Ein neuer „Tatort“ mitten im Sommer – und ein ungewöhnlicher dazu
Chaos in der Konzerthalle

Ein Krimi, bei dem die Leiche fast eine Stunde auf sich warten lässt? Der 88 Minuten lang fast nur in einem einzigen Gebäude spielt? Wie spannend das sein kann, zeigt der „Tatort“ mit dem Titel „Die Musik stirbt zuletzt“ an diesem Sonntag im Ersten.

Sonntag, 05.08.2018, 18:43 Uhr

Er im Sportdress, sie im Abendkleid: Flückiger (Stefan Gubser) und Ritschard (Delia Mayer) müssen während eines laufenden Konzertes ermitteln.
Er im Sportdress, sie im Abendkleid: Flückiger (Stefan Gubser) und Ritschard (Delia Mayer) müssen während eines laufenden Konzertes ermitteln. Foto: ARD

Ein szenischer Kniff nimmt die Zuschauer dabei hautnah mit ins Geschehen: Die ganze Handlung ist mit einer einzigen Kamera ohne Unterbrechung durchgefilmt, ähnlich wie der 140 Minuten lange Kinofilm „Victoria“ aus dem Jahr 2015 mit Frederick Lau .

Das Bild wackelt manchmal, und genau das vermittelt das Gefühl, beim Verbrechen live dabei zu sein. Kommissarin Liz Ritschard (Delia Mayer) ist privat bei einer Benefiz-Gala im Konzertsaal von Luzern. Plötzlich torkelt der Klarinettist des Orchesters, Vincent Goldstein (Patrick Elias), um Luft ringend von der Bühne.

Abgründe um Gala-Sponsor

Seine Zuckungen, der Luftröhrenschnitt mit dem Messer vom Buffet – überall ist die Kamera nah dran. Der Klarinettist überlebt zwar, aber dass es ein Giftanschlag war, ist schnell klar. Sofort tun sich die Abgründe rund um den Mäzen und Israel-Freund auf, der das Gala-Konzert gesponsert hat.

Schweizer-Tatort: Die Musik stirbt zuletzt

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  • Will Gutes tun: Walter Loving (Hans Hollmann) begrüsst die VIP-Gäste zum Benefizkonzert. Im Bildhintergrund: Die Pianistin Miriam Goldstein (Teresa Harder), der Dirigent Gidon Winternitz (Gottfried Breitfuss) und die Konzertorganisatorin Silvia Bosshardt (Heidi Maria Glössner).

    Foto: ARD Degeto/SRF/Hugofilm
  • Die Nerven liegen blank: Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) ermitteln nach einem Giftanschlag im KKL.

    Foto: ARD Degeto/SRF/Hugofilm
  • Ruhe vor dem Sturm: Noch lauschen die Gäste gebannt dem Konzert. V.r: Alice Loving-Orelli (Sibylle Canonica), Franky Loving (Andri Schenardi), Walter Loving (Hans Hollmann), Elena Princip (Uygar Tamer).

    Foto: ARD Degeto/SRF/Hugofilm
  • Die Pianistin Miriam Goldstein (l.: Teresa Harder) wird von Jelena Princip (r.: Uygar Tamer) unter Druck gesetzt.

    Foto: ARD Degeto/SRF/Hugofilm
  • Kommissarin Ritschard (Delia Mayer) ist fassungslos: Ein Giftanschlag im KKL und ihr Kollege Flückiger ist nicht erreichbar.

    Foto: ARD Degeto/SRF/Hugofilm
  • Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer).

    Foto: ARD Degeto/SRF/Hugofilm
  • Ein Rennen gegen die Zeit: Flückiger (Stefan Gubser) und Ritschard (Delia Mayer) ermitteln während eines laufenden Konzertes.

    Foto: ARD Degeto/SRF/Hugofilm
  • Tragische Liebe: Elena Princip (Uygar Tamer) und Franky Loving (Andri Schenardi).

    Foto: ARD Degeto/SRF/Hugofilm

Der von Hans Hollmann gespielte alternde Unternehmer und Milliardär Walter Loving hat vor mehr als 75 Jahren Juden vor den Nazis gerettet, für Geld. Und für 30 Prozent Provision, wie er einräumt. Nicht alle, von denen er kassiert hat, überlebten. Zwei, deren Großeltern Loving in Todesangst ihr Vermögen gaben und die trotzdem im Konzentrationslager umgebracht wurden, stehen auf der Bühne und planen Rache. Der Klarinettist war einer davon.

Abendkleid und Sporttrikot

Ritschard ermittelt im Abendkleid. Den Kollegen Reto Flückiger (Stefan Gubser) holt sie vom Fußballplatz, und er geht in Trikot, kurzen Hosen und Badelatschen auf Verbrecherjagd. Denn sie glauben, dass der Täter gleich noch einmal zuschlagen wird.

Der Regisseur wirft ein paar Nebelkerzen: Zwei Frauen wird es plötzlich übel, und die Kamera macht auch vor der Damentoilette nicht halt. Ritschard hatte mal etwas mit dem Dirigenten. Flückiger wurde vor Jahren niedergestochen von Franky Loving (Andri Schenardi), der abwechselnd gegen seinen Vater wütet oder um seine Liebe buhlt.

"Unerbittlichkeit des Moments"

Schließlich gibt es noch mindestens einen Mord, vielleicht auch zwei, und einen Todeskampf vor der Kameralinse. Dass es nicht zu beklemmend wird, dafür sorgt Franky. Mit sarkastischen Einwürfen und dem Blick direkt in die Kamera holt er die Zuschauer immer wieder auf das sonntägliche „Tatort“-Schauen zurück.

88 Minuten ohne Unterbrechung zu filmen war für die Macher eine Herausforderung. „Man konnte nicht abbrechen oder aufgeben, es galt die Unerbittlichkeit des Moments“, sagte Regisseur Dani Levy. Kameramann Filip Zumbrunn musste die Unterarme trainieren, um die Kamera 90 Minuten halten zu können. Die Schauspieler mussten improvisieren. Dass Ritschards Rocksaum bei einem Sprint zerriss, war nicht geplant, ist aber nun Teil des Films.

Zum Thema

„Tatort: Die Musik stirbt zuletzt“, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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Das ist neu bei den aktuellen Tatort-Teams

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  • Nach einer vergleichsweise kurzen Sommerpause geht es beim beliebtesten TV-Format der Deutschen mit neuem Stoff weiter. Was in den kommenden Monaten zu erwarten ist: Neuanfänge, Abschiede, außergewöhnliche Fälle oder Orte - ein Überblick nach Teams

    Foto: Daniel Reinhardt
  • SCHWEIZ: Viel Neues aus der Schweiz ist zu erwarten in den kommenden Monaten. Eröffnet wird die Saison mit einem sogenannten One-Shot-„Tatort“ aus Luzern. Beim Krimi „Die Musik stirbt zuletzt“ handelt es sich um einen am Stück - also ohne Schnitt - gedrehten Echtzeit-„Tatort“. Inszeniert hat ihn Filmemacher Dani Levy („Alles auf Zucker!“). Es geht um einen Mord während eines Benefizkonzerts im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL). Der Film vom 5. August ist der viertletzte „Tatort“ aus Luzern mit Stefan Gubser und Delia Mayer alias Reto Flückiger und Liz Ritschard. 2019 ist dann nach acht Jahren und 17 Filmen Schluss mit dem aktuellen Team. Neue „Tatort“-Stadt wird ab 2020 laut Schweizer Fernsehen Zürich - eine Metropole mit Institutionen wie dem Fußballverband Fifa, die zudem als Banken-, Kultur-, Party- und Nachtleben-Zentrum bekannt ist.

    Foto: SYSTEM
  • WEIMAR: Wie im Schweizer „Tatort“ Anfang August geht es auch am 26. August im neuen MDR-Krimi mit Nora Tschirner und Christian Ulmen um Giftmord. Er heißt „Die robuste Roswita“ - wie eine Kartoffelsorte.

    Foto: Sebastian Kahnert
  • KIEL: Nach dem Ausstieg der Schauspielerin Sibel Kekilli bekommt der schleswig-holsteinische NDR-Ermittler Axel Milberg alias Borowski nach der Sommerpause die Schauspielerin Almila Bagriacik als operative Fallanalytikerin Mila Sahin an seine Seite. Der erste Fall mit ihr heißt „Borowski und das Haus der Geister“ (2.9.).

    Foto: Axel Heimken
  • BERLIN: Im kommenden RBB-Fall aus der deutschen Hauptstadt - „Tiere der Großstadt“ (16.9.) - gibt es eine Premiere in Sachen Mörder. Nachdem 1987 zum Beispiel schon ein Elefant im Hamburger „Tatort“ jemanden umbrachte („Tod im Elefantenhaus“), gerät jetzt wieder etwas Anderes als ein Mensch unter Verdacht, nämlich ein Roboter. Das Ganze passt zum Thema Künstliche Intelligenz, das diese Saison recht oft vorkommt. Die Musik kommt von Klangkünstler Nils Frahm („Victoria“).

    Foto: ARD
  • DORTMUND: Nach dem Ausstieg von Stefan Konarske ist Rick Okon der Neue im Ruhrgebiets-Team des WDR. Seinen Einstand als Jan Pawlak hatte der Schauspieler im Februar in einer Gastrolle als verdeckter LKA-Ermittler. Ab dem kommenden Film ist er fest dabei.

    Foto: Rolf Vennenbernd
  • GÖTTINGEN: Neue Partnerin und neuer Einsatzort für Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) ist Göttingen, die Uni-Stadt im Süden Niedersachsens, in der die Filmfigur auch einst studierte. Die Kommissarin wurde strafversetzt vom Landeskriminalamt Hannover zur dortigen Polizeidirektion. An der Seite der beliebten NDR-Ermittlerin, die nur noch einmal im Jahr mit einem neuen Film zu sehen ist, spielt die nächsten Krimis die Deutsch-Uganderin Florence Kasumba mit. Die Konstellation biete viel Raum für Wendungen, sagte Furtwängler anlässlich der Dreharbeiten. „So verschieden wir auch sein mögen, so verbindet uns doch Eigensinn und Selbstbewusstsein.“ Lindholm bekommt auch einen neuen Lover.

    Foto: Swen Pförtner
  • KASSEL: Das Frankfurter Duo Janneke und Brix (Margarita Broich und Wolfram Koch) vom Hessischen Rundfunk (hr) ermittelt bald in einem Fall im nordhessischen Kassel. Der Stiefsohn eines Fernseh-Talkers wurde getötet und zerstückelt. Ausgestrahlt werden soll der Kassel-Krimi aber erst in der zweiten Jahreshälfte 2019.

    Foto: Daniel Reinhardt
  • NOCHMAL HESSEN: Vorher - wahrscheinlich Ende 2018 - kommt der nächste „Tatort“ mit Ulrich Tukur. In „Murot und das Murmeltier“ (Anspielung auf die 25 Jahre alte US-Komödie „Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit Bill Murray) durchlebt Ermittler Murot einen Tag sieben Mal.

    Foto: Marius Becker
  • FRANKEN: Die Mordkommission Franken - also das Team um Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) - bekommt es in ihrem fünften Fall 2019 mit einer Mordserie zu tun: In Bayreuth wird jede Stunde ein Mensch erschossen - ein Wettlauf gegen die Zeit. Drehen ließ der BR auch im berühmten Wagner-Festspielhaus.

    Foto: ARD
  • SCHWARZWALD: Beim dritten Schwarzwald-„Tatort“ des SWR ist Hans-Jochen Wagner alias Kommissar Friedemann Berg wegen Krankheit nicht dabei. Er soll aber zurückkehren. An der Seite von Eva Löbau als Franziska Tobler ist stattdessen vorübergehend Carlo Ljubek als ihr Freiburger Kollege Luka Weber im Einsatz. Im neuen Krimi geht es um den Mord an einer 17-Jährigen und ihrem Tennislehrer.

    Foto: Sebastian Gollnow
  • MÜNSTER: Fans des mit Abstand beliebtesten „Tatort“-Teams - Kommissar Thiel und Prof. Boerne (Axel Prahl und Jan Josef Liefers) - müssen sich gedulden. Der eigentlich übliche zweite Fall des Jahres fällt diesmal aus. Also: Diesen Herbst kommt kein neuer Film. Dafür aber könnte es 2019 sogar drei neue Münster-Krimis vom WDR geben.

    Foto: Rolf Vennenbernd
  • STUTTGART: Auch Stuttgart-Fans bekommen dieses Jahr nur einen Fall - er kommt im Herbst. Der SWR-Film „Der Mann, der lügt“ erzählt seine Geschichte aus Verdächtigen-Sicht. Der Zuschauer erfährt die Ermittlungsergebnisse nur scheibchenweise. Besonders spannend.

    Foto: Stephanie Schweigert
  • HAMBURG: Auch wenn es quotentechnisch zuletzt nicht gut lief für Til Schweigers NDR-Krimis, wird weitergemacht. Allerdings nicht mehr mit dem bisherigen Regisseur (Christian Alvart) und Autor (Christoph Darnstädt), sondern mit den Machern vom Rostocker „Polizeiruf 110“ („Für mich übrigens der beste „Tatort!““, Zitat Schweiger in der „Bild am Sonntag“). Ab dem sechsten Fall mit Tschiller ist also unter anderem Eoin Moore verantwortlich.

    Foto: Nik Konietzy
  • DRESDEN: Nach dem Ausstieg von Alwara Höfels beim sächsischen MDR-Krimi spielt bald - zu sehen ab 2019 - an der Seite von Karin Hanczewski und Martin Brambach die Schauspielerin Cornelia Gröschel mit. Im Gegensatz zu Höfels ist sie sogar gebürtige Dresdnerin.

    Foto: MDR/Andreas Wünschirs
  • SAARLAND: Wie bereits bekannt, beenden der SR und Devid Striesow alias Stellbrink ihre Zusammenarbeit. Noch eine Folge - der dann siebte Fall - kommt im Januar 2019. Ein neues Team ist in Arbeit.

    Foto: Manuela Meyer
  • BREMEN: Die Schauspieler Sabine Postel und Oliver Mommsen hören bekanntlich 2019 auf - nach dann 34 gemeinsamen Auftritten. Nur noch zwei Fälle mit Kommissarin Inga Lürsen und Kollege Nils Stedefreund kommen. Radio Bremen will ein neues „Tatort“-Team präsentieren.

    Foto: Carmen Jaspersen

 

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