TV-Tipp
Das Boot (Serie)

Rückblickend sagt sich das leicht: Klar hätte man Widerstand gegen die Nationalsozialisten geleistet. Oder doch nicht? In der TV-Serie «Das Boot» ist das eine zentrale Frage. Am Freitag startet das U-Boot-Drama, das die Absurdität von Krieg und Heldentum zeigt.

Freitag, 23.11.2018, 00:01 Uhr aktualisiert: 23.11.2018, 00:04 Uhr
Die Schauspieler Tom Wlaschiha (l-r), Vicky Krieps und Rick Okon sind in der Sky-Serie «Das Boot» dabei.
Die Schauspieler Tom Wlaschiha (l-r), Vicky Krieps und Rick Okon sind in der Sky-Serie «Das Boot» dabei. Foto: Ursula Düren

München (dpa) - Wolfgang Petersens Weltkriegsdrama «Das Boot» war 1981 ein Welterfolg. Rund 37 Jahre später startet am Freitag (23. November) die mit Spannung erwartete gleichnamige Serie bei Sky, prominent besetzt mit Rick Okon, Vicky Krieps, Lizzy Caplan und Tom Wlaschiha.

Wie der oscarnominierte U-Boot-Film ist die Produktion von Sky, Bavaria Fiction und Sonar Entertainment angelehnt an die Bücher von Lothar-Günther Buchheim. Die acht Folgen erzählen aber eine eigenständige Geschichte. Neun Monate nach der Filmhandlung bricht ein U-Boot im Herbst 1942 zu einer gefährlichen Mission im Atlantik auf. An Land wächst unterdessen der Widerstand der Franzosen gegen die Deutschen, die das Land besetzt haben.

Andreas Prochaska («Das finstere Tal») hat ein packendes Abenteuer inszeniert, mit viel Spannung, aber auch leisen Momenten und einem guten Gespür für die zwischenmenschlichen Dramen, die sich in der Enge des U-Bootes, aber auch an Land abspielen. Okon, der neue Dortmunder «Tatort»-Kommissar, spielt Kapitänleutnant Hoffmann, der erstmals ein U-Boot kommandiert. Eine schwere Aufgabe, auch weil ihm einige Besatzungsmitglieder nicht wohlgesonnen sind, allen voran der 1. Wachoffizier Tennstedt (August Wittgenstein - «Ku'damm 56»). Er wäre selbst gern Kommandant und hetzt die Mannschaft gegen ihn auf.

Doch die Serie beschränkt sich nicht auf die Ereignisse an Bord. Man könne es den Zuschauern nicht zumuten, acht Stunden schwitzenden Männern zuzusehen, hatte Prochaska mehrfach betont. Der zweite Strang der Geschichte spielt in der Hafenstadt La Rochelle. Die deutsche Übersetzerin Simone (Vicky Krieps, «Der seidene Faden») arbeitet für den örtlichen Gestapo-Chef Hagen Forster (Tom Wlaschiha, «Game of Thrones»).

Bevor ihr Bruder mit dem U-Boot ausläuft, bittet er sie um einen Gefallen und bringt sie in Kontakt mit der Widerstandsgruppe um Carla Monroe (Lizzy Caplan, «Masters of Sex»). Ein Gewissenskonflikt für die pflichtbewusste Simone. Unverhofft wird sie in dramatische Ereignisse verwickelt und gerät ins Zweifeln, ob ihre Treue zu den Nationalsozialisten richtig ist.

Krieps spielt diesen Zwiespalt sehr gekonnt - ohne große Worte, leise und vorsichtig. Was ist richtig, was ist falsch? Eine schwierige Frage, die sich in der Serie immer wieder stellt. Auch Tom Wlaschiha setzte sich damit auseinander, in der Rolle des Gestapo-Chefs: «Es ist nicht so einfach, den moralischen Kompass zu behalten, gegen Widerstände und die allgemein gültige Meinung aufzubegehren und tatsächlich die Stimme zu erheben.»

Hätte er selbst damals Widerstand geleistet? «Das würde ich natürlich gerne von mir denken, aber ich würde mich nie so weit vorwagen, das mit Bestimmtheit zu sagen», erklärt Wlaschiha. «Es bei weitem nicht jeder zum Helden geboren. Es ist für nachfolgende Generationen sehr leicht, rückblickend ein moralisches Urteil zu fällen über die Leute damals.»

Prochaska wollte die Faszination des U-Boot-Krieges hinterfragen, «diese Mischung aus Technik, Abenteuer, Ruhm, Ehre». «Du warst als U-Boot-Fahrer sowas wie ein Rock-Star der Nazis, du hast Ruhm bekommen, den meisten Heimaturlaub und wahrscheinlich auch die meiste Kohle. Du warst per se schon ein Held.» Ein Heldentum, das die Serie in Frage stellt. Absurd und sinnlos erscheint es, wenn das Boot durch den Atlantik kreuzt.

Das Hochgefühl bei manchen Soldaten, wenn der Feind versenkt wird. Die quälende Langeweile, die Aggressivität. Und die Todesangst, wenn in der klaustrophobischen Enge des Bootes das dumpfe Knallen feindlicher Geschütze dröhnt. Die meisten U-Boot-Fahrer mussten ihr Heldentum teuer bezahlen, mit dem Leben. «Eiserne Särge» nannte Buchheim die Unterwasser-Boote.

Die Männer an Bord wurden mit fortschreitender Dauer des Krieges immer jünger, manche waren erst 16. Der U-Boot-Krieg sei ein riesiger Kinderkreuzzug gewesen, notierte Buchheim, der selbst auf U-Booten als Marinesoldat im Einsatz war und seine Erlebnisse in Buchform verarbeitet hat. Die Überlebenschancen waren nicht hoch, bestätigen Zahlen des Deutschen Historischen Museums in Berlin: Rund 27 000 U-Boot-Fahrer starben während des Zweiten Weltkrieges. Von Gefallenen wolle er aber nicht reden, so Buchheim. «Sie sind abgesoffen, ersäuft wie überzählige Katzen im Sack.»

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