Girls’ Night Out
Wilde Weiber und Windeln

Feministische Filmkritikerinnen, ob dogmatisch oder postmodern, und ihre männlichen Kollegen werden in Pseudokomödien wie „Girls‘ Night Out“ Fehltritte und Rückschritte erkennen, die die Frauenkultur bzw. Frauenbewegung emanzipatorisch um mindestens 200 Jahre zurückwerfen. 

Freitag, 30.06.2017, 11:06 Uhr

Hilfe, wir haben da eine Leiche! Braut Jess (Scarlett Johansson, M.) und ihre überkandidelten Freundinnen (v. l.) Blair (Zoe Kravitz), Alice (Jillian Bell), Pippa (Kate McKinnon) und Frankie (Ilana Glazer) brauchen Beistand.
Hilfe, wir haben da eine Leiche! Braut Jess (Scarlett Johansson, M.) und ihre überkandidelten Freundinnen (v. l.) Blair (Zoe Kravitz), Alice (Jillian Bell), Pippa (Kate McKinnon) und Frankie (Ilana Glazer) brauchen Beistand. Foto: Sony

Das liegt an der kalkulierten Gnadenlosigkeit, mit der dem Publikum idiotische und angeblich massenkompatible Inhalte ohne jeglichen Reiz vor die Augen geworfen werden. Die witzig sein wollenden, aber nur erzwungene Lustigkeit produzierenden Machwerke scheitern zusätzlich an der Inkompetenz der Macher.

Nehmen wir „Girls’ Night Out“. Fünf Freundinnen feiern einen Junggesellenabschied, erleben die große Sause mit Alk, Kokain und Oralsex und haben einen Stripper als Leiche an den Hälsen. Sie kreischen wie die Gänse (nicht die des Kapitols), nehmen Slapstick, den nur sie „cool“ finden, in Kauf, schreien sich in Hassgesängen den Frust aus den Leibern und finden sich verlogen selig zum Happy End.

Eine völlig untalentierte Regisseurin (Lucia Anniello), die kein Gespür für Szenenaufbau und Dialogführung hat, lässt fünf Schauspielerinnen, die nicht auf­einander eingespielt sind, vor der Kamera herumhampeln, wobei sie versuchen, sich jeweils die Schau zu stehlen. Leider haben sie alle kein Timing, selbst Scarlett Johansson , sonst eine achtbare Actrice, liegt in der schlechtesten Performance ihrer Karriere daneben. Ob’s an der Hillary-Clinton-Frisur liegt?

Natürlich darf (seien wir unkorrekt) in Mist wie diesem nicht die Dicke vom Dienst fehlen. Wie die Brachialkomikerinnen Melissa McCarthy und Rebel Wilson sorgt hier Jillian Bell für Kracher, indem sie sich in der „Hangover“-Phase auf einen Stripper wirft, woraus der Unfall resultiert. Und dieser führt wiederum zur holprigen Entsorgung der Leiche, was seit Hitchcocks „Immer Ärger mit Harry“ Standard ist und hier nur notdürftig bedient wird. Die Unflätigkeit der Dialoge und eine Kamera, die um den richtigen Bildausschnitt ringt, werden übertroffen von Szenen, in denen Jess’ Verlobter (Paul W. Downs) als „trauriger Astro­naut“ in Windeln und ohne Hose zu seiner Liebsten und ihren wilden Weibern fährt und an einer Tanke sanfte Schwule bedient. Wer dafür Geld ausgibt, hat es nicht besser verdient. 

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