„Astrid“
Harte Zeiten für starke Frauen

Jeder kennt sie, hat ihre Bücher gelesen oder die Filme nach diesen Vorlagen gesehen. Astrid Lindgren (1907-2001) darf mit Recht als die berühmteste und einflussreichste Kinder- und Jugendbuchautorin angesehen werden. 

Donnerstag, 06.12.2018, 16:22 Uhr aktualisiert: 06.12.2018, 16:41 Uhr
Sie radelt hoffnungsvoll in die Zukunft: Astrid Lindgren (Alba August) geht in den 20er Jahren in Schweden unbeirrbar ihren Weg.
Sie radelt hoffnungsvoll in die Zukunft: Astrid Lindgren (Alba August) geht in den 20er Jahren in Schweden unbeirrbar ihren Weg. Foto: dpa

Der Schöpferin von Figuren wie Michel aus Lönneberga, Pippi Langstrumpf , Karlsson, Ronja Räubertochter und den Kindern aus Bullerbü ist das erstaunlich starke Biopic „ Astrid “ der dänischen Regisseurin Pernilla Fischer Christensen („En Soap“, „Eine Familie“) gewidmet.

Erstaunlich ist „Astrid“, weil hier ein ruhig und einfühlsam erzählter Film entstanden ist, der aber nicht als Wohlfühlpille daherkommt, sondern sich auf die relativ unbekannten frühen Jahre von Lindgren konzen­triert, die ihr späteres Schaffen bestimmen sollten. Das Schweden der 20er Jahre war keineswegs eine moderne Gesellschaft, sondern wie in Deutschland bis in die frühen 60er Jahre hinein autoritär und repressiv. Eine harte Zeit für starke Frauen.

Das bekommt Astrid, wunderbar gespielt von der Dänin Alba August (Serie „Die Erbschaft“), hochgelobte Tochter von Regisseur Bille August („Pelle, der Eroberer“) und Schauspielerin Pernilla August) zu spüren, als sie mit 18 Jahren schwanger wird: von einem verheiraten Mann! Undenkbar in der patriarchalischen Klassengesellschaft.

Astrid ist gezwungen, Sohn Lasse in Kopenhagen an die dänische Leihmutter Marie (schöne Gastauftritte der wie üblich souveränen Trine Dyrholm) zu geben. Später, als Marie erkrankt, wird sie sich Lasse wieder annähern müssen. Am Ende des Films wartet Hoffnung. Bald wird sie schreiben ...

Viel wurde darüber geschrieben, dass Lindgren mit ihren Büchern Kindheit definiert. „Astrid“ beschreibt die Voraussetzungen und Erfahrungen, die die echte Lindgren brauchte, um aus ihrem Smaland, wo sie sich als Teen die Zöpfe abschnitt, das unverwechselbare idyllische und heute immer noch utopische Universum zu schaffen.

In Schweden wurde der Film wegen einer dezenten Sexszene kritisiert: Wie bitte, unsere Ikone nackt? Geht aber doch. Außerdem: Bei all der Pippi-Langstrumpf-Attitüde, die der Autorin anhaftet, wird dabei gern die Härte des schwedischen Lebens unterschlagen, wie sie am besten in den Michel-Geschichten zum Ausdruck kommt. Was es bedeutete, damals ein selbstbestimmtes „modernes“ Leben zu führen, erzählt „Astrid“ mit Bravour. Skol! Äh, sehenswert.

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