Medien
Mord in Eberswalde

Berlin (dpa) - Wenn das Sommerloch am tiefsten ist, dominieren im Abendprogramm Wiederholungen. Das muss aber nicht immer ein Nachteil sein: Wer etwa den packenden Krimi «Mord in Eberswalde» bei der Erstausstrahlung 2013 verpasst hat, bekommt jetzt eine neue Chance. Die WDR-Produktion, die viele Auszeichnungen einheimste, darunter den Grimme-Preis, ist am Mittwoch um 20.15 Uhr im «Ersten» zu sehen.

Mittwoch, 19.08.2015, 00:08 Uhr

Medien : Mord in Eberswalde
Foto: dpa

Es ist ein Film nach einer grausigen wahren Geschichte: Mit durchschnittener Kehle werden im Frühsommer 1969 zwei Jungen in einem Wald entdeckt. Unzählige Messerstiche bedecken ihre schmalen Körper. Schauplatz ist die Kleinstadt Eberswalde , unweit Ost-Berlin. Bevor der Mörder gefasst wird, muss ein dritter Junge sterben. Im September 1972 wird der 20-jährige Kindermörder Erwin Hagedorn hingerichtet.

« Mord in Eberswalde» zeichnet diesen spektakulären Kriminalfall der DDR nach. Die Suche nach dem Täter begleitet der Konflikt zweier Ermittler und früherer Schulfreunde. Beklemmend steht im Raum: Wäre das dritte Opfer ohne ideologische Verbohrtheit zu retten gewesen?

Der eine, Kommissar Heinz Gödicke (Ronald Zehrfeld), ist bei der Volkspolizei in Eberswalde, der andere, Stefan Witt (Florian Panzner), Major bei der DDR-Staatssicherheit. Das angespannte Verhältnis eskaliert, als Carla (Ulrike C. Tscharre) für den nachdenklichen und fast allzu guten Kommissar den strebsamen, auf Karriere bedachten Stasi-Offizier verlässt. Dieser warnt den Rivalen unverblümt: «Versuch nicht mit den großen Hunden um den Block zu ziehen, wenn Du nicht hoch genug pinkeln kannst.»

Die Stasi bestimmt die Ermittlungen, auch die SED-Führung ist wegen des fehlenden Fahndungserfolgs nervös. Doch als Gödicke die Frage aufwirft, ob der Kindermörder psychisch krank und ein Opfer seiner pädophilen Neigungen ist, stößt er auf blanke Ablehnung. «Es gibt keine homosexuellen Sadisten in Eberswalde - es gibt solche Objekte im Sozialismus nicht», presst Stasi-Major Witt hervor. Parallelen zum westdeutschen Serientäter Jürgen Bartsch, der vier Kinder tötete, darf es auch nicht geben.

Der Fall wird zu den Akten gelegt, obwohl Gödicke warnt, dass die tickende Zeitbombe erneut zuschlagen könnte. Im Herbst 1971 wird wieder ein Junge in Eberswalde ermordet. Die Hartnäckigkeit des Polizisten zahlt sich nun aus. Erwin Hagedorn (Sergius Buckmeier) wird gefasst. Fast erleichtert gesteht der alles - regungslos, monoton. Wie ein Monster wirkt er nicht.

Regisseur Stephan Wagner hat nach einem Drehbuch von Holger Karsten Schmidt inszeniert. Es sei auch ein Film über einen Mord, der von einem Staat begangen wurde, erläuterte Wagner. Schuld, Menschlichkeit, Umgang mit Straftätern, die Macht der Stasi - all das beleuchtet der Streifen an dem einzelnen Fall und bezieht daraus seine Spannung.

Bei der Darstellung des DDR-Alltags gibt es aber ein paar durchaus verzichtbare Klischees - so ständig wehende DDR-Fahnen an grauen Häusern. Auch ein Dialog zum «antifaschistischen Schutzwall», der Mauer, wirkt eher aufgesetzt.

Mit der Erschießung von Hagedorn wurde in der DDR das letzte Todesurteil in einem zivilen Fall vollstreckt. SED-Chef Walter Ulbricht hatte das Gnadengesuch abgelehnt. Erst 1987 schaffte die DDR die Todesstrafe ab. Ein geplanter «Polizeiruf 110» zum Fall Hagedorn wurde im DDR-Fernsehen nie gezeigt. Das Filmmaterial wurde beschlagnahmt.

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