Prinzessin im Plattenbau
„High Society“: Seichte Komödie

Verwöhnte Tochter aus reichem Haus erfährt, dass sie als Baby vertauscht wurde und zieht zu ihrer echten Mutter in den Plattenbau. Aus dieser Vorgabe zieht die deutsche Komödie „High Society“ alle Register der Klischees vom Gegensatz zwischen Reichen und Ghetto.

Freitag, 15.09.2017, 15:09 Uhr

Die „neue“ Tochter Annabel (Emilia Schüle (r) staunt über ihre Proll-Mutter Carmen (Katja Riemann) und den kostümierten Jungunternehmer Benjamin (Marc Benjamin).
Die „neue“ Tochter Annabel (Emilia Schüle (r) staunt über ihre Proll-Mutter Carmen (Katja Riemann) und den kostümierten Jungunternehmer Benjamin (Marc Benjamin). Foto: dpa

Als Prinzessin, die aufgedonnert als Alien zwischen der Schlechter-Geschmack-Brigade auftaucht, gibt die erblondete Emilia Schüle („Jugend ohne Gott“) als schlagfertiges It-Girl erst mal Jungpolizist Yann ( Jannis Niewöhner , Partner aus der „Drei Farben“-Trilogie) verbal Zunder. Später wird sie im Jobcenter die Vornamen der Kardashian-Brut aufsagen wie ein Mantra und auch als vorwitzige Putzhilfe bei Start-Up-Unternehmer Benjamin Schwarz (Marc Benjamin) ihre Frau stehen.

Das hätte eine bissige Satire über Klassengegensätze in einer viel zu reichen und saturierten Republik werden können, funktioniert aber höchstens als leichte, seichte und unterirdische Farce ohne Sinn und Verstand, was durch sinnfreie Sätze wie „Wer Geld hat, hat auch Brüste“ unterstrichen wird.

Ohne wirkliche Handlung, quält sich der zweite Spielfilm von Regisseurin Anika Decker („Traumfrauen“), die Drehbücher für Til Schweiger schrieb, durch eine Reihe von vergessenswerten Episoden. In den Untiefen der Beliebigkeiten steht die schauspielerisch nicht geforderte Schüle zwischen Iris Berben als Charity-Lady mit geliftetem Popo und gekauftem Realschulabschluss als alter und Katja Riemann als „neuer“ Mutter.

Riemann ist nach „SMS für dich“, wo sie Helene Fischer glänzend parodierte, als Szenen stehlende Proll-Mutter und Tierschutzaktivistin ohne Akte beim BKA der einzige Lichtblick. Im letzten Drittel gehen die Einfälle aus und es wird „50 Shades of Grey“ als Lachnummer imitiert. Irgendwie ist der Film doch Gaudi für It-Girls, die über Prolls lachen wollen. Überflüssig.  

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