Leitmayr und Batic ermitteln in der Porno-Branche
Münchener Tatort: Hardcore

München -

Die Pornobranche: Verrucht oder normales Alltagsgeschäft? Der neue „Tatort“ aus München gibt Einblicke in eine Welt, die vielen völlig unbekannt ist – sagen zumindest alle. In „Hardcore“ wird die Pornodarstellerin Marie alias Luna Pink nach einem Dreh erdrosselt. 

Sonntag, 08.10.2017, 15:10 Uhr

Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec, r., und Udo Wachtveitl) befragen Stella Harms (Luise Heyer), eine Freundin von Marie, um mehr über das Opfer zu erfahren.
Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec, r., und Udo Wachtveitl) befragen Stella Harms (Luise Heyer), eine Freundin von Marie, um mehr über das Opfer zu erfahren. Foto: Bayerischer Rundfunk

Franz Leitmayr und Ivo Batic ermitteln in einer Branche, von der sie bislang keine Ahnung hatten. Philip Koch hat den ARD-Krimi inszeniert, der an diesem Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen ist.

Auch wenn es der Titel und das Thema nicht vermuten lassen: „Hardcore“ zeigt so gut wie keine nackten Tatsachen. Statt auf explizite Szenen setzt der Film auf die Vorstellungskraft. Härter ist dagegen die Sprache, die sich doch recht freizügig des Jargons bedient, der in der Branche üblich ist.

Das Ergebnis ist ein intensiver und sehr düsterer Krimi aus einer Welt, die nur im Heimlichen existiert und die die Beteiligten dazu zwingt, in einem Netz aus Lügen und Halbwahrheiten zu leben.

Ein Spiel mit der Phantasie des Zuschauers

„Wir wollten nicht lange sexuelle Darstellungen zeigen, sondern es sollte so viel wie möglich der Vorstellung jedes Zuschauers überlassen bleiben“, sagte Regisseur Koch der Deutschen Presse-Agentur in München. Deshalb wird vieles nur angedeutet. Gleich zu Beginn sind Männer mit Masken zu sehen, sie stehen im Kreis, die Münder in Ekstase verzerrt, die Musik rhythmisch und abgehackt. Sie stehen um ein Planschbecken, in dem eine junge Frau steht. Später entdecken die Kommissare im seichten Wasser Spuren der Lust.

Münchener Tatort: Hardcore

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  • Von links: Die Kriminalhauptkommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) besprechen sich mit Kriminalkommissar Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) am Tatort.

    Foto: BR/Hagen Keller/Hager Moss Film GmbH
  • Von links: Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) befragt zwei männliche Pornodarsteller (Martin Bruchmann und Sebastian Fischer) am Set.

    Foto: BR/Hagen Keller/Hager Moss Film GmbH
  • Von links: Kriminalhauptkommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec), Pornodarstellerin Nikki (Jarah Maria Anders) und Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl). Die Kommissare platzen mitten in einen Pornodreh.

    Foto: BR/Hagen Keller
  • Kommissar Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) hat einen wichtigen Hinweis zur Identifizierung des Mörders gefunden.

    Foto: BR/Hagen Keller
  • Gerichtsmediziner Dr. Matthias Steinbrecher (Robert Joseph Bartl) wundert sich, dass die Leiche von Marie Wager (Helen Barke) mitten in dem großen Studio lag.

    Foto: BR/Hagen Keller
  • Oberstaatsanwalt Kysela (Götz Schulte) kann nicht fassen, was er bei den Porno-Dreharbeiten sieht.

    Foto: BR/Hagen Keller
  • Von links: Helen Barke als Luna/Marie Wagner und Kameramann Jonas Schmager beim Dreh einer Szene des "Tatort: Hardcore".

    Foto: BR/Hagen Keller
  • Von links: Helen Barke als Luna/Marie Wagner am Set des "Tatort: Hardcore", im Gespräch mit Regisseur Philip Koch über die zu drehende Szene.

    Foto: BR/Hagen Keller
  • Von links: Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Kriminalhauptkommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec) beobachten Oberstaatsanwalt Kysela (Goetz Schulte) bei der Identifizierung seiner toten Tochter.

    Foto: BR/Hagen Keller
  • Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) versucht während der Porno-Dreharbeiten jemanden zu finden.

    Foto: BR/Hagen Keller
  • Von links: Die Kriminalhauptkommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) untersuchen die Leiche von Marie Wagner (Helen Barke) gemeinsam mit Gerichtsmediziner Dr. Matthias Steinbrecher (Robert Joseph Bartl).

    Foto: BR/Hagen Keller
  • Stella Harms (Luise Heyer) ist kurz vor ihrem wichtigen Treffen sichtlich nervös.

    Foto: BR/Hagen Keller
  • Von links: Pornoproduzent Olli Hauer (Frederic Linkemann) hatte sich den Abend der Dreharbeiten ganz anders vorgestellt.

    Foto: BR/Jonas Schmager
  • Pornoproduzent Sam Jordan (Markus Hering) kann nicht fassen, dass ihn die Kommissare bei seinen Dreharbeiten stören.

    Foto: BR/Hagen Keller
  • Von links: Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) lehnt dankend das Angebot der beiden Pornodarsteller (Martin Bruchmann und Sebastian Fischer) ab, bei den Dreharbeiten mitzumachen.

    Foto: BR/Hagen Keller
  • Von links: Pornoproduzent Olli Hauer (Frederic Linkemann) überlegt, was er mit den sensiblen Daten von seinen Dreharbeiten machen soll.

    Foto: BR/Hagen Keller
  • Luna Pink (Helen Barke) bei einem Pornodreh.

    Foto: BR/Jonas Schmager
  • Von links: Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Kriminalhauptkommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec) hören sich an, welche neuen Beweise Kriminalkommissar Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) gefunden hat.

    Foto: BR/Hagen Keller
  • Stella Harms (Luise Heyer) kurz vor ihrem Auftritt.

    Foto: BR
  • Oberstaatsanwalt Kysela (Götz Schulte) kann nicht fassen, was er bei den Porno-Dreharbeiten alles sieht.

    Foto: BR/Hagen Keller

Doch anders als vielleicht erwartet geht es in „Hardcore“ nicht um hilflose Frauen, die von mächtigen Pornoproduzenten gegen ihren Willen ausgebeutet werden. Denn mächtig sind die Produzenten keineswegs, lohnt sich das professionelle Drehen und Vermarkten von Pornos doch schon lange nicht mehr. Zu stark ist die Konkurrenz der Amateurfilmer, die mit Webcam direkt aus dem heimischen Wohnzimmer ihre Filmchen online anbieten.

Zweites Leben: Pornodarstellerin

Koch, der auch das Drehbuch mitgeschrieben hat, ging es vielmehr um die Frage, wie Menschen damit umgehen, dass sie als Pornodarsteller arbeiten. „Das machen viele in der Branche so, sich ausleben und hoffen, dass es keiner merkt“, sagt Stella (Luise Heyer), eine Freundin und ehemalige Kollegin der Ermordeten. Sie hat sich selber jahrelang vor der Kamera ausgezogen.

Doch nun hat sie Mann und Kind und versucht, ein bürgerliches Leben zu führen. Doch über Marie hat sie immer noch viele Kontakte, sehr zum Ärger ihres Mannes, der nicht verstehen kann, was seine Frau an Pornodrehs so reizvoll findet. Noch ärger trifft es Maries Eltern, als sie nach dem Tod ihrer Tochter ihr Doppelleben aufdecken.

Am Ende stoßen die Kommissare auf ein Netz aus Geheimnissen, Lügen und Intrigen. Eine Welt, in der keiner eingestehen will, was er wirklich macht. Auch Maries Vater, Oberstaatsanwalt Kysela, will sein Gesicht wahren. „Ich wollte sie doch nur in Würde unter die Erde bringen“, sagt er und verkennt, dass seine Tochter von Würde vielleicht ganz andere Vorstellungen hatte.

Die erfolgreichsten Tatorte seit 1991

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  • Wer sind die beliebtesten Ermittler? Eine Übersicht der 10 erfolgreichsten „Tatort“-Krimis seit Beginn der gemeinsamen Quotenerfassung von Ost und West - die mobile Nutzung und Mediatheken-Abrufe sind nicht eingerechnet:

    Foto: Bernd Thissen, dpa
  • 1. Der Fall Schimanski (Götz George als Horst Schimanski, 29.12.1991): 16,68 Millionen Zuschauer/52,3 Prozent Marktanteil

    Schimanski (Götz George) hebt ab und geniesst seinen Urlaub.

    Foto: WDR/Hans Zinner
  • 2. Kinderlieb (Schimanski, 27.10.1991): 16,07 Mio/45,4 Prozent.

    Sonntagmorgen - Schimanski (Götz George, links) will die Natur genießen. Thanner ist sauer so früh gestört zu werden, er hätte lieber noch ein bischen geschlafen.

    Foto: MDR/WDR/von der Heydt
  • 3. Stoevers Fall (Manfred Krug als Paul Stoever und Charles Brauer als Peter Brockmöller, 5.7.1992): 15,86 Mio/52,8 Prozent.

    Hauptkommissar Stoever (Manfred Krug, rechts) trifft am Tatort auf seinen Kollegen Lindemann (Dieter Thomas Heck), den Leiter der Abteilung "Organisierte Kriminalität", der im Verdacht steht, vom "St. Pauli Paten" gekauft worden zu sein.
    im Hintergrund: Hauptkommissar Brockmöller (Charles Brauer).

    Foto: NDR
  • 4. Experiment (Stoever/Brockmöller, 3.5.1992): 15,29 Mio/49,7 Prozent.

    Hauptkommissar Brockmöller (Charles Brauer) hat versucht, incognito in dem Krankenhaus herumzuschnüffeln, in dem die geheimnisvollen Todesfälle passiert sind. Er wurde ertappt und auf die psychiatrische Station verlegt. Sein Kollege Stoever (Manfred Krug, re) kommt, um ihn zu befreien.

    Foto: NDR
  • 5. Fangschuss (Axel Prahl als Frank Thiel und Jan Josef Liefers als Karl-Friedrich Boerne, 2.04.2017): 14,56 Mio/39,6 Prozent.

    Kriminalhauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl, l.) und Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) sind in die Top Ten der „Tatort“-Quotenrangliste gelandet.

    Foto: WDR/Thomas Kost
  • 6. Tod im Häcksler (Ulrike Folkerts als Lena Odenthal, 13.10.1991): 14,46 Mio/44,6 Prozent.

    Foto: Uwe Anspach,dpa (Symbolbild)
  • 7. Blutwurstwalzer (Günter Lamprecht als Franz Markowitz, 22.9.1991): 14,37 Mio/49,0 Prozent.

    Günter Lamprecht (links) als Franz Markowitz und Jürgen Vogel als Alex.

    Foto: HR/SFB
  • 8. Tod eines Wachmanns (Martin Lüttge als Bernd Flemming, 25.10.1992): 14,26 Mio/42,9 Prozent.

    Nach dem Attentat auf den Konvoy der englischen Königin dankt Helmer (Ulrich Pleitgen, r.) Fleming (Martin Lüttge) und seinen Mitarbeitern (Klaus J. Behrend, hinten l., und Roswita Schreiner, hinten, r.) im Namen des BKA für ihre hervorragende Arbeit, aber entzieht ihnen gleichzeitig auch die Ermittlung.

    Foto: WDR/Vogelmann
  • 9. Der Mörder und der Prinz (Flemming, 17.05.1992): 14,09 Mio/52,8 Prozent.

    Weiberfastnacht in Düsseldorf: Kommissar Flemming (Martin Lüttge,r) versucht vergeblich, gute Miene dabei zu machen. (links: Komparsinnen)

    Foto: WDR
  • 10. Telephongeld (Michael Janisch als Michael Fichtl, 15.9.1991): 14,02 Mio/48,1 Prozent

    Foto: dpa (Symbolbild)
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