TV-Tipp
Elternschule

Der Dokumentarfilm «Elternschule» hat einiges Lob bekommen, aber auch Kritik provoziert. Als er im Kino zu sehen war, erhob selbst der Deutsche Kinderschutzbund schwere Vorwürfe. Nun kommt er erstmals im Fernsehen.

Mittwoch, 03.07.2019, 00:01 Uhr
Dietmar Langer beim Elternseminar.
Dietmar Langer beim Elternseminar. Foto: Jörg Adolph

Hamburg (dpa) - Es ist ein Dokumentarfilm, der heftig polarisiert. Schon der Trailer für «Elternschule» löste im Internet einen Shitstorm aus.

Auf der Facebookseite dafür gab es innerhalb weniger Tage hunderte kritischer Kommentare, noch bevor der Film im Oktober 2018 in die deutschen Kinos kam. In der Kategorie «Bester Dokumentarfilm» war er für den Deutschen Filmpreis nominiert.

Andererseits hat sich selbst der Deutsche Kinderschutzbund kritisch dazu geäußert. Nun zeigt das Erste ihn erstmals im Fernsehen: Am Mittwoch (3. Juli, um 22.45 Uhr) können sich Zuschauer selbst ein Bild machen.

Der Film von Jörg Adolph und Ralf Buecheler («Leben - Gebrauchsanleitung») begleitet mehrere Familien durch die mehrwöchige, stationäre Therapie einer psychosomatischen Klinik in Gelsenkirchen. Dort werden junge Menschen therapiert, die unter chronischem Stress leiden. Manche verweigern die Nahrungsaufnahme, manche schreien stundenlang. Das medizinische Fachpersonal, Psychologen und Pfleger versuchen, ihnen zu helfen. Die Therapien folgen einem detaillierten Plan.

Manche Schicksale, die in «Elternschule» gezeigt werden, sind dramatisch. Eine Mutter kündigt an, sie müsse ihr Kind ins Heim abgeben, weil sie die körperlichen Attacken und Ausraster gegen sich nicht mehr aushalte. Eine andere ist wegen des regelmäßigen Durchschreiens ihres Kindes wieder bei ihrer eigenen Mutter eingezogen.

Adolph und Buecheler versuchen, die Ereignisse vor der Kamera mithilfe der in die Therapien involvierten Ärzte und Pfleger medizinisch und psychologisch einzuordnen. Dabei verzichten sie konsequent auf einen Sprecher, der das Geschehen neutral von außen kommentiert und bitten die Mediziner und Therapeuten selbst um Stellungnahme. Und anders als in ähnlich gelagerten TV-Formaten bei manchem Privatsendern verzichten die Filmemacher auch darauf, die Hintergrundgeschichten mit dramatischer Musik zu unterlegen.

Auf Szenen aus den Behandlungs- und Therapieräumen, in denen Kinder rebellieren, schreien, ihre Eltern angreifen oder das Essen verweigern, folgen Einblicke in den Elternschulunterricht. So ergibt sich nach und nach ein Bild davon, wie in der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen gearbeitet wird. Die Erziehung der Kinder soll mit liebevoller Konsequenz erfolgen - lautet der Anspruch dort.

Aber der Ansatz der Klinik zum Umgang mit Kindern hat auch Kritiker laut werden lassen, darunter den Deutschen Kinderschutzbund (DKSB): «Der Film 'Elternschule' dokumentiert die Behandlung psychosomatisch erkrankter Kinder und Kleinstkinder. Nach Einschätzung des DKSB zeigt er einige verzweifelte Mütter, die in der Klinik lernen, dass eine Eltern-Kind-Beziehung eine Kampfbeziehung ist und dass sie möglichst hart zu ihren Kindern sein sollen», so der Verband im vergangenen Oktober.

Die im Film gezeigten Kinder und ihre Eltern seien zwar in großer Not und benötigten intensive Unterstützung. «Über den gewaltvollen Charakter vieler Szenen kann der Verband aber nicht hinwegsehen.»

Ralf Buecheler hat solche Vorwürfe in der «Süddeutschen Zeitung» (SZ) gerade erneut zurückgewiesen: «Wir zeigen keine Gewalt gegen Kinder!», sagt er. Noch einmal machen würden die beiden den Film nicht. «Wir haben in jedem Moment nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt», erklärt Jörg Adolph in der SZ, «aber vielleicht sind die Zeiten für so einen Film einfach vorbei.» Vielleicht gehe das einfach nicht mehr, in der Gesellschaft des Zorns, bei so einem aufgeladenen Thema.

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