„Bohemian Rhapsody“: Konventionelle Biografie mit fesselndem Hauptdarsteller
Nichts Neues von der Coverband

Dieser Film wird all jene erfreuen, die von einem Biopic über Freddie Mercury und die britischen Bombastrocker Queen nichts anderes erwarten als die filmische Entsprechung einer professionellen Coverband: Alles sieht möglichst genau so aus und klingt auch möglichst exakt so wie das Original. 

Freitag, 02.11.2018, 13:52 Uhr aktualisiert: 02.11.2018, 14:12 Uhr
Freddie Mercury (Rami Malek) gefällt sich in seinen Posen. Das zeigt der Film natürlich auch.
Freddie Mercury (Rami Malek) gefällt sich in seinen Posen. Das zeigt der Film natürlich auch. Foto: dpa

Fans können sich in alte, natürlich bessere Zeiten zurückversetzen und laufen dabei niemals Gefahr, über Deutungen zu stolpern, die am Überlieferten auch nur minimal kratzen könnten. „Bohemian Rhapsody“ ist effektiver Fan-Service, ein Feel-Good-Movie, zudem offiziell autorisiert von den beiden verbliebenen Queen-Musikern Brian May und Roger Taylor. Wer sich dagegen substanziell Neues über die Band und ihren flamboyanten Frontmann erhofft hatte oder wenigstens einen frischen Blick aufs Altbekannte, der wird bitter enttäuscht.

Brav klappert „X-Men“-Regisseur Bryan Singer (der gut zwei Wochen vor Drehschluss gefeuert wurde) die Stationen der Bandgeschichte ab, beginnend 1970, als der damals noch Farrokh Bulsara heißende Mercury zu seinen künftigen Kollegen stieß, über erste Erfolge und erste Querelen bis zum weltweiten Ruhm.

Eine schöne Idee ist es, ausgerechnet Mike Myers den Plattenboss spielen zu lassen, der die Single-Auskopplung des operettenhaften Sechsminüters „Bohemian Rhapsody“ ablehnte: Myers hatte dem Song im Kult-Film „Wayne‘s World“ einst einen zweiten Frühling beschert.

Mercurys Tod bleibt indessen außen vor. Auch die Drogen- und Sexexzesse des Sängers werden nur züchtig angedeutet, Fakten nach Belieben verdreht: Im Film etwa erfährt der bisexuelle Sänger zwei Jahre früher als verbürgt von seiner Aids-Erkrankung, dramaturgisch passend vor dem Live-Aid-Konzert im Wembley-Stadion.

Diesen legendären Auftritt gibt‘s zum Schluss als Re-Enactment in Realzeit, und das haut selbst Nicht-Fans vor Rührung aus dem Sessel, nicht zuletzt, weil Rami Malek („Mr. Robot“) als Mercury (trotz des parodistisch wirkenden Überbisses) mit seinen exaltierten Moves überzeugt. Diese 20 Minuten haben so viel Kraft, dass umso stärker auffällt, wie bieder die zwei vorherigen Stunden vorbeigerauscht sind.  

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