„Die Karte meiner Träume“
Ein Knirps reist nach Washington

Die Filme des Franzosen Jean-Pierre Jeunet gehören zum Verspieltesten, was jenseits von Wes Anderson im Weltkino zu finden ist: Vom Menschenfressermietshaus seines Debüts „Delicatessen“ bis zu den Paris-Anarchos aus „Micmacs“ schuf er einen eigenen Kosmos überbordender Anekdotensammlungen mit eingebautem Wunsch nach der Pausentaste: So viel gibt es in jedem Bild zu sehen.

Donnerstag, 10.07.2014, 16:07 Uhr

Der große Moment ist da: T. S. Spivet (Kyle Catlett) erhält den renommierten Wissenschaftspreis für sein erfundenes Perpetuum mobile.
Der große Moment ist da: T. S. Spivet (Kyle Catlett) erhält den renommierten Wissenschaftspreis für sein erfundenes Perpetuum mobile. Foto: dpa

Im Idealfall – etwa seinem Meisterwerk „Amélie“ – verbindet sich diese vom Menschen und seinen Hervorbringungen begeisterte Verspieltheit mit großer Emotion. Manchmal aber verliert er sich auch im technisierten Detail. Dann staunt man zwar, fühlt aber nicht so richtig mit.

Dieser Gefahr kann auch der neue Film nicht entgehen. Dabei ist die Romanvorlage von Reif Larsen für eine Verfilmung durch Jeunet geradezu prädestiniert – ein Buch als kindlicher Stauneblick, angereichert durch Karten, Notizen und Anmerkungen in den Randspalten. Jeunet rückt dem mit 3D und Split Screens zu Leibe: Vorne rotieren Skizzen, rechts öffnet sich schon ein anderes Bild, räumlich greifbar ragt die karge Landschaft von Montana ins Bild.

Läuft wo?

Trailer, Fotos und Spielorte gibt es  hier .

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Montana? Richtig, Jeunet wagt sich in die USA. Erzählt wird die Geschichte des zehnjährigen Wunderkinds T. S. Spivet (Kyle Catlett, „The Following“), das mit seinem Cowboy-Vater und seiner Käferforscher-Mutter (versponnen wie immer: Helena Bonham Carter, „The King‘s Speech“) auf einer einsamen Ranch lebt und dann allein nach Washington reist, um dort einen renommierten Wissenschaftspreis für sein frisch erfundenes Perpetuum Mobile entgegenzunehmen. Miss Jibsen (schrill: Judy Davis aus Woody Allens „Harry außer sich“) vom Smithsonian Institute staunt nicht schlecht, als der Knirps vor ihr steht.

Der brillant inszenierte und mit bewährt sonderbarem Personal bestückte Film pendelt zwischen melancholischem Familiendrama, Güterzug-Railmovie und Wissenschaftssatire. Die Detailfülle begeistert – und sorgt dann doch für Erschöpfung. So richtig heran an die Film-Figuren und das, was sie bewegt, kommt man leider nicht.  

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