„Abgeschnitten“: Leichenfleddernde Fitzek-Verfilmung
Schnitzeljagd auf Helgoland

Es leuchtet schon ein, dass sich Bestseller-Autor Sebastian Fitzek für seinen Roman „Abgeschnitten“ als Co-Autor Michael Tsokos ins Boot holte, den Leiter der Rechtsmedizin an der Berliner Charité – nur durch dessen Expertise konnten seine Leser schließlich detailliert nachvollziehen, wie es so ist, wenn sich etwa der Adamsapfel eines Toten „mit einem lauten Knacken“ in zwei Hälften teilt. Man will’s nicht wissen, kann aber nicht weglesen.

Freitag, 12.10.2018, 17:02 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 12.10.2018, 16:40 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 12.10.2018, 17:02 Uhr
Forensiker Herzfeld (Moritz Bleibtreu) muss sich auf eine makabre Jagd einlassen.
Forensiker Herzfeld (Moritz Bleibtreu) muss sich auf eine makabre Jagd einlassen. Foto: Warner

Fitzeks Thriller-Schreibe hat etwas entschieden Voyeuristisches. Das hat er mit dem Regisseur Christian Alvart gemein, der zu den wenigen deutschen Filmemachern mit Genrebewusstsein gehört, zwischenzeitlich in Hollywood drehte („Pandorum“) und zuletzt Til Schweigers „Tatort“-Folgen inszenierte: Zimperlich ist Alvart nie, und auch „Abgeschnitten“ verlangt Zartbesaiteten Überwindung ab.

Moritz Bleibtreu spielt, engagiert wie immer, den Berliner Forensiker Herzfeld, der beim Filetieren einer Leiche einen Hinweis darauf findet, dass seine Tochter entführt wurde. Um sie zu finden, muss er die makabre Schnitzeljagd eines irren Serienmörders (inzwischen in gefühlt jedem deutschen Film dabei: Lars Eidinger) mitspielen, der weitere Hinweise in weiteren Leichen versteckt hat, und das ausgerechnet auf der Insel Helgoland, die während eines Sturms gerade vom Festland „abgeschnitten“ ist (keine Sorge, ihr Fans von Blut und Knochen, der Titel wird nicht metaphorisch bleiben).

Herzfeld dirigiert die auf Helgoland weilende Comiczeichnerin Linda (Jasna Fritzi Bauer, „Axolotl Overkill“) und Hausmeister Ender Müller (Fahri Yardim) per Handy durch neue Sektionen, ehe am Ende alles in eine ziemlich hanebüchen arrangierten Actionsause kulminiert. Muss man das sehen? Spannend ist es jedenfalls. Gebrauchskino eben, gnadenlos unterkomplex, aber effektiv ­– wie Fitzeks Bücher.

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