Die Kommune
In der Villa Kunterbunt

Die dänische Schauspielerin Trine Dyrholm, auf der Berlinale als Beste Darstellerin für „Die Kommune“ ausgezeichnet, ist ein echter Profi. Ob als betrogene, am Vater hängende Tochter („Little Soldier“), als Mutter, deren Tochter entführt wurde (Troubled Water“), als Frau eines Arztes in einer Familientragödie („In einer besseren Welt“) oder als Kindsmörderin mit übersinnlichen Fähigkeiten („In deinen Händen“): Dyrholm kann alles spielen.

Freitag, 22.04.2016, 12:04 Uhr

Einstimmig angenommen: Die Zeit der Kommune um Anna (Trine Dyrholm, Mitte) und Erik (Ulrich Thomsen, 2. v. r.) kann beginnen ...
Einstimmig angenommen: Die Zeit der Kommune um Anna (Trine Dyrholm, Mitte) und Erik (Ulrich Thomsen, 2. v. r.) kann beginnen ... Foto: Prokino

Ihre schönste Rolle ist die der kahlköpfigen Friseurin, die in Susanne Biers mit dem Europäischen Filmpreis geehrter Romanze „Love Is All You Need“ einen zurückhaltenden Witwer (Pierce Brosnan) durch ihre Würde erstaunt.

In Thomas Vinterbergs semi-autobiografischer Tragikomödie „Die Kommune“ scheint sie als erfolgreiche TV-Nachrichtensprecherin Anna mit Mann Erik (Ulrich Thomsen) alles in den Händen zu haben. Anfang der 70er Jahre lockt das Paar eine Gruppe gleichgesinnter Freunde in Eriks von den Eltern geerbte Luxusvilla und gründet eine Kommune. Da tummelt sich ein Arsenal von Aussteigern, Freaks, Spontis und Idealisten mit Geldsorgen samt Quoten-Ausländer und Annas vierzehnjähriger Tochter Freja, die als Alter Ego des Regisseurs das Treiben der Flippigen um alternative Lebensformen beobachtet.

Bis dahin gehört Anna zum Ensemble, das Vinterberg in loser Szenenfolge vorstellt, ein Puzzle eher als ein Gemälde. Als Erik mit Studentin Emma (Helene Reingaard Neumann) gehen will, nimmt Anna sie wider besseres Wissen in die Villa Kunterbunt auf. Es entwickelt sich ein Ehedrama, das an Intensität nichts zu wünschen übrig lässt und die Gemeinschaft in Krisen und Katastrophen treibt, die nicht mehr nur mit der ständig leeren Bierkasse zu tun haben.

Läuft wo?

Alle Informationen zum Film gibt es hier .

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Vinterberg („Das Fest“, „Die Jagd“), im Alter von sieben bis neunzehn Jahren selbst in einer Kommune, die für ihn Märchen und Tragödie war, entwickelt ein Kaleidoskop, das revolutionäre antibürgerlichen Aufbrüche und basisdemokratische Entscheidungsprozesse der Spontis zwischen Nacktbaden, Kochen, Ausflügen und intellektuellen Diskussionen mit Widerhaken erzählt. Nicht immer gelungen, in der zweiten Hälfte eine Wucht. Da zeigt Trine Dyrholm als an der Affäre Eriks zerbrechende und vereinsamende Frau, die auf mangelnde Empathie und Solidarität stößt, die hinreißende Leistung, die sie zu einer der führenden Schauspielerinnen Europas macht. Sehenswert.  

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