„Nachtsicht“ - „Tatort“ aus Bremen
Ein Auto wird zur Mordwaffe

Bremen -

Lautlos und nahezu unsichtbar gleitet das Auto durch die Dunkelheit – bis der Fahrer plötzlich das Schweinwerferlicht anschaltet und draufhält. Mehrfach überfährt der Mörder den wehrlosen Mann auf der Straße. Die Kommissare Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) haben im neuen Bremer „Tatort: Nachtsicht“ von vornherein den Lackierer und ehemaligen Drogenabhängigen Kristian Friedland (Moritz Führmann) im Visier – seine Eltern aber blockieren die Ermittlungen gegen ihren Sohn hartnäckig.

Sonntag, 12.03.2017, 07:03 Uhr

Am Unglücksort finden
Am Unglücksort finden Foto: ARD/privat

„Da war mein Sohn schon lange im Bett“, fährt Jost Friedland ( Rainer Bock ) die Kommissare an, als die ihn nach dem ersten Mord befragen. „Und das wissen Sie, weil sie ihn jeden Abend ins Bett bringen?“, fragt Kommissarin Lürsen gereizt. Die Szene gleich zu Beginn des neuen Tatorts fängt die Beziehung zwischen dem Hauptverdächtigen Kristian Friedland und seinem Vater gut ein.

Später wird noch deutlicher, dass der Wunsch nach Anerkennung durch den Vater und die Auflehnung gegen ihn einen inneren Kampf im Kopf des tief depressiven Sohnes führen.

Als weitere Leichen auftauchen, entdecken die Kommissare die Tatwaffe: Das Auto gleicht einem selbstgebauten Panzer. Extradicke Türen, ein Dorn neben dem Hinterrad, Plexiglas unter dem Sitz, um die Opfer während ihres Todes zu beobachten – der umgerüstete Wagen ist absolut „todessicher“. Wie bei Tarantinos „Death Proof“ empfindet der professionell ausgestattete Täter Erregung beim Überfahren seiner Opfer. Eine makabre Trophäensammlung bestärkt diese Annahme für die Kommissare. Dem Zuschauer kann dabei schnell anders werden.

Tatort: Nachtsicht

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  • Spuren am Tatort deuten darauf hin, dass das Opfer gezielt mit einem Auto überfahren worden ist. (Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel), Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen), Rechtsmediziner Dr. Katzmann (Matthias Brenner)

    Foto: Radio Bremen / Michael Ihle
  • Wieder Teil des Ermittlerteams: Linda Selb vom BKA (Luise Wolfram).

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  • Leonie Friedland (Angela Roy) ist von der Unschuld ihres Sohnes Kristian (Moritz Führmann) überzeugt.

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  • Das Ehepaar Friedland reagiert irritiert auf den Durchsuchungsbeschluss der Kommissare. (v.l.n.r.: Leonie Friedland (Angela Roy), Jost Friedland (Rainer Bock))

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  • Kristian Friedland und seine Freundin Tajana Noack sind überrascht: Seine Eltern Leonie und Jost Friedland wollen nach Kanada auswandern. (v.l.n.r.: Tajana Noack (Natalie Belitski), Jost Friedland (Rainer Bock), Leonie Friedland (Angela Roy), Kristian Freidland (Moritz Führmann))

    Foto: Radio Bremen / Michael Ihle
  • Zwischen Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) und Linda Selb vom BKA (Luise Wolfram) knistert es.

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  • Kristian Friedland steht unter Mordverdacht, doch sein Vater verhindert eine Befragung durch die Kommissare. (v.l.n.r.: Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel), Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen), Kristian Friedland (Moritz Führmann), Jost Friedland (Rainer Bock)

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  • Hauptkommissar Stedefreund ist auf die Mithilfe der Freundin des Verdächtigen angewiesen. (v.l.n.r.: Tajana Noack (Natalia Belitski), Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen))

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  • Wer ist der Mann unter der Maske?

    Foto: Radio Bremen / Michael Ihle
  • Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel, rechts) ist sich sicher, dass ihr die Mutter des Verdächtigen Leonie Friedland (Angela Roy, links) wichtige Informationen verschweigt.

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  • Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen, rechts) stößt im Keller von Jost Friedland (Rainer Bock, links) auf Überraschungen.

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  • Die Bremer Hauptkommissare Inga Lüsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) haben es mit einem Serienmörder zu tun.

    Foto: Radio Bremen / Michael Ihle
  • Sein Sohn steht unter Mordverdacht. Für Jost Friedland (Rainer Bock) wird der Arbeitsalltag zunehmend schwieriger.

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  • Beim Rechtsmediziner Dr. Katzmann (Matthias Brenner) liegen angesichts der Brutalität des Täters die Nerven blank (links Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel)).

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  • Kristian Friedland (Moritz Führmann) ist ins Fadenkreuz der Ermittlungen geraten.

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  • Auch Freundin Tajana Noack (Natalia Belitski) ist sich sicher: Kristian (Moritz Führmann) war es nicht.

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  • Behält stets den Überblick: Helen Reinders (Camilla Renschke), Tochter von Inga Lürsen und Kommissarin vom Dienst.

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  • Ein Serienmörder, ein Verdächtiger, doch die Beweislage ist mau. Kein leichter Fall für Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel).

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  • Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) ist sich sicher, dass Kristian Friedland (Moritz Führmann) der Täter ist. Doch die Indizien reichen nicht aus.

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  • Erneut wurde ein Mann nachts überfahren. Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) ahnt, dass sie es mit einem Serienmörder zu tun haben. (im Hintergrund: Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel))

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  • Mit einem unbekannten Fahrzeug werden nachts Menschen überfahren.

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  • Hier war ein Profi am Werk. Die Bremer Kommissare untersuchen gemeinsam mit Linda Selb vom BKA das Tatfahrzeug. (v.l.: Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen), Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel), Linda Selb vom BKA (Luise Wolfram))

    Foto: Radio Bremen / Michael Ihle

Fassade des Schweigens

Schon zu Beginn des „Tatorts“ finden Kristian Friedlands Eltern Hinweise, dass ihr Sohn der Mörder ist. Doch die krebskranke Leonie Friedland (Angela Roy) will es nicht sehen, der Vater lenkt den Verdacht auf Kristians Arbeitskollegen. Die Familie baut eine Fassade des Schweigens und Verschleierns um das Unaussprechliche.

Mit dem Theaterschauspieler Moritz Führmann wurde die passende Besetzung für Kristian Friedland gefunden. Gekonnt setzt er dessen emotionale Ausbrüche um, die in dieser Rolle nicht überdramatisch wirken. Neben der still leidenden Angela Roy und dem entschlossenen Rainer Bock, gelingt es ihm, die innere Rebellion gegen die heile Familienwelt zu inszenieren.

Drehbuchautor aus Münster

Das Drehbuch zu diesem ungewöhnlichen „Tatort“ stammt von Stefanie Veith und dem kürzlich im Alter von 42 Jahren verstorbenen Matthias Tuchmann. Tuchmann wurde 1974 in Münster geboren und war von Kindheit an vom Medium Film fasziniert, teilte seine Familie mit. Er machte sein Abitur am Paulinum und entwickelte bereits zu Schulzeiten Ideen für Filme, die er gemeinsam mit Freunden umsetzte.

Zunächst begann er ein Studium an der WWU, bewarb sich dann aber an der renommierten Filmakademie in Ludwigsburg und bekam einen der begehrten Studienplätze. Während des Studiums verfasste er das Drehbuch zu dem preisgekrönten Kurzfilm „Der Mungo“, der 2006 verfilmt wurde.

Matthias Tuchman

Der Autor der Folge ist der mittlerweile verstorbene Matthias Tuchmann aus Münster. Foto: privat

Seitdem schrieb er für verschiedene TV-Formate. Gemeinsam mit Michael Proehl entwickelte er den Kritiker-Erfolg „Hannah Mangold & Lucy Palm“ und das aktuelle „Tatort“-Ermittler-Team des Hessischen Rundfunks. Er schrieb mehrere „Tatort“-Bücher, verfasste zudem Dramen, Science Fiction und auch Krimi-Komödien („Der letzte Bulle“). Am 24. November ist er im Alter von 42 Jahren an einem Herzinfarkt in Berlin verstorben.

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