Florence Foster Jenkins
Massaker am Wohlklang

Die Noten waren ihr Feind: Florence Foster Jenkins genießt Kultstatus als „schlechteste Sängerin der Welt“, Tonaufnahmen von ihr aus den frühen 1940er Jahren sorgen heute noch für schauderndes Vergnügen. Doch wie sehr die steinreiche New Yorker Salonlöwin und Mäzenin, die als selbst ernannte Opernsängerin berüchtigte Privatkonzerte in schrillen Kostümen gab, tatsächlich an ihr Talent glaubte: Man weiß es nicht.

Freitag, 25.11.2016, 10:11 Uhr

Sie fand ihre Kostüme schön und wohl auch ihren Gesang: die exzentrische Florence Foster Jenkins (Meryl Streep).
Sie fand ihre Kostüme schön und wohl auch ihren Gesang: die exzentrische Florence Foster Jenkins (Meryl Streep). Foto: Constantin Film

Die Faszination für die kolossal dilettierende Amateurin ist jedenfalls ungebrochen. Nach dem französischen Film „Madame Marguerite und die Kunst der schiefen Töne“, der sich frei auf Jenkins bezog, und dem Dokudrama „Die Florence Foster Jenkins Story“ kommt jetzt noch diese süffige Hollywood-Fassung, die Meryl Streep ihre nächste Oscar-Nominierung bescheren dürfte. Sie spielt die Jenkins als schrullige, aber stets liebenswürdige Alte, deren tragische Abgründe nicht verborgen bleiben: Syphilis, Quecksilbervergiftung und eine gigantische Wahrnehmungsblase.

Ihr „Lebensmensch“ St Clair Bayfield, ein gescheiterter Schauspieler, der sich rührend um sie kümmert und sich dennoch nebenher eine Zweitfrau leistet, lässt nichts unversucht, um Jenkins (durch die nimmermüde Selektion eines geneigten Publikums und das Vernichten schlechter Kritiken) die fällige Desillusionierung zu ersparen: endlich mal wieder eine schöne Hauptrolle für den in die Jahre gekommenen Hugh Grant.

Der Film, so konventionell wie souverän inszeniert von „Philomena“-Regisseur Stephen Frears, folgt den Proben für die geplante Krönung dieser eingebildeten Karriere: ein Konzert in der Carnegie Hall. Es ist die programmierte Katastrophe, die der frisch angeheuerte und schnell entgeisterte Pianist Cosmé McMoon (ein toller Komiker: Simon Helberg aus „ The Big Bang Theory “) von Anfang an kommen sieht. Als Jenkins die Kritiken liest, bricht sie zusammen.

Es ist das Tragikomische an dieser Figur, das Stephen Frears hier als perfekte Unterhaltung auf die Leinwand bringt: die Geschichte einer Selbst- und Enttäuschung. Sehenswert.

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