Learning to Drive
Stoppschild, Brücke, grünes Licht

Das Taxi als Mikrokosmos der Gesellschaft, als Transitraum, in dem sonderbare Käuze und Menschen aller Schichten, Kulturen und Religionen für kurze Zeit zusammensitzen: Im Kino ist das ein In-Thema. 

Donnerstag, 06.08.2015, 15:08 Uhr

Unterwegs mit dem Fahrlehrer: Bei Darwan (Ben Kingsley) kann Wendy (Patricia Clarkson) ihren Trennungsfrust loswerden.
Unterwegs mit dem Fahrlehrer: Bei Darwan (Ben Kingsley) kann Wendy (Patricia Clarkson) ihren Trennungsfrust loswerden. Foto: Alamode

Noch während Jafar Panahi das allseits gefeierte „ Taxi Teheran “ über die Leinwand lenkt und noch bevor die Verfilmung von Karen Duves Bestseller „Taxi“ startet, erreicht ein Nachzügler aus dem letzten Jahr die deutschen Lichtspielsäle: „Learning to Drive“. Darin geht es zwar um Fahrstunden, doch erteilt werden diese von einem lebensweisen indischen Taxifahrer, passend besetzt mit Ben Kingsley , dem ewigen „Gandhi“.

Ihm platzt eines Tages die Literaturkritikerin Wendy (wunderbar: Patricia Clarkson , „Pieces of April“) ins Taxi, das er nächtens durch New York steuert. Die Mittfünfzigerin schwankt zwischen Zorn und Verzweiflung, denn gerade erst wurde sie von ihrem Mann verlassen. Für eine Jüngere. Taxifahrer Darwan, ein gläubiger Sikh, der wegen politischer Verfolgung aus Indien ausreisen musste, arbeitet tagsüber als Fahrlehrer, und bald schon nimmt Wendy Stunden bei diesem sanften Mann.

Warum? Nun, erstens möchte sie ihre Tochter besuchen, die als Biobäuerin in der Provinz arbeitet, und zweitens will sie grundsätzlich selbstständiger werden. Weshalb sich das Fahrenlernen auch als wohlfeile Lebensmetapher anbietet: Brücken müssen überquert, Spuren gewechselt und Nervensägen ignoriert werden.

Regisseurin Isabel Coixet hat diesen Film noch vor ihrem gründlich versenkten Polardramolett „Nobody Wants the Night“ gedreht, das im Februar die Berlinale eröffnete. An ihr frühes Meisterwerk „Mein Leben ohne mich“ kann Coixet freilich auch hier nicht anknüpfen, als Schmunzelware mit Wellnessbonus für Kalenderweisheiten-Fans geht „Learning to Drive“ jedoch allemal durch – was vor allem an den Charismatikern Kingsley und Clarkson liegt.

Läuft wo?

Trailer, Fotos und Spielorte gibt es  hier .

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Die (populär-)philosophischen Dialoge, die sich zwischen dem unter Alltagsrassismus leidenden Fahrlehrer und der wohlsituierten Kulturbürgerin entspinnen, gehen über bloße Culture-Clash-Klischees durchaus hinaus – zumindest ein wenig.  

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