„Die Frau des Nobelpreisträgers“
Lebenslügen mit Literatur

Wenn in Kürze der Oscar ansteht, wird Schauspielerin Glenn Close, 71, vielleicht einen Sieg über Lady Gaga & Co. einfahren. Denn sie macht aus dem starken Drama „Die Frau des Nobelpreisträgers“ einen sehenswerten Hochkaräter.

Donnerstag, 14.02.2019, 15:58 Uhr
Autor Joe (Jonathan Pryce) erhält einen wichtigen Anruf. Gattin Joan (Glenn Close) fiebert mit.
Autor Joe (Jonathan Pryce) erhält einen wichtigen Anruf. Gattin Joan (Glenn Close) fiebert mit. Foto: Embankment Films

Sieben Mal für den Goldjungen nominiert, hat die mit 46 Filmpreisen und 115 Nominierungen ausgezeichnete Ac-trice es aber durchaus nicht nötig, das als „Mitleids-Oscar“ anzusehen. Ihr Können in Film, TV und Theater ist seit ihrem Debüt in „Garp und wie er die Welt sah“ und Welterfolgen mit „Eine verhängnisvolle Affäre“ und „Gefährliche Liebschaften“ unbestritten.

Wie Generationsgenossin Meryl Streep , die ihr vor Jahren den Oscar („The Iron Lady“ versus „Albert Nobbs“) wegschnappte, beherrscht Close starke wie subtile Töne. Was „Die Brücken am Fluss“ an der Seite von Clint Eastwood für Streep bedeutete, macht die Wirkung von Close in „Die Frau des Nobelpreisträgers“ aus. In einer fast nonverbalen Rolle vermittelt sie nur mit Blicken, Mienenspiel und kleinen Gesten ein breites Spektrum widersprüchlicher Empfindungen.

Seit Jahren mit Bestseller-Autor Joe Castleman (Jonathan Pryce) verheiratet, lebt Joan (Close) eine Existenz im Schatten ihres Mannes. Als er 1993 den Literaturnobelpreis erhält, geht es nach Schweden, wo Joan zwischen Empfängen und Preisverleihung die Ehe mit dem Mann, den sie 1956 als Literaturprofessor kennenlernte, resümiert. In einer schönen Besetzungswahl spielt Annie Starke, Tochter von Close, die Rolle der Joan in jungen Jahren.

Joans Erinnerungsreise in die Welt der Lebenslügen mit Literatur wird zum spannenden Enthüllungsparcours des als Familien- und Ehedrama von sanft zu bissig schwenkenden Films von Regisseur Björn Runge, der solide inszeniert. Der Journalist und Joes Biograph Bone (prima: der oft unterschätzte Christian Slater) ist dem auf der Spur, was nur Joan weiß: Wie sind Joes Werke wirklich entstanden? Man denke an „Colette“. Und da wäre noch der nebenher laufende Konflikt zwischen Vater Joe und Sohn David (Max Irons, Sohn von Jeremy).

„The Wife“ (OT) nach dem Roman von Meg Wolitzer ist in Zeiten von #MeToo sicher auch eine Abrechnung mit männlicher Überheblichkeit, ist aber vor allem ein großartiger Schauspielerfilm. Jonathan Pryce (aus dem Brosnan-Bond „Der Morgen stirbt nie“) ist nicht nur Unsympath, sondern besteht als unsicherer Mann mit Affären und Eitelkeiten glänzend an der Seite von Glenn Close, die gerade den Golden Globe gewann und den Film zum Hochkaräter macht. Sehenswert.

Bewertung: 4 von 5 Punkten  

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