„Nach einer wahren Geschichte“: Polanskis Psychospiele
Das Leben stehlen

Mit über 80 immer noch ein Meisterregisseur, variiert Roman Polanski („Chinatown“, „Tanz der Vampire“) im Psychothriller „Nach einer wahren Geschichte“ die Motive Macht, Identität und Zwangshandlungen in einer fintenreichen Geschichte mit bösen Rollenspielen. Die Vorlage mag der gleichnamige Roman von Elisbath Le Vigan sein, die Themen sind typisch für Polanski, und wie er sie inszeniert, geht über das Buch hinaus.

Freitag, 18.05.2018, 14:05 Uhr

Bald verliert Schriftstellerin Delphine (Emmanuelle Seigner, l.) die Kontrolle und wird von Elle (Eva Green) dirigiert.
Bald verliert Schriftstellerin Delphine (Emmanuelle Seigner, l.) die Kontrolle und wird von Elle (Eva Green) dirigiert. Foto: dpa

Während ihrer Lesereisen baut Autorin Delphine (Polanskis Ehefrau Emmanuelle Seigner), die gerade mit dem Roman über ihre Mutter einen Bestseller gelandet hat, ab und kämpft zwischen Signierzwängen und Drohbriefen mit einer Schreibblockade. Da taucht Elle (Eva Green) auf, die als Ghostwriterin arbeitet und sich als Delphines größter Fan zu erkennen gibt. Bald ist Elle bei Delphine eingezogen, übernimmt Mails, dirigiert den Alltag und die Medikamentierung und dringt immer mehr in Delphines Leben ein. Oder spiel sich alles nur in Delphines Fantasie ab?

Das ist vom Thema her nicht neu, jüngere Regisseure wie François Ozon haben es in „Swimmingpool“ und in „Der doppelte Liebhaber“ gekonnt variiert. Doch steht ihnen Polanski nicht nach. Nach wie vor einer der versiertesten Regisseure, was Schauspielerführung und das Spiel mit doppelten Böden angeht, führt Polanski die Stadien von Kontrollverlust und Manipulation genussvoll vor und lässt vor allem Emmanuelle Seigner in der Rolle der Autorin, die mit ihrer Kunst das Leben kannibalisiert, glänzen.

Wie in „Der Ghostwriter“, „Der Gott des Gemetzels“ und zuletzt in „Venus im Pelz“ spielt das Setting eine wichtige Rolle, wird Delphines Wohnung wie in „Ekel“ eine Falle, die sich – da ist Polanski auf der Höhe der Zeit – im PC fortsetzt. Delphines und Elles Namen stehen symbolisch für einen Film, der als Meta-Film über Kunst und Kunstproduktion reflektiert und mit dem Titel über die spottet, die ihre Geschichten aus Zeitungsartikeln klauen, äh, entwickeln. Sehenswert.  

Anzeige
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5748966?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F1819671%2F
Mammut-Milchzahn – „Der Fund meines Lebens“
Der etwa sechs Zentimeter lange Milchstoßzahn eines Mammutjungen ist für die Paläontologen eine wahre Sensation.
Nachrichten-Ticker