„Lady Bird“: Fünffach oscarnominierte Komödie mit Saoirse Ronan
Die Ungeduld in Sacramento

Mit „Lady Bird“ kommt der letzte der großen Oscar-Filme aus dieser Saison ins Kino: Er ist ein kleines Meisterwerk. Auf den ersten Blick legt Regisseurin Greta Gerwig, sonst als Schauspielerin („Frances Ha“) bekannt, bloß eine weitere sogenannte „Coming of Age“-Geschichte über die Nöte und Freuden von Heranwachsenden vor. Doch erstens braucht es davon steten Nachschub für den Nachwuchs. Zweitens funktioniert „Lady Bird“ als Comédie humaine auch bestens für Erwachsene, da Gerwig den melancholischen Zauber vergangener Aufbrüche immer mitinszeniert. Drittens ist die weibliche Perspektive in diesem Genre nach wie vor eine Seltenheit.

Freitag, 20.04.2018, 11:04 Uhr

Der Kleiderkauf für den Schulball führt Lady Bird (Saoirse Ronan, l.) und ihre Mutter Marion (Laurie Metcalf) an die Grenzen.
Der Kleiderkauf für den Schulball führt Lady Bird (Saoirse Ronan, l.) und ihre Mutter Marion (Laurie Metcalf) an die Grenzen.

Christine (Saoirse Ronan aus „Brooklyn“, die für diese Rolle einen Golden Globe erhielt) ist 17, lebt in der mittelaufregenden kalifornischen Hauptstadt Sacramento, absolviert ungeduldig die letzten Monate an ihrer katholischen Highschool und ist in Gedanken längst weg: Sie will an die Ostküste, studieren, unter kultivierten Menschen leben. Ihren Namen findet sie doof, man soll sie „Lady Bird“ nennen.

All dem stehen die Verhältnisse entgegen, denn das Studium an einem renommierten College können sich die Eltern nicht leisten: Vater Larry (gespielt von Theaterautor Tracy Letts) hat seinen Job verloren, und mit Mutter Marion (oscarnominiert: Laurie Metcalf aus der Sitcom „Roseanne“), die die Familie mit vielen Überstunden als Krankenschwester ernährt, liegt Lady Bird sowieso im Clinch. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass Gerwig, Ronan und Metcalf im Nachvollzug der vielen kleinen Abstoßungs- und Wiederannäherungsbewegungen von Lady Bird und Marion, zwischen Genervtheit und aufrichtiger Liebe, die präziseste Zeichnung einer Mutter-Tochter-Beziehung des jüngeren US-Kinos gelungen ist.

Für all dies braucht Gerwig keinen langen Atem: In anderthalb kurzweiligen, sehr witzigen, oft bittersüßen Stunden reiht sie kurze Szene an knappe Sequenz, die den exzellenten Schauspielern immer den richtigen Raum geben, um den Figuren Tiefe zu verleihen. Egal, ob Lady Bird mit ihrem ersten Freund (Lucas Hedges aus „Manchester by the Sea“) die Romantik, mit dem zweiten Freund (Timo­thée Chalamet aus „Call Me By Your Name“) ihren Körper entdeckt, ob sie sich mit ihrer besten Freundin verkracht oder grobe Dummheiten begeht: Die Dialoge stimmen, stets finden die Darsteller den richtigen Ton. Herausragend.  

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