine tickende Zeitbombe», sagt er und weiter: «Ich habe jahrelang die Einnahme von Medikamenten abgelehnt, musste dann aber einlenken, als festgestellt wurde, dass auch meine Arterien verdicken.» Diese Medikamente, Statine genannt, haben natürlich erhebliche Nebenwirkungen, und es ist nicht wirklich geklärt, ob sie das Schlaganfall-Risiko wirklich vermindern. Sie können aber in jedem Fall mögliche Entzündungswerte im Blut senken.

Der Kardiologe Paul Ridker von der Harvard University in Boston klärt den Zuschauer über die Entzündungsprozesse im Körper auf. Der Pharmakologe Stanley Hazen von der Cleveland Clinic stellt den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von rotem Fleisch und Energydrinks und Herzerkrankungen in Frage. Weitere Forscher präsentieren viele Fakten und einige Studien (die meistens von der Pharmaindustrie bezahlt werden) samt ihren Forschungsergebnissen und weisen auf das nötige Unterscheiden zwischen Cholesterin im Essen und im Blut hin. Darf man daher keine Eier und keine Butter mehr essen? Doch, denn der Körper kann das Cholesterin gut vertragen. Für ältere Menschen hat der Cholesterinspiegel ohnehin keine so große Bedeutung.

Es gibt also viele verwirrende Begriffe, Testanalysen und Zahlen, mit denen der Zuschauer hier bombardiert wird. Der unterhaltsame Film von Filmautor Michael McNamara ist wie ein spannender Krimi aufgebaut, mit Cartoo-Eelementen im Stil einer Graphic Novel, und das Cholesterin ist tief in den Fall verwickelt, wenn auch nicht der einzige Übeltäter. Es gibt jede Menge falsche Verdächtige und fragwürdige Zeugen, so dass eine eindeutige Schuldzuweisung schwierig ist. Es bleibt also jeder Einzelne von uns gefragt: Wir alle kennen die Warnungen der Ärzte, doch wer setzt die Ratschläge auch wirklich um? Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung bis ins hohe Alter kann in jedem Fall dazu beitragen, Entzündungen, Cholesterinwerte und Blutdruck niedrig zu halten und somit wesentlich wahrscheinlicher einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu vermeiden.

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