„Phoenix“
Eine Frau spielt sich selbst

Deutschland, 1945: Das Land liegt in Trümmern, der Blick geht nach vorne. Nelly Lenz (Nina Hoss) kehrt nach Berlin zurück, per Zufall hat sie Auschwitz überlebt. Ihr zerstörtes Gesicht wird von einem Chirurgen wiederhergestellt, näherungsweise. Anstatt nach Palästina auszuwandern, wie es ihre Freundin Lene (Nina Kunzendorf) vorschlägt, möchte Nelly an ihr altes Leben anknüpfen – und an ihre alte Liebe.

Donnerstag, 25.09.2014, 16:09 Uhr

Rätselhafte Rückkehr: Johnny (Roland Zehrfeld) und Nelly (Nina Hoss) arbeiten an einem Erbschleicher-Plan.
Rätselhafte Rückkehr: Johnny (Roland Zehrfeld) und Nelly (Nina Hoss) arbeiten an einem Erbschleicher-Plan. Foto: Piffl Medien

Doch Johnny (Ronald Zehrfeld), ihr Musiker-Mann, erkennt sie nicht mehr. Oder: Er will sie nicht mehr erkennen. Stattdessen gewinnt er sie für einen Erbschleicher-Plan, dessen Paradoxie ihm nicht bewusst ist: Sie, die seiner vermeintlich toten Frau so ähnlich sieht, soll sich von ihm optisch noch weiter an Nelly angleichen lassen, um so an ihr Vermögen herankommen zu können. In einem Keller probt er mit ihr die glamouröse Rückkehr einer Totgeglaubten. Bis dann doch alles anders kommt.

Christian Petzolds sechstem Film mit Nina Hoss in der Hauptrolle liegt ein kaum bekannter französischer Krimi („Der Asche entstiegen“ von Hubert Montheilhet) zugrunde, doch als Einflüsse sind Fassbinder, der Film Noir der 1940er Jahre und vor allem Hitchcocks „ Vertigo “ unverkennbar. Nachdem er sich in in „Barbara“ (auch mit Hoss und Zehrfeld) zuletzt dem Stasi-Staat DDR gewidmet hatte, geht er hier noch weiter zurück in düsterste Kapitel der deutschen Geschichte – und damit erstmals in eine Zeit, die er aus eigener Anschauung nicht kennen kann. Entstanden ist – letztmals in Co-Autorschaft mit Harun Farocki, dem jüngst verstorbenen Film-Essayisten – eine bemerkenswert präzis erzählte, gegen Ende hin extrem spannende und durchgehend sehr bewegende Auseinandersetzung mit einem Nachkriegskonsens, der im Wegschauen, Vergessen und Verdrängen bestand, mit Menschen mithin, die „unfähig sind zu trauern“ (Mitscherlich).

Läuft wo?

Trailer, Fotos und Spielorte gibt es hier .

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Petzold inszeniert das als klaren Gegenentwurf zur sonst so virulenten Vorliebe des deutschen Films, historische Figuren psychologisch auszuleuchten und noch den letzten Führerbunkerwinkel authentisch nachzubauen. „Authentizität“ aber (was immer das sein mag) interessiert Petzold nicht. „ Phoenix “ ist ein Genrefilm in künstlichen Farben, in kulissenhaften Dekors. Und gerade darin zeigt das Unvorstellbare seine klarsten Konturen. Herausragend. 

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