Schlangen und Schwerter
„King Arthur: Legend of the Sword“: Die Artus-Sage als rasante und bombastische Action-Fantasy

Von den über zwanzig filmischen Versionen der britischen Artus-Saga ist „King Arthur: Legend of the Sword“ zweifellos an Atemlosigkeit, Rasanz, Staccato-Schnitt und düsterer Atmosphäre den anderen überlegen. Er erfüllt insofern die Bedingungen eines modernen Blockbusters. Der beste Artus-Film ist er aber nicht. Regisseur Guy Ritchie („Sherlock Holmes“), auch Drehbuch-Co-Autor, vergisst vor lauter Effekthascherei, dass es beim „Once and Future King“ auch was zu erzählen geben sollte.

Freitag, 12.05.2017, 10:05 Uhr

Hier will er das Schwert Excalibur loswerden: Arthur (Charlie Hunnam) ist sich in den Darklands seiner Berufung noch nicht bewusst.
Hier will er das Schwert Excalibur loswerden: Arthur (Charlie Hunnam) ist sich in den Darklands seiner Berufung noch nicht bewusst. Foto: dpa

Aus einem epischen Stoff wird ein wilder Mix aus Gangster-Story, Fantasy mit endlosen Zweikämpfen und Schlachtgetümmel, das sich samt Kriegselefanten und Heerscharen von computergenerierten Kriegern an der „Herr der Ringe“-Trilogie orientiert und den Kern der Artus-Sage unterläuft.

Die Handlung kreist um den jungen Artus ( Charlie Hunnam ), der im Londoner Bordell aufwächst, eine Straßengang um sich schart und erst mal nichts von seiner Berufung zum „rechtmäßigen König“ wissen will. Da spielt Ritchie mit Witz und schnellem Dialog mit den Gaunereskapaden seiner Filme „Dame, Bube, König, Gras“ und „Snatch – Schweine und Diamanten“. Wenn es später um Artus’ Berufung geht, nimmt die von Dämonie und schwarzer Magie beherrschte Fantasy überhand, die aus dem Usurpator Vortigern (Jude Law) einen – na was? – Teufel macht.

Statt einem Entwicklungs- und Reifeprozess zu folgen, wird Artus wie der moderne Mythos James Bond zum Schmerzensmann und Haudrauf. Ein Rüpel, den Frauen kaum interessieren, selbst die Magerknochen-Zauberin mit den blutunterlaufenen Augen nicht.

Um das legendäre Schwert Excalibur wird samt überflüssigem Gastauftritt von Fußballidol David Beckham die nötige Aufmerksamkeit erzeugt, auch wenn hier zu viel CGI-Funken sprühen. Sehenswert sind die Kulissen des frühmittelalterlichen London und die in verschiedenen Formen auftauchenden Schlangen, in deren Leibern sich nackte Frauen wälzen. Im Vergleich zum Historiendrama „King Arthur“ (2004, mit Clive Owen) und dem nach wie vor besten Artus-Film „Excalibur“ (1983, von John Boorman) fällt Ritchies Version trotz Unterhaltungswert und Fortsetzungsoption ab.  

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