Acht Wiederholungen
Der Mai startet blutig: so viel «Tatort» wie noch nie

Berlin/Münster -

Gefühlt gibt es eh fast keinen Tag, an dem nicht irgendwo im Fernsehen ein «Tatort» läuft. Die Filme der Krimireihe stehen oft im TV-Programm. Jetzt gibt es einen Rekordtag in Sachen Wiederholungen.

Montag, 30.04.2018, 15:28 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 30.04.2018, 11:55 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 30.04.2018, 15:28 Uhr
1. Mai: Soviel «Tatort» wie noch nie an einem Tag.
1. Mai: Soviel «Tatort» wie noch nie an einem Tag. Foto: Tobias Hase

Das gab es noch nie, sagt ein Mann, der sich auskennt: Am Dienstag (1. Mai) laufen im deutschen Fernsehen an einem einzigen Tag erstmals acht «Tatort»-Wiederholungen.

Tage mit sieben Wiederholungen habe es schon mehrmals gegeben, sagt François Werner von der akribischen Experten-Seite «Tatort-Fundus». Mit acht Wiederholungen an einem Abend - alle übrigens in Dritten Programmen - sei der diesjährige Maifeiertag bislang aber einzigartig.

Was vor allem für die Fülle sorgt: Im Fernsehen des Bayerischen Rundfunks (BR) laufen drei alte Folgen aus den 70er Jahren mit Gustl Bayrhammer als «Oberinspektor Veigl», dem Ermittler mit dem Dackel. Anlass ist Bayrhammers 25. Todestag, der am 24. April war, sowie das thematische Programm «Bayern feiern Dialekt».

Interessanter Querschnitt

Am Rekordtag - mancher mag vielleicht spöttisch von einem Höhepunkt der «Wiederholeritis» bei der ARD sprechen - gibt es also nicht irgendwelche Krimis, sondern für Fans einen interessanten Querschnitt durch die bald 48-jährige «Tatort»-Geschichte.

«An diesem Abend sind Filme aus allen Jahrzehnten zu sehen - außer aus den 90ern», sagt François Werner. Neben den Veigl-Folgen beim BR werden etwa beim WDR der alte Haudegen Schimanski und im NDR-Fernsehen die beliebtesten Ermittler aus Münster gezeigt.

Vom Westdeutschen Rundfunk (WDR), bei dem auch der ARD-«Tatort»-Koordinator angesiedelt ist, heißt es ganz allgemein zum Thema Wiederholungen: Der «Tatort» werde bekanntlich überdurchschnittlich gern gesehen. «Gerade jüngere Zuschauer sehen gerne ältere Tatorte, auch unter dem Aspekt der damaligen Mode, Haarschnitte, Autos.» In der Regel seien jedoch Sonntagskrimis der letzten drei Jahre als Wiederholung fürs Publikum attraktiver als ältere.

Überdurchschnittliche Beliebtheit einiger Ermittler

Bei den Zuschauerinnen und Zuschauern gebe es außerdem deutliche regionale Präferenzen, so dass die Dritten stärker «ihre eigenen» TV-Kommissare ins Programm nehmen. «Andererseits gibt es Ermittler, zum Beispiel die aus Münster, die republikweit überdurchschnittlich beliebt sind, was sich auch bei den Wiederholungen niederschlägt.»

Chronologie der Münster-Tatorte

1/33
  • Der erste Münster Tatort „Der dunkle Fleck“. Erstausstrahlung 2002.

    Foto: Bernd Thissen
  • „Fakten, Fakten“, 2002.

    Foto: NDR/WDR/Michael Böhme
  • „Dreimal schwarzer Kater“, 2003.

    Foto: NDR/WDR/Michael Böhme
  • „Sag nichts“, 2003.

    Foto: SWR/WDR/Michael Böhme
  • „Mörderspiele“, 2004.

    Foto: WDR
  • „Eine Leiche zuviel“, 2004.

    Foto: WDR/Jürgen Thiele
  • „Der Frauenflüsterer“, 2005.

    Foto: WDR/Michael Böhme
  • „Der doppelte Lott“, 2005.

    Foto: ARD
  • „Das ewig Böse“, 2006.

    Foto: Nicole Fenneker dpa
  • „Das zweite Gesicht“, 2006.

    Foto: WDR
  • „Ruhe sanft“, 2007.

    Foto: Kirsten Neumann dpa
  • „Satisfaktion“, 2007.

    Foto: WDR/Trambow
  • „Krumme Hunde“, 2008.

    Foto: WDR/Guido Engels
  • „Wolfsstunde“, 2008.

    Foto: Wdr Uwe Stratmann
  • „Höllenfahrt“, 2009.

    Foto: WDR/Michael Böhme
  • „Tempelräuber“, 2009.

    Foto: ARD
  • „Der Fluch der Mumie“, 2010.

    Foto: ARD
  • „Spargelzeit“, 2010.

    Foto: WDR
  • „Herrenabend“, 2011.

    Foto: WDR
  • „Zwischen den Ohren“, 2011.

    Foto: Thomas Kost
  • „Hinkebein“, 2012.

    Foto: WDR
  • „Das Wunder von Wolbeck“, 2012.

    Foto: ARD
  • „Summ, Summ, Summ“, 2013.

    Foto: Martin Menke/WDR
  • „Die chinesische Prinzessin“, 2013.

    Foto: ARD
  • „Der Hammer“, 2014.

    Foto: ARD
  • „Mord ist die beste Medizin“, 2014.

    Foto: ARD
  • „Erkläre Chimäre“, 2015.

    Foto: WDR
  • „Schwanensee“, 2015.

    Foto: Rolf Vennenbernd
  • „Ein Fuß kommt selten allein“, 2016.

    Foto: ARD
  • „Feierstunde“, 2016.

    Foto: ARD
  • „Fangschuss“, 2017.

    Foto: ARD
  • „Gott ist auch nur ein Mensch“, 2017.

    Foto: WDR/Wolfgang Ennenbach
  • „Schlangengrube”, 2018

    Foto: Thomas Kost/WDR/ARD/dpa

Eine Rolle bei den Ausstrahlungen spielt natürlich auch das Geld, also die Wiederholungshonorare. Das ist eine Rechtefrage und recht kompliziert. Die Krimis werden nach verschiedenen Konditionen gedreht und bezahlt. Manche entstehen sogar nach dem sogenannten Buy-out-Verfahren («Ausverkauf»), das heißt, es werden pauschale Honorare bezahlt und die Macher veräußern alle Rechte am Werk, was solche Wiederholungen billiger macht als andere.

Im Schnitt kostet ein «Tatort» heutzutage nach ARD-Angaben zwischen 1,5 und 1,7 Millionen Euro.

Wiederholungen noch jung

Laut «Tatort-Fundus» gibt es Tage mit bis zu drei Wiederholungen erst seit Mitte der 90er, mehr als vier Wiederholungen gab es erst ab 2005: «Man muss sich dabei vergegenwärtigen, dass es - seitdem auch die Dritten Vollprogramme sind - mehr Programmplätze gibt als in den 70er und 80er Jahren.»

In den vergangenen Jahren zählten die Experten von «Tatort-Fundus» jeweils fast 500 Wiederholungen pro Jahr in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

10 spannende Fakten zum Münster-Tatort

1/10
  • Tatort „Der doppelte Lott“: Im achten Tatort haben die beiden Kölner Kollegen Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) einen Gastauftritt. Hier rekonstruiert der Rechtsmediziner Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, r.) den aktuellen Mord: Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl, M.), spielt den Verdächtigen, der russische Lokalbesitzer Gennadi Krusenstern (Rezzo Tschchikwischwili) das Opfer.

    Foto: WDR/Michael Böhme
  • Tatort „Spargelzeit“: Der in Hagen geborene Schauspieler Jörg Hartmann hat in dieser Episode einen Gastauftritt. Seit 2012 ist er selbst im Tatort-Team vertreten als Chefermittler Peter Faber in Dortmund.

    Foto: NDR/WDR/Martin Menke
  • Die nebeneinander liegenden Wohnungen von Thiel und Boerne als auch die Autos Boernes wechseln seit Beginn der Reihe ständig.

    Foto: WDR/Stephan Rabold
  • Tatort „Wolfsstunde“: In dieser Episode hatte Jörg Pilawa einen Gastauftritt.

    Foto: WDR/Uwe Stratmann
  • Tatort „Herrenabend“: Für den von Jan Josef Liefers gespielten Rechtsmediziner Professor Boerne gibt es reales Vorbild: Professor Bernd Brinkmann, der von 1981 bis Juli 2007 Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster war.

    Foto: SWR/WDR/Willi Weber
  • In den ersten Folgen hat Kommissar Thiel keinen Führerschein und muss sich oft von anderen Leuten fahren lassen, später darf er selbst fahren.

    Foto: rbb/WDR/Uwe Stratmann
  • Das Schauspielerteam des Tatorts Münster mit Jan Josef Liefers, Axel Prahl, Christine Urspruch, Mechthild Großmann, Friederike Kempter und Claus Dieter Clausnitzer war „für langjährige herausragende Leistung in der humoristischen Fernsehunterhaltung“ für den Grimme-Preis 2012 in der Kategorie „Unterhaltung/Spezial“ nominiert.

    Foto: WDR/Martin Menke
  • Die Dreharbeiten finden hauptsächlich in Köln und Umgebung statt. In Münster selbst werden Außenszenen gedreht. Das Thema Fahrradstadt und Fahrradklau wird ebenfalls häufig thematisiert.

    Foto: WDR/Michael Böhme
  • Tatort Mörderspiele: Im Aasee wurde eine Leiche gefunden. Mehrere Folgen aus Münster erreichten hohe Einschaltquoten. Diese Folge hatte eine von 24 Prozent Marktanteil (8,34 Millionen Zuschauer). Die Folge Schwanensee, die auch - teilweise - am Aasee gedreht wurde, erreichte 13,6 Millionen Zuschauer - die meistgesehene Sendung des Jahres 2015 überhaupt.

    Foto: WDR/Michael Böhme
  • „Permanente Gegenwart“: Der erste Tatort „Der dunkle Fleck“ wurde 2002 ausgestrahlt. Der Sohn von Kommissar Thiel (Axel Prahl) ist in dieser Folge 12 Jahre alt. Sechs Jahre später in der Folge „Wolfsstunde“ ist er immer noch 12 Jahre alt.

    Foto: WDR/Thomas Kost

Um die Statistiken einordnen zu können, ist eine Erklärung der Fundus-Zählweise nötig: Gezählt werden nur sogenannte echte Wiederholungen, wie Experte Werner betont. Wiederhole ein Sender die identische Folge in kurzem Abstand nach der ersten Wiederholung - werde sie nicht noch einmal gezählt, sondern nur ein einziges Mal. Auch die Wiederholungen am Sonntagabend im ARD-Sender One (früher Einsfestival) direkt nach der Ausstrahlung eines neuen «Tatorts» im Ersten werden nicht als «echte» Wiederholung gezählt.

Tatorte im Ranking

Nach dieser Zählweise ist übrigens die deutsch-deutsche Folge «Unter Brüdern» von 1990 die am häufigsten wiederholte. 35 Mal habe sie bis jetzt als Wiederholung im Fernsehprogramm gestanden.

Hinter dieser Koproduktion von BRD-«Tatort» und DDR-«Polizeiruf 110» mit Götz George als Schimanski und Peter Borgelt als Kriminalhauptkommissar Fuchs liegt der «Tatort»-Klassiker «Reifezeugnis» von 1977 mit 32 Sendeterminen. Dann folgt die österreichische Folge «Passion» von 1999 mit 28 Wiederholungen.

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