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Familie verpflichtet

Familie kann man sich nicht aussuchen, die hat man. Maren Kroymann glänzt in einem NDR-Film als anstrengende Mutter eines schwulen Sohnes, der seinen Freund heiraten will. Leider im Spätprogramm.

Donnerstag, 05.11.2015, 00:11 Uhr

Max von Pufendorf spielt eine der männlichen hauptrollen in «familie verpflichtet».
Max von Pufendorf spielt eine der männlichen hauptrollen in «familie verpflichtet». Foto: Jens Kalaene

Berlin (dpa) - Schön bunt ist das Familienleben mittlerweile hierzulande. Natürlich gibt es immer noch mehrheitlich die klassische Beziehung zwischen Mann und Frau, mit und ohne Trauschein, mit und ohne Kinder.

Aber es gibt auch viele sogenannte «Regenbogenfamilien», also Beziehungen zwischen zwei Frauen oder zwei Männern, verheiratet oder nicht, mit oder ohne Kinder. Darum geht es in dem Film «Familie verpflichtet», der am kommenden Donnerstag um 22.00 Uhr im NDR  Fernsehen die neue Reihe «Nordlichter» eröffnet. An den nächsten drei Donnerstagen im November folgen drei weitere Filme.

Der Kunstgalerist David ( Max von Pufendorf ) und sein Freund, der Sportlehrer Khaled (Omar El-Saedi), sind seit zwei Jahren ein Paar, wohnen in einer hübschen Wohnung in Hannover und möchten nun gerne öffentlich heiraten. So weit, so gut - doch dann tauchen so allerlei Probleme auf - und zwar mit der lieben Familie.

Davids jüdischer Mutter Lea Silbermann ( Maren Kroymann ) gehört praktischerweise das Haus, in dem die beiden Jungs wohnen, geht bei ihnen ein und aus (sie hat ja einen Schlüssel) und hätte gerne einen Enkel. Aber daraus wird ja nun vermutlich nichts, und so seufzt die geplagte Frau: «Niemals werde ich einen Enkel in den Armen halten, der einzige Sohn ist ein «Feigele» - und dann auch noch mit einem Araber.» Was die lebenslustige Witwe aber keineswegs daran hindert, mit dem Rabbi ins Bett zu steigen.

Nächstes Problem: Die Familie von Khaled. Er hat sich nicht geoutet, besucht seinen ziemlich homophoben Vater Aledrissi (Armin Yazdani) oft in seinem Restaurant und muss ihm ständig etwas vortäuschen, was auf die Dauer schon ziemlich anstrengend ist.

Und aller Probleme sind drei: Denn dann taucht auch noch Davids Freundin Sarah (Franziska Brandmeier) auf und behauptet, von ihm schwanger zu sein. David lehnt sowohl einen Vaterschaftstest als auch eine Adoption entschieden ab, was wiederum seinen Bräutigam schwer enttäuscht, der doch so gern ein Kind großziehen würde. Was für ein Kuddelmuddel!

Die Culture-Clash-Komödie ist der erste Langfilm von Regisseur Hanno Olderdissen (39) und hat ein teilweise geradezu wahnwitziges Tempo, spritzige Dialoge, hübsche Situationskomik und allerlei Irrungen und Wirrungen zu bieten. So ganz klischeefrei ist sie leider nicht, und die Story (Buch: Lucas Banuscha und Michael Komtesse) wirkt stellenweise doch arg bemüht und überladen.

Aber die Schauspieler agieren mit sichtlicher Spielfreude, vor allem den beiden Hauptdarstellern nimmt man das schwule Liebespaar durchaus ab (ganz anders als jüngst in dem sterilen ARD-Film «Vier kriegen ein Kind»). Die beiden wirken geradezu erschreckend normal in ihrem Umfeld, das von eigensinnigen und kauzigen Typen nur so wimmelt. Einige Nebenfiguren wie ein liebestoller Künstler unterm Dach oder ein schmieriger Kunsthändler sind ziemlich entbehrlich.

Überhaupt nicht entbehrlich hingegen ist Maren Kroymann (65, «Freier Fall», «Eichwald, MdB»), die hier als recht dominante und etwas übergriffige Mutter eine Glanzleistung abliefert. Die Kabarettistin, Schauspielerin und Sängerin ist derzeit bundesweit erfolgreich mit ihrem Bühnenprogramm «In my Sixties» unterwegs, und sie wurde kürzlich in Berlin mit dem «MANEO-Award» ausgezeichnet, womit ihr künstlerisches und gesellschaftliches Engagement gegen Homophobie, Frauenfeindlichkeit und Gewalt gewürdigt wird.

Fazit: «Familie verpflichtet» (der Film könnte ruhig um 20.15 Uhr laufen) geht das Thema locker-flockig an und zeigt sehr unterhaltsam, dass ein homosexuelles Paar mitten in der Gesellschaft verankert sein und damit genauso bürgerlich leben möchte wie jedes andere Paar auch.

Und ganz nebenbei wird deutlich, dass weder Alter, Herkunft, Geschlecht, Moral oder Tradition eine Rolle dabei spielen, und die Religion schon mal gleich gar nicht. Es geht schlicht und ergreifend um die Liebe und um ein eigenständiges und anerkanntes Leben voller gegenseitigem Respekt - und das ist sicher Verpflichtung genug.

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