Film-Kritik: „The Accountant“
Mörderische Rechenmaschine

Als Bezahlung nimmt er gern schon mal einen echten Renoir und Jackson Pollock entgegen, die er in seinem zehn Meter langen Wohnwagenanhänger gediegen gerahmt aufhängt. Finanzbuchhalter und Steuerexperte Christian Wolff (Ben Affleck) treibt sich in „The Accountant“ in allen Teilen der Welt herum, tarnt sich als kleinstädtischer Steuerberater, der kleinen Farmern hilft, und findet zielsicher die Quellen und bösen Wege von Geldflüssen heraus.

Freitag, 21.10.2016, 11:10 Uhr

Ben Affleck als Profikiller und autistisches Mathematikgenie Christian Wolff findet hier gerade heraus, wohin die 69 Millionen Dollar der Firma Robotik verschwunden sind.
Ben Affleck als Profikiller und autistisches Mathematikgenie Christian Wolff findet hier gerade heraus, wohin die 69 Millionen Dollar der Firma Robotik verschwunden sind. Foto: Warner Bros.

In Wahrheit ist das Mathematikgenie ein „hochfunktionaler Autist“, der für Verbrecher- und Terrororganisationen arbeitet und wegen der ihm zugänglichen Geheimnisse vom Finanzministerium gesucht wird. Als Wolff bei der von Lamar Black (John Lithgow) geleiteten Elektronikfirma Robotik herausfinden soll, wo die Gelder des in Schwierigkeiten geratenen Unternehmens geblieben sind, gerät der Mann mit der stoischen Miene zwischen die Fronten.

Da ist der Finanzminister (J.K. Simmons), der ihn durch eine Analystin suchen lässt. Da ist die Robotik-Buchhalterin Dana (Anna Kendrick), eine Geistesverwandte, die ihn aus privaten Gründen verfolgt. Da sind etliche Killer, deren Wege mit Leichen gepflastert sind.

Ben Affleck , über den man als Batman geteilter Meinung sein kann, spielt den Herrn der Zahlen in kontrollierter Zurücknahme aller Gefühle als lebende Rechenmaschine , deren mörderische Vergangenheit in Rückblenden nach und nach ans Licht kommt. Denn so zielsicher Wolff gesuchte Summen findet, so zielgenau und schnell ist er als Profikiller, der sich seiner Verfolger zu entledigen weiß.

Probleme hat der Mann mit dem Röntgenblick für gefälschte Bilanzen nur mit dem Privatleben. Da ist er stark beziehungsgestört und ein enger Verwandter illus­trer Vorgänger wie Charles Bronsons („Kalter Hauch“) und Jason Statham („The Mechanic“). Auf diese Weise dringt in den spannenden Finanz-Thriller harte und lakonische Action ein.

Regisseur Gary O’Connor inszeniert die Suche nach Zahlenmustern und die sich daraus ergebenden Verfolgungsjagden geradlinig und direkt, überstrapaziert nur gelegentlich durch Stroboskop-und andere Effekte die Story. Düster wie „Gone Girl“ und „Prisoners“, ist „The Accountant“ als lakonische und durchweg stimmige Spannungsmaschine im Plus.

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