„Die große Versuchung“
Reif für den Hafen

Kein Doktor – keine Fabrik. So einfach ist die Bedingung für die Bewohner des Küstenstädtchens Tickle Head in Neufundland, die vom Fischen lebten, bis sie arbeitslos wurden und seit Jahren von Sozialhilfe leben. Die Ölgesellschaft, die plant, hier eine Fabrik zu bauen, hat ärztliche Versorgung zur Bedingung gemacht.

Freitag, 11.07.2014, 01:07 Uhr

Ob er ihn zum Bleiben bewegen kann? Bürgermeister Murray (Brendan Gleeson, l.) fährt mit Dr. Lewis (Taylor Kitsch) in den Hafen von Tickle Head ein.
Ob er ihn zum Bleiben bewegen kann? Bürgermeister Murray (Brendan Gleeson, l.) fährt mit Dr. Lewis (Taylor Kitsch) in den Hafen von Tickle Head ein. Foto: dpa

Ob es den Dörflern gelingt, den Arzt, die Fabrik und damit eine lebenswerte Arbeit zu gewinnen, ist die große Frage, die in der zauberhaften und liebenswerten kanadischen Komödie „Die große Versuchung “ ständig in der Luft liegt. Der Bürgermeister, der weggezogen ist, hat das Glück, dass er als Zollbeamter den Schönheitschirurgen Dr. Lewis ( Taylor Kitsch ) mit Kokain erwischt und mit sanfter Erpressung für einen Monat nach Tickle Head verfrachtet, das sich als „Hafen“, nicht als Dorf versteht.

Dort nimmt ihn Ersatzbürgermeister Murray French ( Brendan Gleeson ) unter seine Fittiche. Der spannt den gesamten Ort ein, um dem Doc ein kleines Paradies vorzugaukeln. Dr. Lewis wird abgehört, man gaukelt ihm vor, die Bewohner spielten seinen Lieblingssport Cricket, und Gespräche beim Angeln tun ihr Übriges, um ihn einzulullen. Was, wenn er die Wahrheit über das Potemkinsche Dorf erfährt?

Wer 2003 „Die große Verführung“ gesehen hat, wo die Geschichte schon einmal erzählt wurde, kann sich getrost auf das Remake einlassen. Nichts vom Geist des Sozialmärchens geht verloren, es ist ebenso charmant, wenn es darum geht, von Lügen, Arbeit und dem Sinn des Lebens zu fabulieren.

Läuft wo?

Trailer, Fotos und Spielorte gibt es hier .

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Neu sind die Darsteller, mit denen der Film einen Glücksgriff getan hat. Allen voran der große Ire Brendan Gleeson („The Guard“, „ Brügge sehen ... und sterben?“), ein Bär von einem Fischer, der mit kolossaler Statur, strubbeligem weißen Bart und windumwehten Haaren den kauzigen Intriganten von Gottes Gnaden und knorrigen Seebär spielt, der Tickle Head dirigiert, denn: „Lügen sind das Einzige, was wir jetzt brauchen“. Die gehen soweit, dass baufällige Häuser als „Weltkulturerbe“ deklariert werden.

Taylor Kitsch als Dr. Lewis schlägt sich als naiver Doc tapfer, weshalb der Film es wagt, die romantische Note des Originals herunterzuspielen. Vielleicht, weil der Arzt sieht, dass wunderbare wettergegerbte Gesichter des Alltags mehr Wert haben als geklonte Kunstvisagen. Ist er reif für den Hafen? Sehenswert.  

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