TV-Tipp
Im Tunnel

Der TV-Thriller «Im Tunnel» ist eine nahezu unfassbar spannende Geschichte mit einer tollen Hauptfigur, gespielt von Maria Simon.

Montag, 24.04.2017, 00:04 Uhr

TV-Tipp : Im Tunnel
Foto: Boris Laewen

Berlin (dpa) - Maria Simon ist dem TV-Publikum in erster Linie bekannt als Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski im ARD-«Polizeiruf 110» aus Brandenburg. Nun steht die 41-Jährige beim ZDF-Thriller «Im Tunnel» im Mittelpunkt, der an diesem Montag (20.15 Uhr) zu sehen ist.

Maren (Maria Simon) lässt der Tod ihres Bruders Erik (Johannes May) einfach nicht los, den sie erschlagen in seiner Wohnung gefunden hat. Sie beginnt, auf eigene Faust zu recherchieren und findet Hinweise auf eine ungeheure Verschwörung: Ist Erik etwa das Opfer eines Auftragsmordes geworden?

Dahinter soll eine kriminelle Gruppe stecken, die im alten Hamburger Tunnelsystem heimlich Gift- oder sogar Atommüll einlagert und damit ein Milliardengeschäft macht. Während ihr Mann Mehdi (Carlo Ljubek) und ihre Kinder Paula (Carolin Garnier) und Daniel (Tom Philipp) wieder in den Alltag zurückkehren möchten, verbeißt sich Maren in ihre Recherchen, um Beweise für ihre Vermutung zu finden.

Doch niemand glaubt ihr - auch die Polizei nicht. Marens Familie und ihre beste Freundin Iris (Jasmin Gerat) merken viel zu spät, dass etwas nicht mit ihr stimmt - Maren verdächtigt sogar ihren Mann (bis er auszieht) und ängstigt ihre Kinder, als sie mit dem Geigerzähler durch die Wohnung läuft, die ja verstrahlt sein könnte.

Maria Simon war schon einmal in einer ähnlichen Rolle zu sehen; in dem Film «Silvia S. - Blinde Wut» (Sat.1) spielte sie eine Frau, die völlig ausrastet. «Marens Leben ist aus den Fugen geraten durch den Tod ihres Bruders», sagte die Leizigerin in einem ZDF-Interview. «Auf einmal wird ihr bewusst, dass die Welt, in die sie sich hinein gelebt hat, brüchig wird. Die Welt ist auf einmal sehr bedrohlich. Es geht um Themen, die es schon immer gibt, aber bisher kaum verfilmt oder angesprochen worden sind. Die Ängste und Extremsituationen ansprechen, mit denen wir im Alltag zunehmend konfrontiert werden.»

Regisseur Kai Wessel (55, «Frau Roggenschaubs Reise», «Nebel im August») hat mit Maria Simon bereits den Film «Es war einer von uns» (2011, ZDF ) inszeniert. Ihm ist nun ein Drama um den schmalen Grat zwischen Realität und Wahn gelungen - und um die Geschichte einer Frau, die in eine unverschuldete Lebenskrise gerät und beginnt, um ihre Anerkennung, ihre Familie und ihre Freiheit zu kämpfen.

Reinster Seelenstriptease sind die Szenen mit der Gutachterin (Johanna Gastdorf), der sie ihre Sicht der Dinge schildert. «Nie habe ich die Dinge klarer gesehen. Nie hätte ich gedacht, dass die Menschen, die ich am meisten liebe, meine größten Feinde sind», wird sie anfangs sagen. Später dann: «Nicht die Menschen sind meine Feinde. Der größte Feind sitzt in meinem Kopf.»

Das klingt schon bedrohlich, doch die Geschichte fängt völlig harmlos und unauffällig an, bis die Situation alsbald eskaliert. Es geht um Vertrauensverlust und Verunsicherung bei dieser Frau, die eine schwere Psychose hat. Sie sitzt - im übertragenen Sinne - auch in einem Tunnel fest, ist also gefangen in sich selbst und sieht in jedem Zufall einen Zusammenhang von größeren Dingen.

Wessel findet dazu ebenso subjektive wie anschauliche Bilder, quasi aus dem Inneren von Maren heraus, womöglich in etwa so, wie sie das Ganze in ihrer verschobenen Wahrnehmung erleben mag. Das ist ebenso großartig wie die schmerzvolle Intensität, mit der Maria Simon ihre Figur verkörpert, und für den Zuschauer ist es schlichtweg hochspannend.

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