„Mackie Messer – Der Dreigroschenfilm”: Leicht überladener Film-Essay
Dreharbeiten mit Doppelmond

Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral: Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“, vertont von Kurt Weill, war einer der größten Theatererfolge der Weimarer Republik. Auch heute noch wird die lose Bearbeitung der „Beggar’s Opera“ von John Gay gern gespielt, wegen großartiger Songs wie der „Moritat von Mackie Messer“ natürlich, aber auch, weil sich der Plot über zwei ausbeuterische Verbrecher im viktorianischen London stets bestens aktualisieren lässt.

Freitag, 14.09.2018, 14:01 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 14.09.2018, 12:22 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 14.09.2018, 14:01 Uhr
Tobias Moretti (M.) steht als Macheath alias Rudolf Forster im Mittelpunkt der im Film gezeigten „Dreigroschenoper“-Verfilmung.
Tobias Moretti (M.) steht als Macheath alias Rudolf Forster im Mittelpunkt der im Film gezeigten „Dreigroschenoper“-Verfilmung. Foto: Wild Bunch

Bis heute sehenswert ist die Erstverfilmung von G. W. Pabst, ein früher Tonfilm aus dem Jahr 1931. Über deren Entstehung hat TV-Regisseur Joachim Lang („George“) nun einen Kinofilm gedreht: „Mackie Messer – Der Dreigroschenfilm“ ist keine weitere Verfilmung, sondern ein filmischer Essay, der zwischen Stück- und Produktionsebene hin- und herspringt, um in Brechts Sinne zu „zeigen, dass man zeigt“.

Der 30-jährige Brecht, mit Kurzhaar und Brille gespielt von Lars Eidinger, war mit der Verfilmung überhaupt nicht einverstanden. Nach der Uraufführung 1928 sollte er das Drehbuch schreiben, bis er von Produzent Seymour Nebenzahl ausgebootet wurde: Er habe dem Projekt eine „ausgesprochen politische Tendenz“ geben wollen. Gemeinsam mit Weill (Robert Stadlober) klagte er gegen die „Verdummungsmaschinerie“. Später einigte man sich.

Joachim Lang, der über Brechtverfilmungen promovierte und auch das Augsburger Brecht-Festival leitete, gibt nun eine Ahnung davon, wie der Film hätte aussehen können, hätte man Brecht machen lassen: Immer wieder greift er ein ins Ensemble um Rudolf Forster (Tobias Moretti), Lotte Lenya (Britta Hammelstein) und Ernst Busch (Max Raabe), über der Themse lässt er einen zweiten Mond aufhängen. Wo das Kino Kulissenzauber verlangt, sorgt er für Distanz. Ein spannender Ansatz, der den Film allerdings auch überlädt. Plot, Meta-Plot, filmhistorische und -theoretische Erörterungen, am Ende plakative Anspielungen auf den Finanzkapitalismus: eine Menge Holz. Fast dankbar ist man, wenn sich der Film mal länger in der hochkarätig besetzten Dreigroschenoper selbst aufhält, bei Peachum (Joachim Król), Polly (Hannah Herzsprung) und Tiger Brown (Christian Redl). Sie zeigen, wie aktuell das Stück ist, gerade in dieser Zeit, in der jene, die auf die Menschenrechte pochen, „Moralisten“ geschimpft werden dürfen.  

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