Willkommen bei den Hartmanns
„Mei, ist der lieb!“

Erst „Welcome to Norway“, dann „Ostfriesisch für Anfänger“, jetzt „Willkommen bei den Hartmanns“: Die Geflüchteten sind endgültig im Unterhaltungskino angekommen, wo sie, so die Hoffnung der Macher, als Filmfiguren dem entgegentreten, was der gesellschaftliche Angstdiskurs aus ihnen gemacht hat.

Donnerstag, 03.11.2016, 16:11 Uhr

Angelika (Senta Berger) fühlt sich wohl mit Diallo (Eric Kabongo) als Begleiter im Supermarkt.
Angelika (Senta Berger) fühlt sich wohl mit Diallo (Eric Kabongo) als Begleiter im Supermarkt. Foto: dpa

Senta Bergers Sohn Simon Verhoeven, der seit „Männerherzen“ durchaus als Erfolgsregisseur bezeichnet werden muss, legt nun eine Komödie vor, die das Thema in eine nach allen Seiten austeilende Familienfarce einbettet und neben Veteranen (Senta Berger und Heiner Lauterbach als Eheleute, Uwe Ochsenknecht als windiger Schönheitschirurg) auch zwei aktuelle deutsche Top-Stars auffährt: Elyas M’Barek und Florian David Fitz.

Berger spielt die pensionierte Studiendirektorin Angelika Hartmann , die das Souterrain der geräumigen Münchner Familienvilla – und auch ihre nachberufliche Leere – mit einem Flüchtling füllen möchte. Das Casting gewinnt der freundliche Nigerianer Diallo (Eric Kabongo), der einst wegen den Boko-Haram-Terroristen seine Heimat verließ.

Was folgt, hat trotz üblicher Klischeegestalten (von der esoterisch entgleisten Hippie-Tante bis zum eifernden Islamisten) weniger mit der Migrationsthematik zu tun als mit dem Porträt einer neurotischen Familie, für die der Fremde zum Katalysator wird – ein Fernsehfilmszenario durch und durch also. Der erfolgreiche Sohn (Fitz) rutscht in den Burnout, die Tochter findet keine Richtung im Leben (aber in M’Barek einen Mann), der weniger liberale Vater ( Lauterbach ) ist gegen Diallo, weiß ihn aber in soziales Kapital umzumünzen, wenn er vor anderen mit ihm angibt.

Läuft wo?

Willkommen bei den Hartmanns in den Kinos unserer Region

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Verhoeven veralbert „besorgte“ Bürger, die vor dem Haus rassistische Mahnwachen abhalten, ebenso wie die notorischen Kümmerer, die Geflüchtete zum Objekt ihrer Eitelkeit degradieren. Wirklich scharf wird der Film dabei aber nie. Es hätte mehr Szenen gebraucht wie jene, in der Angelika Diallo stolz in der Bäckerei präsentiert („Das ist mein Flüchtling!“) und die Bäckerin freudig ausruft: „Mei, ist der lieb!“

Da trifft der absurde Alltagswitz Loriots auf Ulrich Seidls abgründige Gesellschaftssatiren. Ansonsten surren hier nur die Komödienroutinen.

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