Kino-Kritik
„Werk ohne Autor“: Überfrachtetes und zwiespältiges Künstler-Drama

Als ihn 1937 die lebenslustige Tante Elisabeth (Saskia Rosendahl) in die Ausstellung „Entarte Kunst“ schleppt, ist das für den sechsjährigen Kurt die Initiation in die Welt der Kunst. Ein Museumsführer (Lars Eidinger) raunt: „Kunst kommt von Können.“ Aber Tante Elisabeth führt dem Kleinen mit dem Hupkonzert der Taxifahrer vor, was sie unter Kunst versteht: ekstatisches Ausleben genialer Momente.

Freitag, 05.10.2018, 14:57 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 05.10.2018, 14:38 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 05.10.2018, 14:57 Uhr
Hier entsteht Kunst: Maler Kurt Barnert (Tom Schilling) kopiert ein Foto und malt 1965 „Herr Heyde“.
Hier entsteht Kunst: Maler Kurt Barnert (Tom Schilling) kopiert ein Foto und malt 1965 „Herr Heyde“. Foto: dpa

Weniger als das geht nicht im dritten Film von Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck (FHvD), alter schlesischer Adel, der nach „Das Leben der Anderen“ und „The Tourist“ mit „Werk ohne Autor“ als Regisseur, Autor und Produzent ein überlanges Werk vorlegt, das Künstler-Drama, Liebesgeschichte, Familien- und Zeitgeschichte zugleich sein will und sich mit vielen Wiederholungen überhebt.

Im Kern nimmt sich FHvD die Biografie des Malers Gerhard Richter vor, der hier Kurt Barnert heißt und von Tom Schilling („Oh Boy“) ein wenig unter seinen Möglichkeiten gespielt wird. Nach der Ermordung der geliebten Tante im KZ und nach dem Krieg wird er in der DDR trotz Ärger mit dem Schwiegervater (Sebastian Koch als Nazi-Monster mit Aussicht) auch staatstragender Künstler mit riesigen Wandbildern, geht in den Westen und trifft in Düsseldorf auf die Avantgarde, die der Film abwatscht und nur die Tafelmalerei, die Kurt erfolgreich machen wird, gelten lässt.

Das ist forsch gegenüber Joseph Beyus (der mit dem Fett), Günther Uecker (der mit den Nägeln) und Sigmar Polke (der mit der Propellerfrau), hat aber jene lebendigen Momente, die den sonst von Pathos und Kitsch mit merkwürdig hohlen Dialogen triefenden Film charakterisieren.

Seit der Uraufführung in Venedig umstritten ist jene Montage, in der Tantes Tod in der Gaskammer mit der Bombardierung von Dresden und dem Tod von Kurts Brüdern an der Front parallelisiert wird. Das löst Unbehagen aus, rangiert aber unter dem Siegel „künstlerische Freiheit“.

Gruselig ist das Frauenbild gerne nackter und williger Frauen, die als Gebärmaschinen und Stichwortgeber fungieren. Alles im Dienst der Kunst und eines Geniekults, den FHvD wohl aus dem 19. Jahrhundert übernommen hat.

Wer über Kunst, Geschichte und Traumata wirklich etwas erfahren will, sei auf Konrad Wolfs unerreichten „Goya“ verwiesen und für die Moderne auf die Dokus „Beuys“ und „Marina Abramovic: The Artist is Present“.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6101314?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F1819671%2F
Ulf Schlien: Abschied von einem „unverwechselbaren Typen“
Präses Annette Kurschus hatte Ulf Schlien im Februar 2018 ins Amt eingeführt – nun hielt sie die Predigt beim Gedenkgottesdienst für den unerwartet verstorbenen Superintendenten.
Nachrichten-Ticker