TV-Tipp
«Unter anderen Umständen»: Die Wahrheit ist vergraben

In tiefster Nacht lässt Matthias Hamm heimlich die Leiche einer ehemaligen Freundin auf dem Friedhof ausgraben und obduzieren. Die Vorgesetzten sind entsetzt. Doch der Polizist liegt richtig.

Dienstag, 02.02.2021, 00:01 Uhr
Matthias Hamm (Ralph Herforth, l) und Brauner (Martin Brambach) stehen an Nicoles Grab.
Matthias Hamm (Ralph Herforth, l) und Brauner (Martin Brambach) stehen an Nicoles Grab. Foto: Manju Sawhney

Berlin (dpa) - Es ist finstere Nacht, ein einsames Käuzchen ruft über den sturmumtosten Friedhof. Ein Mann macht sich an einem Grab zu schaffen, heftig buddelnd hebt er den darin liegenden Sarg heraus und schleppt ihn davon.

So ungewöhnlich beginnt die Folge «Über den Tod hinaus» aus der Krimireihe «Unter anderen Umständen» am Dienstag um 20.15 Uhr bei ZDFneo .

Es kommt noch dicker. Der Mann ist Kommissar Matthias Hamm (Ralph Herforth). Wenig später liegt die Leiche aus dem Sarg auf dem Obduktionstisch - es handelt sich um Hamms Ex-Freundin Nicole. Sein Chef in Flensburg, Dr. Fabian (Hansjürgen Hurrig), ist nicht minder entsetzt als seine Kollegin Jana Winter (Natalia Wörner). Doch die Obduktion ergibt: Nicole ist tatsächlich keines natürlichen Todes gestorben.

Der Fall reicht weit zurück, denn Nicole war vor 15 Jahren Hauptzeugin in einem Fall um ein bis heute verschwundenes Mädchen, das vermutlich tot ist. Oliver Plessner (Thomas Arnold), der Mann, der aufgrund ihrer damaligen Aussage wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden ist, wurde soeben wieder auf freien Fuß gesetzt.

Jana glaubt nicht, dass Plessner sich an Nicole gerächt hat. Dummerweise kann sie derzeit nicht auf die Hilfe ihres ehemaligen Chefs Arne Brauner (Martin Brambach) setzen, denn der weilt angeblich im Urlaub in Kroatien. In Wahrheit steckt der Alkoholiker in einer Entzugsklinik im Erzgebirge und macht seiner Therapeutin schöne Augen.

Regisseurin Judith Kennel («Marie Brand und die Liebe zu viert») hat bisher sämtliche Fälle von «Unter anderen Umständen» inszeniert. Das macht sie auch jetzt wieder gekonnt und routiniert. Aber was sie - und Drehbuchautor André Georgi - zu der Eingangssequenz bewogen haben mag, bleibt völlig unerfindlich. Die Störung der Totenruhe ist nicht nur unappetitlich, sondern stellt eine Straftat dar. Und die wird hier obendrein von einem Ermittler höchstpersönlich begangen, der die tote Frau im Sarg zudem seit Jahren nicht gesehen hat. Das ist einfach nur haarsträubender Unsinn.

Zum Glück ist der weitere Verlauf des Krimis deutlich weniger unrealistisch und fördert eine in der Tat vergrabene Wahrheit zutage, auf die man erst einmal kommen muss.

© dpa-infocom, dpa:210129-99-216829/4

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