Mord an einer Rechtspopulistin
Reale Polizisten sehen den neuen „Polizeiruf 110“

Erst wird eine rechtspopulistische Politikerin auf brutale Weise umgebracht. Dann müssen die Kommissare aus dem Rostocker „Polizeiruf 110“ auf dem Land unter völkischen Siedlern ermitteln. „Es ist ein sehr düsteres Bild von Mecklenburg-Vorpommern, das der Film zeichnet“, sagt der reale Rostocker Polizeichef Michael Ebert. Er hat sich mit Polizeihauptkommissarin Isabel Wenzel vorab den neuen „Polizeiruf 110“-Fall „In Flammen“ angesehen, der an diesem Sonntag (20.15 Uhr) im Ersten gezeigt wird.

Freitag, 08.06.2018, 13:02 Uhr

Die Kommissare Katrin König (Anneke Kim Sarnau), Alexander Bukow (Charly Hübner, r.) sehen am Tatort Schreckliches.
Die Kommissare Katrin König (Anneke Kim Sarnau), Alexander Bukow (Charly Hübner, r.) sehen am Tatort Schreckliches. Foto: dpa

„Da bleibt nicht viel Positives übrig“, fügt Wenzel hinzu, die als Dienstgruppenleiterin im Stadtteil Lichtenhagen tätig ist. Das ist jener Stadtteil, der mit der rassistischen Randale 1992 traurige Berühmtheit erlangt hat. Immerhin 26 Jahre danach ist das Ereignis noch tief in die Erinnerung der Menschen auch außerhalb der Hansestadt eingebrannt.

90 Minuten haben die beiden Polizisten ihren Film-Kollegen Katrin König und Alexander Bukow , gespielt von Anneke Kim Sarnau und Charly Hübner, dabei zugesehen, wie sie in ihrem 17. Fall den Mord an der rechtspopulistischen Politikerin Sylvia Schulte aufklären. Diese kandidiert für die fiktive Partei PFS um das Amt der Oberbürgermeisterin in der Hansestadt. Doch sie wird nach einer Wahlkampfveranstaltung entführt, mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und bei lebendigem Leib verbrannt.

Polizeiruf 110: In Flammen

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  • Alexander Bukow (Charly Hübner) befragt Lilli Meissner (Lisa Hagmeister) zum Tod der Ex-Frau ihres Mannes. 

    Foto: NDR/Christine Schroeder
  • Bukow (Charly Hübner) gerät mit Erik Meissner (Patrick von Blume) aneinander. 

    Foto: NDR/Christine Schroeder
  • Birte Köppen (Hildegard Schroedter) - eine frühere Bekannte der Toten. 

    Foto: NDR/Christine Schroeder
  • Doris Wagner (Susi Banzhaf) ist Mitarbeiterin der PFS. Misstrauisch beäugt sie das Gespräch zwischen Jandali und Herlau. 

    Foto: NDR/Christine Schroeder
  • Die Kommissare am Tatort (Anneke Kim Sarnau, Charly Hübner, Andreas Guenther).

    Foto: NDR/Christine Schroeder
  • Das Team um Anton Pöschel (Andreas Guenther), Henning Röder (Uwe Preuss), Volker Thiesler (Josef Heynert), Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner) sichtet das Bekennervideo. 

    Foto: NDR/Christine Schroeder
  • Die Kommissare Bukow (Charly Hübner) und König (Anneke Kim Sarnau) nehmen eine Speichelprobe vom Hauptverdächtigen Jandali (Atheer Adel). 

    Foto: NDR/Christine Schroeder
  • Katrin König (Anneke Kim Sarnau) sucht das Gespräch zur Tochter Sylvia Schultes (Pauline Rénevier).

    Foto: NDR/Christine Schroeder
  • Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau. 

    Foto: NDR/Christine Schroeder
  • Die Entführer fordern die Suspendierung der Kommissare (Charly Hübner, Anneke Kim Sarnau, Josef Heynert, Andreas Guenther). 

    Foto: NDR/Christine Schroeder
  • Bukow (Charly Hübner) bedroht Erik Meissner (Patrick von Blume) auszupacken. 

    Foto: NDR/Christine Schroeder
  • Anschlag auf das Kommissariat - Thiesler (Joseph Heynert) versucht sein Team zu schützen.

    Foto: NDR/Christine Schroeder
  • Pöschel (Andreas Guenther) führt erste Befragungen in den Räumen der PFS mit Karim Jandali (Atheer Adel) und Doris Wagner (Susi Banzhaf). 

    Foto: NDR/Christine Schroeder

Die dunklen Seiten von Mecklenburg-Vorpommern

Schnell baut sich ein Fächer aus Personen auf, um die sich die Handlung rankt und die für Regisseur Lars-Gunnar Lotz der Ansatzpunkt für einen Blick auf die braunen Seiten Mecklenburg-Vorpommerns sind. Denn Schulte hatte Beziehungen zu völkischen Siedlern im weiten flachen Land Mecklenburg-Vorpommern, wie sie sich auch tatsächlich dort niedergelassen haben.

Ob in den realen Küchen allerdings ein Adolf-Hitler-Porträt hängt, ist nicht bekannt. Im „Polizeiruf 110“ gibt es Ansichten von Rostock oft nachts, die völlig humorfreien Menschen scheinen in graue Farbe getaucht zu sein.

Klischees häufen sich

Jedenfalls lässt der „Polizeiruf 110“ nach Ansicht der beiden Polizisten keines der Klischee aus, mit denen der Nordosten immer gesehen wird: eine starke rechte Szene, dumpfe Parteigänger, völkische Siedlergemeinschaften, Rassismus gegen Flüchtlinge oder Abzocke mit Flüchtlingsheimen. „Natürlich gibt es das alles in der Realität“, fügt Ebert hinzu, der zusammen mit seiner Truppe immer wieder bei großen AfD-Demonstrationen für Ordnung sorgen muss.

Doch Ebert und Wenzel sehen manches an der Polizeiarbeit der Kollegen im Film kritisch – die Mühsal der Ermittlungen ließe sich eher in Dokumentationen darstellen. So arbeiten an der Aufklärung eines Mordfalls bis zu 20 Polizisten. „Trotzdem sträuben sich die Nackenhaare, das hier hat mit der Realität aber so überhaupt nichts zu tun.“.

Es ist halt Film

Alleine der Umgang im Team, wenn jeder kommt und geht, wie es ihm passt oder der Chef angeschnauzt wird – es ist halt Film. Wenzel fragt sich, welcher Eindruck beim Zuschauer zurückbleibe, wenn Bukow einen am Boden liegenden Mann mit entsicherter Pistole vor der Nase zu einer Aussage zwingen will.

Dass die beiden Film-Kommissare, die seit 2010 Verbrechen aufklären, noch immer „per Sie“ sind, findet Wenzel ebenfalls unrealistisch. Ob sie das Disziplinarverfahren, dem sie sich wegen eines Vorfalls in einer vorausgegangenen Sendung gegenüber sehen, zusammenschweißt? Ein Annäherungsversuch Bukows wird von König jedenfalls ignoriert. Das ist möglicherweise ein Thema für den 18. Fall.

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