„Bad Times at the El Royale“: Tarantinoeskes Ganovenkammerspiel
Kommt ein Priester ins Hotel

Es spielen einige sehr bekannte Leute mit in diesem Film, doch der eigentliche Star ist sein fast alleiniger Schauplatz: Das El Royale ist ein Hotel am Lake Tahoe, und es steht genau auf der Grenze, die Kalifornien von Nevada trennt. 

Freitag, 12.10.2018, 16:58 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 12.10.2018, 16:34 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 12.10.2018, 16:58 Uhr
Worüber staunen der Priester (Jeff Bridges) und die Sängerin (Cynthias Erivo) hier nur?
Worüber staunen der Priester (Jeff Bridges) und die Sängerin (Cynthias Erivo) hier nur? Foto: Fox

In den 1950er-Jahren war es ein Hotspot der Reichen und Schönen, die Monroe und Sinatra gingen hier ein und aus – jetzt, zur Spielzeit des Films, irgendwann Ende der Sechziger, rottet es vor sich hin. Und macht sich nichts aus Datenschutz: Die Zimmer sind verwanzt und verspiegelt.

Damit die „schlechten Zeiten“, die der Titel verspricht, beginnen können, müssen eines denkwürdigen Tages vier sonderbare Gesellen dort einchecken, ein Priester ( Jeff Bridges, „The Big Lebowski“), ein Staubsaugervertreter (Jon Hamm, „Mad Men“), eine Sängerin (der Londoner Musical-Star Cynthia Erivo) und eine undurchsichtige Gangsterbraut (Dakota Johnson aus „Fifty Shades of Grey“). Aber was heißt schon undurchsichtig? Alle vier haben etwas zu verbergen und sind nicht die, für die sich ausgeben. Im Laufe einer dauerverregneten Nacht verstrickt sich die kriminelle Lage.

Regisseur Drew Goddard, der 2012 mit „The Cabin in the Woods“ eine der schönsten Horrorfilm-Dekonstruktionsübungen dieser Dekade vorlegte, nimmt sich über stramme 141 Minuten hinweg viel, manchmal auch zu viel Zeit, um die teils skurrilen Hintergründe der vier Charaktere zu erhellen, ehe mit dem Auftritt eines gut gebauten Sektenführers (Chris „Thor“ Hemsworth aus dem „Avengers“-Universum) dann ein wendungsreiches Inferno losbricht.

Klares Vorbild dafür ist Quentin Tarantino. Besonders an dessen Ein-Raum-Kammerspiel „The Hateful Eight“ und seine „Four Rooms“-Episode muss man denken, ganz zu schweigen von all den Registern des postmodernen Erzählens, die Goddard hier zieht, mit Kapitelstruktur, Rückspul-Manövern und wilden Perspektivwechseln. Das Problem: Tarantinos Filme sind selbst bereits Hommagen, an Italo-Western, B-Actionfilme, Blaxploitation-Klassiker. Und Hommagen an Hommagen – da fliegen irgendwann die Glieder aus der Referenzkette.

So wirkt Drew Goddards äußerst unterhaltsamer, schick designter, mit Lust gespielter und tadellos inszenierter Mystery-Thriller am Ende trotzdem ein bisschen wie aus zweiter Hand.

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