Zuerst bei Arte, dann im ZDF: die sechsteilige Serie „Bad Banks“
In einem gläsernen Kosmos

münste -

Nachdem die erste gemeinsame Schlacht erfolgreich geschlagen ist, zeigt der charismatische Chef seiner Mitarbeiterin eine alte Goldmünze, die er an einer Kette um den Hals trägt. „Damals“, so sinniert er, „war das Geld noch das Gold wert, aus dem sie bestand. Später kam das Papier mit den Zahlen darauf. Und heute? Glauben wir der Finanz-App, die uns sagt, ob wir reicher sind als gestern.“ Ein kurzer Moment der kritischen Reflexion im temporeichen, spannenden Sechsteiler „Bad Banks“, der von heute an bei Arte und von Samstag an im ZDF zu sehen ist.

Mittwoch, 28.02.2018, 18:02 Uhr

In der Bankenstadt wird es ungemütlich – und Jana Liekam (Paula Beer) befindet sich mittendrin.
In der Bankenstadt wird es ungemütlich – und Jana Liekam (Paula Beer) befindet sich mittendrin. Foto: ZDF

Die Serie mit jeweils 50-minütigen Folgen entführt den Zuschauer in die schillernde Welt der Hochfinanz, in der riskante Geldgeschäfte das Adrenalin durch die Adern der beteiligten Akteure jagen. Zentrale Figur ist Jana Liekam , gespielt von Paula Beer. Zu Beginn der ersten Folge sieht man sie im Kapuzenpullover unerkannt durch das brennende Frankfurt laufen – nachdem die Automaten den Kunden keine Geldnoten mehr ausspucken und niemand dem Rat des fiktiven Finanzministers folgt, der im Fernsehen sagt: „Lassen Sie Ihr Geld auf der Bank. Ihr Geld ist sicher.“

Die Szene ist ein Vorgriff auf den Schluss des von Christian Schwochow („Der Turm“) packend inszenierten Banken-Thrillers, in dem sich diffus bleibende internationale Kräfte gegenseitig in die Suppe spucken. Eine Zwangsfusionierung mit der falschen Bank ist das übergeordnete Horrorszenario.

Eine weitere Frau hat in dieser Serie, die nicht belehren will, eine wichtige Rolle inne: Désirée Nosbusch spielt die Investmentbankerin Christelle Leblanc. Erst feuert sie Jana Liekam in Luxemburg, um ihr dann einen lukrativen Posten in Frankfurt anzubieten. Man ahnt es schon: Aus reiner Menschlichkeit geschieht dies nicht. Die junge Frau soll intern Informationen besorgen.

Autor Oliver Kienle hat bei „Bad Banks“ tief in die Klischeekiste gegriffen. Die Dienstwagen tragen mindestens einen Stern, die Dienstwohnungen liegen mit den Bankentürmen auf Augenhöhe. Es wird auf Partys gekokst. Nur wenige Figuren, wie etwa Janas Chef Fenger (Barry Atsma), der selbstkritisch gesteht, „Ich verstehe meinen Beruf nicht“, oder ihr Kollege Luc (Marc Limpach), der erst aussteigt und schließlich doch wieder bei der Bank landet, lassen Brüche deutlich werden. Tobias Moretti spielt als Finanzvorstand einen echten Fiesling.

„Die Figuren in ,Bad Banks“ sollten so ambivalent sein wie das System, das sie repräsentieren“, sagt Kienle, der sich für das Schreiben ins Invest­mentbanking hereingefuchst hat. „Ich wollte, dass alles zu 100 Prozent authentisch ist, dass selbst Experten beim Gucken der Serie erstaunt sind, wie nah wir an der Realität sind.“ Kienle hat offenbar einkalkuliert, dass der Zuschauer dabei manchmal nur Bahnhof versteht.

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„Bad Banks“, heute und morgen von 20.15 Uhr an bei Arte, vom 3. bis zum 5. März täglich von 21.45 Uhr an beim ZDF.

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