„Gott ist auch nur ein Mensch“
So wird der neue Münster-Tatort am Sonntag

Münster -

Münster ist in heller Aufregung: Kurz vor den internationalen Skulptur-Tagen treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Die Ermittlungen führen Thiel und Boerne in die Kunstwelt - und in die eigene Vergangenheit.

Sonntag, 19.11.2017, 11:50 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 19.11.2017, 11:50 Uhr
„Gott ist auch nur ein Mensch“: So wird der neue Münster-Tatort am Sonntag
Münsters Skulpturen spielen im neuen Tatort eine wichtige Rolle. Foto: © WDR/Wolfgang Ennenbach

Das Töten ist eine Kunst - zumindest im neuen „Tatort“ aus Münster. Im Vorfeld der weltbekannten Skulptur-Tage treibt ein Serienkiller sein Unwesen in der Stadt. Gewohnt pointenreich führt der Kriminalfall das Ermittler-Duo in die Welt der zeitgenössischen Kunst. Und während sich Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) dabei auf eine Reise in die eigene Vergangenheit begibt, entdeckt Prof. Karl-Friedrich Boerne ( Jan Josef Liefers ) den Künstler in sich.

In „Gott ist auch nur ein Mensch“ am Sonntag (20.15 Uhr) im Ersten wird ganz Münster - wie im wahren Leben auch - zum Schauplatz einer großen Skulpturen-Ausstellung. Kurz vor der Eröffnung entpuppt sich jedoch eine der Figuren als verkleidete und aufwendig präparierte Leiche. Das Opfer ist ein ehemaliger Stadtrat, dem sexuelle Belästigung von Minderjährigen vorgeworfen wurde. Der zweite Tote, ebenfalls in einer Figur in der Stadt versteckt, war zuvor als Verleumder aufgefallen. Schnell ist klar: Der Mörder sucht sich seine Opfer unter den vermeintlichen „Sündern“ der Stadt.

Münster-Tatort: "Gott ist auch nur ein Mensch"

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  • Ein Toter in einer Skulptur: Rechtsmediziner Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, rechts) schildert den Kommissaren Frank Thiel (Axel Prahl, links) und Nadeshda Krustenstern (Friederike Kempter, 2.v.l.), was er auf den ersten Blick erkennen kann.

    Foto: © WDR/Wolfgang Ennenbach
  • Beim neuen Münster-Tatort ‚Gott ist auch nur ein Mensch′ geht es um Kunst. Der Leichenfund findet kurz vor Eröffnung der „Internationalen Skulptur-Tage“ statt - eine Anspielung auf die realen Skulptur-Projekte.

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  • Silke ‚Alberich′ Haller (ChrisTine Urspruch, links) und Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, rechts) untersuchen den Toten. Die Leiche wurde kunstvoll konserviert.

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  • Zoltan Rajinovic (Aleksandar Jovanovic) ist unter seinem Pseudonym G.O.D. ein Star der internationalen Kunstszene. In Münster wird sein nächster Genie-Streich erwartet.

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  • Der Aktionskünstler gerät schnell unter Verdacht: Kommissar Frank Thiel verhört ihn.

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  • Prof. Borne beschreitet - wie so oft - bei den Ermittlungen eigene Wege. Er wird von  G.O.D. als Meisterschüler ausgewählt und kommt dem Verdächtigen so näher.

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  • Der Künstler ist fasziniert vom Tod. Er stattet ‚Alberich′ und Boerne einen Besuch in der Rechtsmedizin ab.

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  • Boerne erfährt mit dem Skalpell in der Hand, dass Zoltan Rajinovic alias G.O.D. für seine Kunst bis an die Grenze geht. Die Nähe zum Tod scheint ihn zu reizen.

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  • Doch ist der Exzentriker mit den vielen Facetten auch ein Mörder?

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  • „Wir haben einen kunstaffinen Serienmörder in Münster.″ In der Rechtsmedizin müssen Karl-Friedrich Boerne und Silke Haller einen weiteren Toten unter die Lupe nehmen, der in eine Skulptur verwandelt wurde.

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  • G.O.D. wartet im Verhörraum: Kann Kommissar Thiel ihm die Taten nachweisen? Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechtild Großmann) hat Zweifel.

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  • Eine weitere Leiche? Nadeshda Krusenstern und Frank Thiel sind zum Aasee geeilt, wo eine neue Skulptur aufgetaucht ist. Die Kuratorin des international anerkannten Kunstereignisses, Klara Wenger (Victoria Mayer, 2.v.l.), beobachtet den Polizeieinsatz.

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  • Am Tatort trifft Thiel auf "Vaddern" Herbert (Claus D. Clausnitzer, 3.v.rechts). Er kann dem Kommissar erklären, was hinter der Erweiterung des Kunstwerks "Giant Poolballs" steckt.

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  • Der Serienmörder ist weiter auf freiem Fuß. Können die Internationalen Skulptur-Tage in Münster so überhaupt eröffnet werden? Kuratorin Klara Wenger (Victoria Mayer, rechts) muss die ersten Gäste noch vertrösten.

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  • Die Staatsanwältin und Nika Wenger (Gertie Honeck, Mitte), die frühere Kuratorin der Internationalen Skulptur-Tage, kennen sich aus gemeinsamen Tagen in der Kommune. Kommissar Frank Thiel erfährt, dass er damals als kleiner Junge auch dort auftauchte.

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  • G.O.D. steckt in einer Krise und vertraut sich Nika Wenger an, die er schon lange kennt.

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  • Roland Wenger (Matthias Bundschuh) ist Nikas Sohn. Er steht im Schatten seiner erfolgreichen Schwester Klara, die jetzt als Kuratorin agiert. Während der Internationalen Skulptur-Tage in Münster kümmert er sich im Art-Hotel um die Künstler.

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  • Boerne versucht Thiel in der Kunstakademie von der Unschuld seines Meisters zu überzeugen.

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  • Wer steckt hinter den Morden? Und schlägt der Täter bei der Eröffnung der Skulptur-Tage erneut zu? Thiel gerät bei seinen Ermittlungen unter Zeitdruck.

    Foto: © WDR/Wolfgang Ennenbach
  • Die Folge ‚Gott ist auch nur ein Mensch′ zeigt ein überzeichnetes Bild der Kunst-Szene. Münsteraner wird es freuen, dass sie in dem Tatort vieles aus ihrer Stadt wiedererkennen.

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Drei Kunst-Stars unter Verdacht

Der Verdacht fällt sofort auf die drei exzentrischen Künstler, die in diesem Jahr ihre Werke in Münster präsentieren. Da wäre zum einen der wortkarge Jan Christowksi (Christian Jankowski), der immer einen silbernen Koffer bei sich trägt, dessen Inhalt er niemandem offenbart. Dann ist da noch Swantje Hölze (Raphaela Möst), die mithilfe einer kleinen Kamera Videoaufnahmen aus dem Inneren ihres Körpers live auf einem Bildschirm präsentiert.

Der große Star aber ist Zoltan Rajinovic alias G.O.D. - mit kurz rasierten Haaren, Schnurrbart und Tattoos auf den muskulösen Oberarmen der Prototyp des abgedrehten Künstlers. Dennoch spielt Aleksandar Jovanovic diese klischeeträchtige Rolle angenehm zurückhaltend. G.O.D. scheint ein ruhiges Gegengewicht zu Thiel und Boerne zu sein, die sich im Alter scheinbar noch freudiger in ihren amüsanten Kleinkrieg stürzen.

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Hippie-Vergangenheit

Wie so oft im Münster-„Tatort“ geschieht das Wesentliche ohnehin jenseits der Mordermittlungen: So kommt Kommissar Thiel zu der erstaunlichen Erkenntnis, dass er als Kind in der Hippie-Kommune von Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Grossmann) ein und ausging - selbstverständlich in Begleitung seines dauerkiffenden „Vadders“.

Boerne hingegen entdeckt den Künstler in sich und eifert als neuer Meisterschüler seinem großen Vorbild G.O.D. nach. Die Ermittlungen macht das nicht unbedingt einfacher, zumal mit den beiden auch zwei übergroße Egos aufeinanderprallen.

Anspielungen auf Münsters echte Skulptur-Projekte

Doch auch abseits dieser Geplänkel dürfte der aktuelle „Tatort“ Kunstkennern zumindest ein Schmunzeln abringen: Etwa dann, wenn Thiel den widerspenstigen G.O.D. bei der Vernehmung als einen „Kasper-König“ bezeichnet. Eine Anspielung auf Kasper König, den Kurator der echten Großausstellung Skulptur Projekte 2017 dieses Jahr in Münster. Und auch echte Kunst hat in diesem „Tatort“ ihren Platz, etwa die großen weißen Kugeln am Aasee, ein Überbleibsel der Skulptur Projekte im Jahr 1977.

Chronologie der Münster-Tatorte

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  • Der erste Münster Tatort „Der dunkle Fleck“. Erstausstrahlung 2002.

    Foto: Bernd Thissen
  • „Fakten, Fakten“, 2002.

    Foto: NDR/WDR/Michael Böhme
  • „Dreimal schwarzer Kater“, 2003.

    Foto: NDR/WDR/Michael Böhme
  • „Sag nichts“, 2003.

    Foto: SWR/WDR/Michael Böhme
  • „Mörderspiele“, 2004.

    Foto: WDR
  • „Eine Leiche zuviel“, 2004.

    Foto: WDR/Jürgen Thiele
  • „Der Frauenflüsterer“, 2005.

    Foto: WDR/Michael Böhme
  • „Der doppelte Lott“, 2005.

    Foto: ARD
  • „Das ewig Böse“, 2006.

    Foto: Nicole Fenneker dpa
  • „Das zweite Gesicht“, 2006.

    Foto: WDR
  • „Ruhe sanft“, 2007.

    Foto: Kirsten Neumann dpa
  • „Satisfaktion“, 2007.

    Foto: WDR/Trambow
  • „Krumme Hunde“, 2008.

    Foto: WDR/Guido Engels
  • „Wolfsstunde“, 2008.

    Foto: Wdr Uwe Stratmann
  • „Höllenfahrt“, 2009.

    Foto: WDR/Michael Böhme
  • „Tempelräuber“, 2009.

    Foto: ARD
  • „Der Fluch der Mumie“, 2010.

    Foto: ARD
  • „Spargelzeit“, 2010.

    Foto: WDR
  • „Herrenabend“, 2011.

    Foto: WDR
  • „Zwischen den Ohren“, 2011.

    Foto: Thomas Kost
  • „Hinkebein“, 2012.

    Foto: WDR
  • „Das Wunder von Wolbeck“, 2012.

    Foto: ARD
  • „Summ, Summ, Summ“, 2013.

    Foto: Martin Menke/WDR
  • „Die chinesische Prinzessin“, 2013.

    Foto: ARD
  • „Der Hammer“, 2014.

    Foto: ARD
  • „Mord ist die beste Medizin“, 2014.

    Foto: ARD
  • „Erkläre Chimäre“, 2015.

    Foto: WDR
  • „Schwanensee“, 2015.

    Foto: Rolf Vennenbernd
  • „Ein Fuß kommt selten allein“, 2016.

    Foto: ARD
  • „Feierstunde“, 2016.

    Foto: ARD
  • „Fangschuss“, 2017.

    Foto: ARD
  • „Gott ist auch nur ein Mensch“, 2017.

    Foto: WDR/Wolfgang Ennenbach
  • „Schlangengrube”, 2018

    Foto: Thomas Kost/WDR/ARD/dpa

„Dieses Setting schien mit seiner kreativ-bizarren Note einfach ideal für einen Münster-Tatort“ sagt Drehbuchautor Christoph Silber. „Zugleich war mir wichtig, die Kunstwelt nicht zu karikieren, sondern ein möglichst ehrliches Porträt abzuliefern.“ So ganz ist das zwar nicht gelungen, schließlich sind die Akteure auch diesmal gehörig überzeichnet.

Doch ebenso wie die Tatsache, dass die Spur zum Täter unweigerlich über Thiels Vater und dessen Taxifahrten zu führen scheint, verzeiht man dem Ermittler-Duo auch diesmal so manches Klischee. Schließlich ist in der Kunst wie in der Liebe alles erlaubt - alles außer Mord.

Axel Prahl und Jan Josef Liefers im Interview zum Münster Tatort „Gott ist auch nur ein Mensch“

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