Packendes Drama
„Der Spitzenkandidat“

Was in Schlüsselszenen von Orson Welles‘ Jahrhundertfilm „Citizen Kane“ zum politischen Abstieg von Medienmogul Charles Foster Kane führt, spielt im packenden Politdrama „Der Spitzenkandidat“ die Hauptrolle.

Donnerstag, 17.01.2019, 16:00 Uhr aktualisiert: 17.01.2019, 17:14 Uhr
Gary Hart (Hugh Jackmann), aussichtsreichster Anwärter für die demokratische Präsidentschaftskandidatur, ist im Stress.
Gary Hart (Hugh Jackmann), aussichtsreichster Anwärter für die demokratische Präsidentschaftskandidatur, ist im Stress. Foto: Sony

 Eine Sexaffäre und ihre Aufdeckung bringen einen populären Präsidentschaftskandidaten mit Aussichten auf das Amt zu Fall. Was 1940 diskret verhandelt wurde, wird in der wahren Geschichte des Gary Hart , der 1988 gegen George Bush verlor, zum genüsslich ausgekosteten Skandal.

Hugh Jackman, der wegen der „X-Men“-Filme schauspielerisch immer unterschätzt wurde und etwa in Christopher Nolans Charakterdrama „The Prestige“ besser als Christian Bale agierte, spielt Gary Hart als charismatischen Populisten, der die Sprache der Bürger spricht. Wie JFK kann er es sich als lockerer und kauziger Gouverneur von Wisconsin leisten, die Meute in den Red Rocks auf den Berg steigen zu lassen, wo er seine Kandidatur als Präsidentschaftskandidat verkündet.

Mit sicherem Vorsprung vor Bush in den Vorwahlen beginnt der Leichtsinn der Lichtgestalt. Hart beginnt eine Affäre, Reporter des „Miami Herald“ veröffentlichen ein Foto mit einer jungen Frau, die auf Harts Schoß sitzt. Das Kesseltreiben beginnt, Harts Familie (wunderbar Vera Farmiga als Ehefrau) leidet, Hart wird im Schleudergang zerrieben. Moralische Glaubwürdigkeit, ethischer Anspruch und Trennung von Politischem und Privatem spielen keine Rolle mehr.

„Der Spitzenkandidat“ zeigt eine Zeitenwende. Der investigative Journalismus verrohte, Reporter (wie Robert Redford in „Die Unbestechlichen“), wegen der Watergate-Affäre als Helden gefeiert, werden zu Hyänen. Regisseur Jason Reitman („Up in the Air“) zeigt das in Szenen hektischer Atemlosigkeit in Wahlkampfbüros, wo die „ehrlichen“‘ Anhänger Harts umso enttäuschter sind, und Redaktionsräumen, wo Nachrichten alles bedeuten. Gefilmt wie in den New-Hollywood-Filmen der 70er, mit dem Robert-Altman-Touch brodelnder Betriebsamkeit („Eine Hochzeit“) und starken inhaltlichen Anklängen an „Bill McKay – Der Kandidat“ (1972) mit Robert Redford. Sehenswert.  

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