„Foxtrot“: Meisterliche Antikriegs-Groteske
Rasender Stillstand in Israel

Am Anfang klingelt es an der Tür des schicken Apartments in Tel Aviv: Das Militär bringt schlimme Kunde. Jonathan, der Sohn der Feldmanns, sei im Militärdienst gefallen. Architekt Michael (Lior Ashkenazi, „Walk on Water“) tigert zornig durch die Zimmer, Gattin Dafna (Sarah Adler, „Jellyfish“) betäubt sich mit Tabletten. 

Freitag, 13.07.2018, 12:31 Uhr

Architekt Michael (Lior Ashkenazi) und Gattin Dafna (Sarah Adler) erhalten eine schreckliche Nachricht.
Architekt Michael (Lior Ashkenazi) und Gattin Dafna (Sarah Adler) erhalten eine schreckliche Nachricht. Foto: NFP

Nach einer absurden Wendung geht es zu Jonathan in die Wüste: An einem verlassenen Checkpoint an der Grenze zum Westjordanland fristen er und seine Kollegen ihre Tage. Ab und an darf ein Kamel die Grenze passieren, mal in diese, mal in jene Richtung, sonst kommt kaum jemand vorbei. Ihr Wohncontainer versinkt jeden Tag tiefer im Morast. Nach einer weiteren tragischen Wendung geht es zurück zu den Eltern nach Tel Aviv.

In drei Teilen und mit bestaunenswertem Formbewusstsein erzählt der israelische Regisseur Samuel Maoz („Lebanon“) diese Parabel über den rasenden Stillstand in seinem Heimatland: Als würde er Foxtrott tanzen, bewegt sich der mit groteskem Humor gespickte Film nach vorne, zur Seite und wieder zurück: die Anfangsposition als Déjà-vu. Raus aus der Nummer kommt er nicht, was Maoz explizit als Kommentar auf sein Land verstanden wissen will, im Besonderen auf dessen Stellung im Nahostkonflikt.

Weil die israelischen Soldaten im Film ein tödliches Missverständnis mit palästinensischen Jugendlichen unter den Teppich kehren, wetterte die konservative Kultusministerin Miri Regev gegen den Film: Er erzähle Lügen und sei antiisraelisch. Den Jurypreis in Venedig und den israelischen Filmpreis „Ophir“ für den besten Film 2017 konnte sie damit nicht verhindern. „Foxtrot“ zählt mit seinen absurden Pointen und bitteren Volten zu den stärksten Filmen dieser Kinosaison. Herausragend.  

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