„Matterhorn“
Lakonisch inszenierte, sehr sonderbare und sehr schöne Tragikomödie

Das niederländische Kino hat seit jeher große Freude daran, provinzielle Spießeridyllen in genüsslich ätzender Weise auszumalen.

Donnerstag, 09.01.2014, 15:01 Uhr

Zwei Männer sorgen für Aufsehen.
Zwei Männer sorgen für Aufsehen. Foto: Pro Fun

Man denke nur an die wunderbar bösen Filme von Alex van Warmerdam („Noorderlingen“), der das flache Nachbarland regelmäßig als Hort von Bigotterie und Niedertracht denunziert. Regisseur Diederik Ebbinge , sonst als Schauspieler tätig, schlägt nun einerseits in dieselbe Kerbe, indem er als Schauplatz ein engstirniges Provinzkaff wählt, in dem das Ansehen der Menschen über die Regelmäßigkeit ihres Kirchgangs definiert wird, dann aber schleichen sich warmherzigere Töne in die Skurrilität der Inszenierung: Der einsame Mittfünfziger Fred (herrlich: Ton Kas), verbittert nach dem Tod seiner Frau, nimmt eines Tages den geistig leicht zurückgebliebenen, ebenfalls in die Jahre gekommenen Landstreicher Theo bei sich auf.

Bald wächst zusammen, was eigentlich nicht zusammenpasst, man irritiert und begeistert gemeinsam als Clowns auf Kindergeburtstagen. Im Dorf rumort es bald, jemand schreibt „Sodom und Gomorrha“ an Freds Haus, doch trotz allem folgt die unwahrscheinlichste Homo-Heirat der Kinogeschichte. Und ein Trip zum titelgebenden Berg. Ein lakonisch inszenierter, sehr sonderbarer und sehr schöner Film, der jüngst – ausgerechnet! – auf dem Filmfest Moskau den Publikumspreis gewann.

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