„Das Florida-Projekt“: Brillante Sozialstudie
Motel als Abenteuerspielplatz

In Florida gibt es ein Märchenschloss. Das steht in Disney World. Nur ein paar Kilometer entfernt leben die sozial Benachteiligten in einem Motel namens „Magic Castle“. Die Kinder der Prekären jagen durch diese schäbige, aber sonnige Welt, als wäre auch sie ein Freizeitpark.

Freitag, 16.03.2018, 11:03 Uhr

Der gütige Hausmeister (Willem Dafoe) wacht nicht nur über das Motel, sondern auch über seine Bewohner.
Der gütige Hausmeister (Willem Dafoe) wacht nicht nur über das Motel, sondern auch über seine Bewohner. Foto: dpa

Regisseur Sean Baker („Tangerine L.A.“) hat ein Herz für Randgestalten, diesmal erschließt er den Mikrokosmos Motel ganz aus der Sicht der sechsjährigen Mooney (toll: Brooklynn Prince), die dort mit ihrer 22-jährigen Mutter Halley, einer Gelegenheitsprostituierten, lebt und sich ebenso unflätig wie unermüdlich die Zeit vertreibt. Ein gütiger Hausmeister wacht über sie: Willem Dafoe wurde für diese Rolle für den Oscar nominiert.

Baker zeigt mit diesem in bonbonbunten Farben erzählten Meisterwerk, dass man von Missständen erzählen kann, ohne in Sozialkitsch oder Miserabilismus zu verfallen. Nichts ist hier belehrend oder deprimierend. Der Film bleibt ganz bei seinen widersprüchlichen Figuren, von denen man am Ende nicht genug bekommt. Einer der stärksten Filme der Saison. Herausragend.  

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