Medien
Die Mutter des Mörders

Ein Verdacht ist immer etwas Schreckliches - auch wenn er sich als falsch erweist, so bleibt doch meistens etwas hängen.

Montag, 14.09.2015, 00:09 Uhr

Die doppelte Natalia Wörner.
Die doppelte Natalia Wörner. Foto: Bernd Weißbrod

Berlin (dpa) - Eine Mutter kämpft wie eine Löwin um ihr Kind - dieses Bild hat sicher jeder vor Augen, wenn es einmal darum gehen sollte, sein eigenes Kind zu verteidigen.

Dies gilt insbesondere dann, wenn dieses Kind behindert ist - und wenn es dann obendrein um einen furchtbaren Verdacht geht, nämlich den des Mordes. Davon handelt der Film «Die Mutter des Mörders», der an diesem Montag (20.15 Uhr) im ZDF zu sehen ist.

Maria ( Natalia Wörner ) arbeitet als Verkäuferin in einem Drogeriemarkt, wohnt in einem hübschen Häuschen in einer ziemlich vornehmen Wohngegend - und sie zieht ihren Sohn Matis ( Lucas Reiber ) alleine groß. Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, da sein Gehirn bei der Geburt vor 20 Jahren zu wenig Sauerstoff bekam und er seitdem geistig behindert ist. Seinen Vater hält er aufgrund der Schilderungen seiner Mutter für tot - in Wahrheit hat Maria ihn davongejagt, als er sie vergewaltigen wollte. Wie auch immer: Mutter und Sohn lieben sich über alles.

Matis wird jeden Tag vom Busfahrer David Bacher (sehr schmierig: Axel Prahl) zur Sonderschule gefahren, und alle beide finden Matis' arrogante Nachbarstochter Lea (Jeanne Goursaud) ausgesprochen hübsch: «Ich will Lea heiraten», sagt Matis. Daraus wird jedoch nichts, denn eines Tages liegt das Mädchen erschlagen neben dem Pool ihres Elternhauses. Matis gerät sofort unter Verdacht, wird festgenommen und eingesperrt. Kommissar Simon (Ernst Stötzner) hält den völlig verzweifelten Jungen für den Täter, woran der Psychologe Dr. Benjamin (Sylvester Groth) hingegen starke Zweifel hat. Die ebenfalls völlig verzweifelte Maria beginnt eigene Ermittlungen und stößt dabei auf Leas Schwimmtrainer, der ebenso wie sein Sohn ein Verhältnis mit ihr gehabt hat.

Die beiden Hauptdarsteller spielen beide grandios. Lucas Reiber (21, «Sprung ins Leben», «Fack ju Göhte 2») hat sich durch ein intensives Coaching offenbar alle Feinheiten der Rolle erarbeiten können, bis hin zum Stottern und genauen Zahlengedächtnis. Er spielt den behinderten Jungen, der zudem in einer heftigen Pubertät steckt und vom Busfahrer mit Pornoheften versorgt wird, mit gut ausbalancierten Nuancen - einen Mord möchte man diesem lieben Jungen nun wirklich nicht zutrauen.

Aber auch Natalia Wörner (48, «Tannbach», «Die Kirche bleibt im Dorf») weiß in ihrer Rolle als überfürsorglicher und überforderter Mutter zu überzeugen. «Jeder Mensch hat Geheimnisse. Sicherlich gibt es Familien, in denen Mütter ihre Söhne als einen anderen Menschen wahrnehmen als der, der er in Wahrheit ist», sagte Wörner der Deutschen Presse-Agentur . «In unserem speziellen Fall hat die Mutter, die ich spiele, einen sehr klaren Instinkt, was ihren Sohn betrifft. Nicht zuletzt auch aufgrund seiner Behinderung.»

Das stimmt wohl. Der wahre Täter soll hier aber nicht verraten werden, doch ist der Filmtitel ziemlich irreführend. Der Film von Regisseur Carlo Rola hat in der ersten Hälfte einige herzzerreißende Momente und wird in der zweiten Hälfte richtig spannend, als endlich andere Verdächtige ins Spiel kommen. An manchen Stellen wirkt die Geschichte ziemlich unplausibel, und das etwas unglaubwürdige Ende ist ebenso überraschend wie ungewöhnlich. Es geht um Schuld und Schuldfähigkeit, Recht und Gerechtigkeit, Vorurteile und Versagen. Niemand ist berechenbar und kommt hier seelisch ungeschoren davon, auch und gerade die Mutter nicht.

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