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Jack London - Ein amerikanisches Original

Sein kurzes Dasein war wie ein Roman voller Höhen und Tiefen. Der Arte-Film «Jack London - Ein amerikanisches Original» schildert den Autor des «Seewolf» auch als Seefahrer, Goldsucher, Landstreicher, Trinker und glühenden Sozialisten.

Samstag, 03.12.2016, 00:12 Uhr

Jack London im Jahr 1911 auf seinem Boot «Roamer».
Jack London im Jahr 1911 auf seinem Boot «Roamer». Foto: dpa

Berlin (dpa) - «Das weiße Schweigen» nannte der Abenteuer-Schriftsteller Jack London (1876-1916, «Der Ruf der Wildnis») seine Vorstellung von einer überwältigend gefühllosen Natur, der der einzelne Mensch einsam gegenüber steht.

Londons Grundidee von der Welt geriet so zu der eines riesiges Spielfelds, auf dem wir alle unsere Ohnmacht nur gemeinsam, durch die Verbindung zu Anderen, überwinden können. So sind auch seine Buchhelden gegen manchen Anschein keinesfalls Einzelkämpfer. «Seine Hauptfiguren sind Menschen, die sich bemühen, anderen Menschen beim Überleben zu helfen», erklärt die Literaturwissenschaftlerin Jeanne Reesmann in der packenden Dokumentation «Jack London - Ein amerikanisches Original», die Arte am Samstag (3. Dezember) um 20.15 Uhr zeigt.

Der eineinhalbstündige Film von Michel Viotte anlässlich des 100. Todestags am 22. November schildert das Leben des bis heute beliebten Erfolgsautors von «Wolfsblut», «Der Seewolf » oder auch «König Alkohol» mit allen Höhen und Tiefen. London war Goldschürfer, Landstreicher, Seefahrer und reiste als blinder Passagier auf Güterzügen. Er war Farmer, Reporter, Trinker und glühender Sozialist, der das Leben der Arbeiter dokumentierte und verbessern helfen wollte.

Zum Teil unveröffentlichte Fotografien und historische Filmaufnahmen, Spielszenen sowie Wortbeiträge von Experten zeichnen das Bild eines charismatisch gut aussehenden, kraftvollen und dabei doch sensiblen Mannes. Der in Armut und Elend geboren wurde, es früh zum seinerzeit berühmtesten Schriftsteller des Erdballs brachte, Kollegen wie Mark Twain und Ernest Hemingway inspirierte und so intensiv lebte, als habe er seinen frühen Tod mit 40 Jahren voraus geahnt. «Die Funktion des Menschen ist zu leben, nicht einfach zu existieren», sagte London.

Mit 14 schuftete der uneheliche Sohn einer Spiritistin für zehn Cent die Stunde in einer Konservenfabrik in Kalifornien , 1897 erfror er fast beim Goldsuchen am Klondike in Alaska. In der eisigen Kälte des hohen Nordens bekam er durch die Erzählungen seiner Mit-Abenteurer aber auch Stoff für seine Geschichten, die ihn bald zum gut verdienenden Bestsellerautor machten.

Bevor er seinen ersten Band veröffentlichen konnte, handelte sich London allerdings rund 100 Absagen von Zeitungen und Verlagen ein. Später segelte er auf seiner Jacht «Snark» mit seiner zweiten Ehefrau Charmian durch den Pazifik und fotografierte Einheimische. Hauste als Undercover-Reporter in den Slums der britischen Hauptstadt, geriet als Korrespondent im Russisch-Japanischen Krieg in Gefangenschaft und betrieb auf seiner Ranch Öko-Landwirtschaft.

Auch das große Erdbeben, das 1906 San Francisco zerstörte, erlebte London und verfasste darüber einen Augenzeugenbericht für das Wochenmagazin «Collier's». Am Ende seiner Tage geriet er nicht nur in gesundheitliche Not, sondern auch wieder in große wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Der Autor gab das Geld, das er verdiente, bei der Verwirklichung seiner Träume gern großzügig aus. Ein Plus der Produktion von Arte France und «La Compagnie des Indes» ist bei alledem, dass sie die Lebensgeschichte Londons vor dem Hintergrund umwälzender politischer und gesellschaftlicher Geschehnisse verortet. Zur Zeit seiner Geburt begann in den USA die Phase der Industrialisierung mit einem teils gnadenlosen Kapitalismus. Und die Entwicklung Amerikas zu einer Macht, die auch an anderen Teilen der Welt Kontrolle ausübt.

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