„Robin Hood“
Kein Wald für den Kapuzenmann

Aus dem Volkshelden mit seinen munteren Kumpanen aus dem Sherwood Forest ist in der neuen „Robin Hood“-Version ein charakter- und gesichtsloser Superheld geworden, der mit Hilfe eines Sarazenen-Kriegers einen Guerilla-Krieg gegen den Sheriff von Nottingham entfesselt und sich keinen Deut mehr um die Armen kümmert, für die er kämpft und die Reichen bestiehlt. Wirf ihnen Münzen zu, und sie jubeln!

Donnerstag, 10.01.2019, 17:44 Uhr aktualisiert: 10.01.2019, 18:05 Uhr
Von wegen holde Maid! Marian (Eve Hewson) greift beherzt zu Pfeil und Bogen und beeindruckt Robin Hood (Taron Egerton).
Von wegen holde Maid! Marian (Eve Hewson) greift beherzt zu Pfeil und Bogen und beeindruckt Robin Hood (Taron Egerton). Foto: dpa

Douglas Fairbanks war der erste Held in Strumpfhosen. Der frech lachende Erroll Flynn war nach wie vor der beste Freiheitskämpfer, Kevin Costner der smarte und coolste Athlet und zuletzt Russell Crowe mit 45 Jahren der älteste und erwachsenste Held mit politischem Hintergrund und Reifeprozess. Der neue Mann mit Pfeil und Bogen mutiert nun zum Guerilla-Krieger, der die „Boyz’ in the Hood“ aus Nottingham beeindruckt, die seine Kapuze wie Graffiti-Sprayer in der Stadt an Balken nageln.

Im ersten Teil wähnt man sich eher in einem Kriegsfilm wie „Black Hawk Down“, wenn die Kreuzritter in Arabien metzeln und gemetzelt werden. Das gibt das Motiv für Robins Sidekick John (Jamie Foxx), der aus Rache für den ermordeten Sohn und aus Hass auf Kirchen und Adel meuchelt und Robin in der Kriegsführung ausbildet.

Kriegsfilm für die Gamer-Generation

Später verlagert sich alles nach Nottingham, wo der Sheriff (Ben Mendelsohn in Fascho-Uniform) mit dem Kardinal (F. Murray Abraham) den Sturz des Königs plant und Hassreden gegen subversive Araber verbreitet. Aus Maid Marian (Eve Hewson) ist eine Diebin und Hure geworden, die sich nach Robins angeblichem Tod dem ersten Besten an den Hals wirft. Klar, es ist Jamie Dornan, Mr. Grey aus der Trilogie, der mit populistischen Parolen gegen Steuer­erpressungen pöbelt.

Die Filme der Woche (ab dem 10. Januar)

1/5
  • Robin Hood: Action mit Taron Egerton und Jamie Foxx (116 Minuten).

    Bewertung: 2 von 5 Sternen

    Hier geht es zur Rezension.

    Foto: Attila Szvacsek/Studiocanal GmbH/dpa
  • Kalte Füße: Komödie mit Heiner Lauterbach und Sonja Gerhardt (93 Minuten).

    Bewertung: 1 von 5 Sternen

    Hier geht es zur Rezension.

    Foto: -/Sony Pictures Entertainment /dpa
  • Adam und Evelyn: Drama nach einem Roman von Ingo Schulze (100 Minuten).

    Bewertung: 3 von 5 Sternen

    Hier geht es zur Rezension.

    Foto: Alexander Schaak
  • Polaroid: Horror-Film von Lars Klevberg (88 Minuten).

    Bewertung: 1 von 5 Sternen

    Hier geht es zur Rezension.

    Foto: Capelight
  • Ben is Back: Drama mit Julia Roberts und Lucas Hedges (102 Minuten).

    Bewertung: 3 von 5 Sternen

    Hier geht es zur Rezension.

    Foto: -/TOBIS Film GmbH/dpa

Den Sherwood Forest gibt es nicht mehr, was angesichts der globalen Waldabholzungsrate sogar zeitgemäß logisch ist. Woher das Holz für Pfeil und Bogen nehmen? Kein Wald für den Kapuzenmann!

Von der farblichen Ästhetik und der hektischen Schnittfolge her könnte „Robin Hood“ auch „Die Tribute von Panem“ heißen. Oder als James Bond mit Babyface auf Mode-Tour im Mittelalter durchgehen. Oder „Assassin’s Creed“ nachahmen. Oder sich als Marvel-Comic-Held outen. Mann, das Volksmärchen mutiert zum Kriegsfilm für die Gamer-Generation. Robin, komm zu Dir!  

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6310670?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F1819671%2F
Gronauerin bei „Deutschland sucht den Superstar“
Daumendrücken ist angesagt: Die 17-jährige Gronauerin Joana Kesenci wird am Samstagabend beim Casting der RTL-Talentshow „Deutschland sucht den Superstar“ im TV zu sehen sein.
Nachrichten-Ticker