„Ballon“
Nächtliche Überfahrt

Eine der spektakulärsten Fluchtgeschichten von Menschen, die aus dem Arbeiter- und Bauern-Staat DDR (1949-1989) in den Westen „rübermachten“, ist die der Familien Strelzyk und Wetzel, die es 1979 von Thüringen aus mit ihrem selbst gebauten Heißluftballon über die Grenze in die BRD schafften. Das Kritiker-Urteil: Spannender Flucht-Thriller nach einer wahren Geschichte.

Freitag, 28.09.2018, 11:50 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 28.09.2018, 11:45 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 28.09.2018, 11:50 Uhr
Flamme empor! Gleich starten zwei Familien aus der DDR mit ihrem selbst gebauten Heißluftballon zur Republikflucht mit dem Wind in den Westen.
Flamme empor! Gleich starten zwei Familien aus der DDR mit ihrem selbst gebauten Heißluftballon zur Republikflucht mit dem Wind in den Westen. Foto: Studiocanal

Dass sich ausgerechnet Michael Bully Herbig , Spezialist für schräge Parodien („Der Schuh des Manitu“) an die Verfilmung der wahren Geschichte wagte, liegt teils in seiner Begeisterung für das damalige Geschehen, teils an der erklärten Absicht, nach all den „Bullyparaden“ jetzt „ernste“ Filme zu drehen.

Mit „Ballon“ ist ihm das prima (auch so ein Wort von damals) geglückt. „Ballon“ ist ein sehr spannender und mit hohem Tempo erzählter Flucht-Thriller, der das Tempo zwei Stunden durchhält, ständig an der Spannungsschraube dreht und trotz des bekannten Ausgangs mit nächtlicher Überfahrt fesselt.

Erzählt wird aus der Perspektive von Peter Strelzyk (Friedrich Mücke), der bei der Jugendweihe des jüngeren Sohnes über das Honecker-Regime mosert und es geschickt schafft, den jovialen Nachbarn abzulenken: Als Bastler verschafft er dem Stasi-Mann mit Adaptern Zugang zum West-TV in Farbe („Die hat ja rote Haare“).

Der erste Fluchtversuch, den die Strelzyks unternehmen, scheitert, man hat das Glück, unbemerkt zu bleiben. Aber Stasi-Oberstleutnant Genosse Seidel (Thomas Kretschmann) verfolgt die Spur der Überreste des Ballons hartnäckig und mit Fahndungsaufrufen. Die Reise der Wetzels nach Berlin ins Interhotel schafft zusätzliche Momente des Thrills.

Beim zweiten Versuch sind die Strelzyks und die mit ihnen fliehende Familie Wetzel erfolgreich, was dem Film Gelegenheit gibt, die zu Beginn angedeuteten Baste­leinen und Stoffbeschaffungen für Gondel und Ballonhülle genauer zu zeichnen.

Handwerklich ist „Ballon“ bis auf eine CGI-Aufnahme vom Brandenburger Tor erste Sahne, Herbig weiß einfallsreich und mit Humor die Aufmerksamkeit zu halten. Die Darsteller sind gut ausgesucht, vor allem Friedrich Mücke („Friendship!“) überzeugt als Pragmatiker mit Umsicht, Mut und Familienwerten. Thomas Kretschmann bringt Ambivalenzen ein, wenn er die DDR kritisch hinterfragt, aber doch den Jäger erkennen lässt.

Was „Ballon“ auszeichnet: Der Film will nicht, wie etwa „Das Leben der Anderen“, die angebliche Wahrheit über die DDR zeigen, sondern einfach eine gute spannende Geschichte erzählen: Sehenswert.  

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