Werbebotschaft einer Verbitterten
„Three Billboards outside Ebbing, Missouri“: Tragikomisches Meisterwerk auf Oscar-Kurs

Sieben Monate ist es her, seit Mildreds zwölfjährige Tochter vergewaltigt und ermordet wurde. Ermittelt wurde nur halbherzig, Verdächtige gibt es keine. Da fallen der verbitterten Frau drei Werbetafeln („Billboards“) auf, an der Ausfallstraße aus ihrem Heimatstädtchen Ebbing in Missouri. 

Freitag, 26.01.2018, 10:01 Uhr

Mildred (Frances McDormand) erhofft von Sheriff Willoughby (Woody Harrelson) mehr als nur einen Plausch auf der Schaukel ihrer ermordeten Tochter.
Mildred (Frances McDormand) erhofft von Sheriff Willoughby (Woody Harrelson) mehr als nur einen Plausch auf der Schaukel ihrer ermordeten Tochter. Foto: 20th Century Fox

Dort lässt Mildred in riesigen Lettern drei Sätze aufpinseln: „Vergewaltigt und ermordet.“ „Noch immer keine Festnahmen.“ „Wie kommt‘s, Sheriff Willough-by?“ Bald hat Mildred fast die ganze Stadt gegen sich.

Regisseur und Autor Martin McDonagh schreibt derzeit mit die besten Dialoge im Filmgeschäft. Geschärft hat er diese Kunst in seinem Vorleben als Theaterdramatiker („Der Krüppel vonInishmaan“). Seit seinem Durchbruch mit „Brügge sehen... und sterben“ reißen sich die Stars darum, bei ihm mitzuspielen, denn kaum jemand kann tragische Abgründe so treffsicher mit tiefschwarzem Humor auspegeln, kaum jemand vermag es, Figuren so präzise zu umreißen und dann in immer unerwarteteren Nuancen auszuformulieren.

Das zahlen ihm seine Schauspieler mit Brillanz zurück – wie hier Frances McDormand, die sich als eine Art weiblicher Michael Kohlhaas voller Wut, Entschlossenheit und grimmiger Unvernunft den vermeintlich Untätigen entgegenstemmt: Es ist ihr bester Auftritt seit „Fargo“. Den von ihr angeklagten, mit traurigem Geheimnis ausgestatteten Sheriff spielt Woody Harrelson („True Detective“) kaum minder beeindruckend; sein Abgang im Film ist schon jetzt legendär.

Sam Rockwell („Moon“) wiederum darf sich vom xenophoben Schmalspur-Cop in etwas völlig Unerwartetes verwandeln: Dies ist nicht nur ein Film, der heiße Themen-Eisen wie sexuelle Gewalt und rassistische Polizei in eine kriminalistische Tragikomödie übersetzt, sondern auch ein Film über Vergebung.

In prägnant geschriebenen weiteren Rollen glänzen neben den Erwähnten noch weitere Qualitätsakteure, von Abbie Cornish („Candy“) über Lucas Hedges („Manchester by the Sea“) bis hin zu „Game of Thrones“-Star Peter Dinklage. Heraus kam ein überzeugend gebautes, packendes, rührendes Schelmenstück über Trauer, Wut und Empathie. „Three Billboards“, nominiert für sieben Oscars, ist der erste große Film des neuen Kinojahres. Man sollte ihn gesehen haben. Herausragend.  

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