Fernsehen
Über den Tag hinaus

Walter Singer ist todkrank und startet eine Taxi-Tour an wichtige Orte seines Lebens. Das ARD-Drama «Über den Tag hinaus» mit Horst Sachtleben ist ein starker Film über den Abschied vom Leben und eine überraschende Schicksalsgemeinschaft. Botschaft: Es ist nie zu spät!

Mittwoch, 09.09.2015, 00:09 Uhr

Eine schicksalshafte Zufallsbekanntschaft:  Walter Singer (Horst Sachtleben) und Greta Tullner (Katja Studt).
Eine schicksalshafte Zufallsbekanntschaft:  Walter Singer (Horst Sachtleben) und Greta Tullner (Katja Studt). Foto: dpa

Frankfurt (dpa) - Dem Arzt Walter Singer ( Horst Sachtleben ) bleibt nicht mehr viel Zeit. Er hat für sich einen Platz im Hospiz reserviert. Bevor er dort einzieht, unternimmt der 83-Jährige einen letzten Ausflug. Er will Menschen und Orte besuchen, die ihm am Herzen liegen.

Vom Taxi aus lässt er sein Leben Revue passieren - und bringt dabei das Leben von Taxifahrerin Greta ( Katja Studt ) gehörig durcheinander. «Über den Tag hinaus», zu sehen an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) in der ARD , ist ein Film über Abschied und Neuanfang. Anrührend, aber unsentimental.  

Den Tag hat Walter Singer akribisch durchgeplant. Er bestellt ein Taxi. Die Fahrerin ist alles andere als begeistert. Frustriert vom Job nimmt sie nur widerwillig die Tagestour an. Singer dagegen - ein Charmeur alter Schule - nimmt Abschied vom Leben, will noch einmal einen perfekten Tag erleben. Für beide ist es eine schicksalhafte Begegnung, und Singers Ausflug verläuft völlig anders als geplant.

Mit viel Wärme und Humor erzählt Drehbuchautorin Edda Leesch die Geschichte dieser Zufallsbekanntschaft. Zwischen Walter und Greta - stark gespielt von Sachtleben und Studt - entwickelt sich eine tiefe Verbindung. Sie erzählen sich aus ihrem Leben, sie streiten heftig und bewirken im anderen mehr, als sie zugeben wollen. Fast kammerspielartig setzt Regisseur Martin Enlein die beiden Hauptdarsteller in Szene. Dabei gelingt es ihm, bei aller Tragik stets eine hoffnungsvolle, lichte Stimmung zu schaffen, unterlegt mit sorgsam ausgewählter Musik von Chet Bakers «Summertime» bis zu Alanis Morissettes «Utopia».

Die Stärke des Filmes liege in seiner Wahrhaftigkeit und in der großen menschlichen Zuneigung, die sich zwischen Walter und Greta entwickelt, sagte Horst Sachtleben der Deutschen Presse-Agentur . Es sei eine sehr anrührende, zu Herzen gehende Geschichte. In Walter Singer stecke viel von ihm selbst - «auch abgesehen vom Alter», sagt der Schauspieler, der in Kürze 85 Jahre alt wird. «Etwa die Bereitschaft, auf andere Menschen zuzugehen und etwas für sie zu tun. Ich habe sehr viel Verständnis für diese Figur.»

Beim Festival des Deutschen Films in Ludwigshafen hat «Über den Tag hinaus» bereits den Publikumspreis gewonnen. Nun hofft Sachtleben, dass auch die Fernsehzuschauer den Film mögen. Ein Roadtrip zweier einsamer Seelen, über dem die Frage steht: «Wenn dies mein letzter Tag wäre, würde ich dann tun wollen, was ich heute tue?» Als sich Greta und Walter verabschieden, wissen sie, dass sie sich nicht wiedersehen werden. Wenig später kommt in der Taxizentrale ein Paket an. Walters letzter Gruß. 

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