Heimattreue mit Beigeschmack
Sonnenwende: Zweiter „Tatort“ aus dem Schwarzwald

Die Bauern im Schwarzwald schwören auf Tradition und Heimattreue. Gepflanzt und geerntet wird naturnah und streng biologisch. Doch die ländliche Idylle trügt. Völkisches Gedankengut, Rassismus und der Mord an einem Mädchen rufen die „Tatort“-Kommissare Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner auf den Plan. „Sonnenwende“ ist ihr zweiter Fall. Er zeigt den Schwarzwald von seiner dunklen Seite.

Sonntag, 13.05.2018, 18:05 Uhr

In der Schulzeit waren Volkmar Böttger (Nicki von Tempelhoff, links) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) enge Freunde. Nun, da Volkmar zurückgekommen ist, um den Hof seiner Familie zu übernehmen, knüpfen sie an diese Freundschaft wieder an.
In der Schulzeit waren Volkmar Böttger (Nicki von Tempelhoff, links) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) enge Freunde. Nun, da Volkmar zurückgekommen ist, um den Hof seiner Familie zu übernehmen, knüpfen sie an diese Freundschaft wieder an. Foto: ARD

Löbau (46) und Wagner (49) verkörpern in der populären Krimireihe der ARD seit Oktober vergangenen Jahres die beiden Freiburger Ermittler Franziska Tobler und Friedemann Berg. In „Sonnenwende“ untersuchen sie den plötzlichen Tod eines Mädchens namens Sonnhild. Es ist die älteste Tochter einer Schwarzwälder Bauernfamilie, die nach strengen, altertümlichen Regeln lebt. Ermittler Berg kennt den Vater des toten Mädchens seit seiner Schulzeit.

„Das sind ja echt Hardcore-Ökos“, sagt seine Kollegin, als sie dem Bio-Bauernhof im Schwarzwald einen ersten Besuch abstatten. Dann kommt heraus, dass das Mädchen schwanger war und eine Abtreibung wollte. Ein Arzt gerät wegen des Verdachts der Fehlbehandlung ins Visier der Ermittler – ebenso die Familie. Hinzu kommen sogenannte Heimatfreunde, deren Vaterlandliebe gefährlich ist.

Aktuelle Themen

Inszeniert hat den Fall der österreichische Filmemacher Umut Dag (36). Er hat vor zwei Jahren am Bodensee mit „Rebecca“ seinen ersten „Tatort“ gedreht, nun setzte er im Schwarzwald ein Drehbuch von Patrick Brunken um. Er erzählt bildstark und atmosphärisch, lässt auch leise Töne und lange Sequenzen zu. In weiten Teilen erinnert der neue Schwarzwald-„Tatort“ mehr an einen mystischen Fernsehfilm, als an eine klassische Krimi-Episode. Der Dramatik nimmt das nichts.

Schwarzwald-Tatort: Sonnenwende

1/23
  • Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner spielen die Kommissare Franziska Tobler und Friedemann Berg im Tatort Schwarzwald des SWR.

    Foto: SWR/Benoît Linder
  • Trotz ihres Trauerfalls helfen Jugendfreund Volkmar (Nicki von Tempelhoff) und dessen gesamte Familie Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) bei der Ernte auf seinem ererbten Hof.

    Foto: SWR/Benoît Linder
  • Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) müssen ihre sehr unterschiedlichen Haltungen zu ihrem aktuellen Fall überprüfen.

    Foto: SWR/Benoît Linder
  • Volkmar und Almut Böttger (Nicki von Tempelhoff und Alexandra Schalaudek) betrauern den Tod ihrer Tochter. Und verwehren sich dagegen, dass dieser Tod womöglich zu verhindern gewesen wäre.

    Foto: SWR/Benoît Linder
  • Franziska Tobler (Eva Löbau) macht sich Gedanken um Mechthild Böttger (Janina Fautz), die sich nach dem Tod ihrer älteren Schwester ganz auf die Arbeit auf dem Hof zurückzieht.

    Foto: SWR/Benoît Linder
  • In der Schulzeit waren Volkmar Böttger (Nicki von Tempelhoff, links) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) enge Freunde. Nun, da Volkmar zurückgekommen ist um den Hof seiner Familie zu übernehmen, knüpfen sie an diese Freundschaft wieder an.

    Foto: SWR/Benoît Linder
  • Torsten (David Zimmerschied, links) ist nicht damit einverstanden, dass Volkmar (Nicki von Tempelhoff) seine alte Freundschaft mit dem Kommissar wieder aufgenommen hat.

    Foto: SWR/Benoît Linder
  • Von Gerichtsmedizinerin Dr. Brunner (Christina Große, links) erfahren Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner), dass Sonnhild aller Wahrscheinlichkeit nach eines natürlichen Todes gestorben ist. Was vor allem Franziska kaum glauben kann.

    Foto: SWR/Benoît Linder
  • Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) liegt am Herzen, dass seine Freunde ihre Tochter so bald wie möglich begraben können, deshalb bittet er Cornelia Harms (Steffi Kühnert), sich um eine schnelle Freigabe der Leiche zu kümmern.

    Foto: SWR/Benoît Linder
  • Mit einer Mischung aus Verführung und verkappter Drohung hält Torsten (David Zimmerschied) die junge Mechthild (Janina Fautz) zum Schweigen an.

    Foto: SWR/Benoît Linder
  • Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) im alten Bauernhaus seiner Familie.

    Foto: SWR/Benoît Linder
  • Franziska Tobler (Eva Löbau, links) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) sind auf dem Hof der Böttgers eingetroffen, um die Familie zu befragen. Dazu gehört auch Mechthild (Janina Fautz), die jüngere Schwester der toten Sonnhild.

    Foto: SWR/Benoît Linder
  • Mechthild (Janina Fautz) hat das versteckte Handy ihrer verstorbenen Schwester gefunden.

    Foto: SWR/Benoît Linder
  • Almut (Alexandra Schalaudek) versucht, unterstützt von Torsten (David Zimmerschied), sich auf Franziska Toblers (Eva Löbau, links) Fragen nach dem Tod ihrer Tochter zu konzentrieren.

    Foto: SWR/Benoît Linder
  • Volkmar (Nicki von Tempelhoff, links) und Torsten (David Zimmerschied) sind sehr unterschiedlicher Meinung darüber, wie sie mit den Polizisten umgehen sollen.

    Foto: SWR/Benoît Linder
  • Volkmar Böttger (Nicki von Tempelhoff) bei der Trauerfeier für seine Tochter Sonnhild. Im Hintergrund Torsten (David Zimmerschied).

    Foto: SWR/Benoît Linder
  • Die Ausgestaltung der nächtlichen Trauerfeier für Sonnhild Böttger bringt Friedemann (Hans-Jochen Wagner) ins Grübeln …

    Foto: SWR/Benoît Linder
  • Franziska Tobler (Eva Löbau) mit ihrem Freund Dimitri (Saro Emirze).

    Foto: SWR/Benoît Linder
  • Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) versuchen den heimlichen Freund des Opfers zu finden.

    Foto: SWR/Benoît Linder
  • Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) bei der Ernte der Zibärtle, die er zu Schnaps brennen wird.

    Foto: SWR/Benoît Linder
  • Franziska Tobler (Eva Löbau) ist durch den Bericht der Gerichtsmedizinerin irritiert.

    Foto: SWR/Benoît Linder
  • Arbeitsfoto: Dreharbeiten zur Ernte.

    Foto: SWR/Benoît Linder
  • Gerichtsmedizinerin Dr. Brunner (Christina Große) ist Gutachterin im Prozess um den Tod eines V-Manns.

    Foto: SWR/Benoît Linder

„Es ist eine spannungsgeladene Geschichte mit einem Konflikt, der aktuell ist und sinnbildlich für gesellschaftliche Veränderungen von heute: Völkisches und rassistisches Gedankengut kommt im Kleid von Heimatliebe und Traditionsbewusstsein daher“, sagt Dag. Erzählt werde nah an den dargestellten Menschen. Das Thema werde dadurch greifbarer.

Kein einfacher „Tatort“

Es ist viel Stoff in den 90-Minuten-Film gepackt worden. So geht es unter anderem um die Nöte der Bauern, um Konflikte innerhalb einer Familie und an einer Schule, um nationalistische Umtriebe und um eine tödliche V-Mann-Affäre, in die verdeckte Ermittler und der Staatsschutz verstrickt sind.

Die Frage, wie gefährdet Demokratie und Gesellschaft durch Extreme sind, passt in die Zeit.

Schauspielerin Eva Löbau

„Der ganze Dreck“, sagt der Fernsehkommissar im Film. Ein einfacher „Tatort“ ist es nicht geworden, thematisch wirkt er zeitweise überladen.

Wie Räuber und Gendarm

Zudem erfahren Zuschauer mehr über das neue Ermittler-Duo, von denen bislang wenig bekannt ist. „Ich hatte das große Privileg, deren persönliche Geschichte mit zu gestalten, die beiden Kommissare so dem Zuschauer näher zu bringen und nachhaltig für die Zukunft zu prägen“, sagt Regisseur Dag. Er hat dies zurückhaltend getan.

Hauptdarstellerin Löbau schätzt den Film. „Die Frage, wie gefährdet Demokratie und Gesellschaft durch Extreme sind, passt in die Zeit“, sagt sie im Gespräch. „Die Dreharbeiten waren etwas Besonderes“, sagt Löbau. Gespielt wurde, wie im ersten Fall auch, meist in der Natur. Verfolgungsszenen im Wald etwa hätten ihren ganz eigenen Charme. „Räuber und Gendarm spielt ja fast jedes Kind. Dass wir Erwachsene hierfür nun wieder in den Wald rausgehen durften, hat großen Spaß gemacht.“

Zum Thema

„Tatort: Sonnenwende“, Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten

...
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5728230?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F1819674%2F
Schlussakt in der Mitglieder-Affäre
In Bewegung: Die FDP-Kreispartei zieht von der Weseler Straße wieder an die Geringhoffstraße.
Nachrichten-Ticker