„Inherent Vice – Natürliche Mängel“
Ein Marlowe mit Schlappen

Thomas Pynchon ist das Phantom der amerikanischen Postmoderne: Die Romane des niemals in die Öffentlichkeit tretenden Schriftstellers sind Kult, obgleich (oder weil) kaum einer ihren Beziehungsreichtum vollständig durchschaut. Verfilmt wurden sie bis dato noch nie. Nun hat sich einer der großen Postmodernen unter den US-Regisseuren daran versucht – erfolgreich.

Donnerstag, 12.02.2015, 16:02 Uhr

Der dauerbekiffte Detektiv (Joaquin Phoenix) mit dem schönen Backenbart hat eine Geliebte mit formvollendeter Frisur (Reese Witherspoon).
Der dauerbekiffte Detektiv (Joaquin Phoenix) mit dem schönen Backenbart hat eine Geliebte mit formvollendeter Frisur (Reese Witherspoon). Foto: epd

Paul Thomas Anderson , der mit Joaquin Phoenix „The Master“ drehte, setzt Pynchons Roman „Natürliche Mängel“ (2009) als herrlich psychedelische und dabei immer schön entspannt bleibende Krimikomödie in Szene. Dem schwer entwirrbaren, von einer Vielzahl von Figuren bevölkerten Plot des Buches, angesiedelt im Späthippie-Jahr 1970, bleibt er dabei verblüffend treu, was zur Folge hat, dass viele Rollen nur mal eben kurz auftauchen und dann wieder verschwinden. Mal haben sie mit der Haupthandlung zu tun, mal nicht. Aber amüsant ist es immer.

Im Zentrum der zweifach oscarnominierten Verfilmung steht der dauerbekiffte Privatdetektiv Doc Spor­tello, den „Her“-Star Phoenix großartig verstrahlt als Backenbart-Hallodri durch Los Angeles streifen lässt: eine Mischung aus Bogarts Marlowe und dem­ „Dude“ aus „The Big Lebowski“. Sportellos Ex-Freundin Shasta (eine Entdeckung: Katherine Waterson) zieht ihn in einen Kriminalplot um ihren reichen Geliebten, dessen Frau und wiederum deren Geliebten, wobei nie ganz klar wird, ob es sich dabei um eine Verschwörungs-, Entführungs-, Betrugs- oder Sonst-was-Geschichte handelt. Statt als logisch montierte Szenenfolge präsentiert sich „Inherent Vice“ als loser Episodenreigen, und man tut gut daran, nicht auf die herkömmliche Auflösung eines Rätsels zu warten.

Läuft wo?

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Eine Schau sind die diversen Gaststars in kurzen, aber schönen Auftritten: Reese Witherspoon als Docs Geliebte, 80er-Jahre-Komiker Martin Short als koksender Zahnarzt-Funktionär oder Folksängerin Joanna Newsom, die als Erzählerin durch die Szenen schwebt. Owen Wilson (als Spion) und Josh Brolin (als Cop) sind besonders gut.

Es gibt surreale Einschübe, ein schneebestäubtes Siebziger-Flair, irre gute Musik auf dem Soundtrack und eine Grundstimmung, die sich selbst nie ernst nimmt: Viel besser kann eine solche allererste Thomas-Pynchon-Verfilmung wohl kaum aussehen. Sehenswert.

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